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Welt-Alzheimer-Bericht

Mehr Verständnis für die Belastungen von betroffenen Familien eingemahnt – Initiative „Pflegende Angehörige“ in Wien geplant

Anlässlich des am 14. 9. veröffentlichten Welt-Alzheimer-Berichts 2011 warnt die Österreichische Ärztekammer vor einer Betreuungs- und Kostenlawine auch in Österreich. Derzeit leiden zirka 100.000 Österreicher an einer demenziellen Erkrankung. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird diese Zahl bis zum Jahr 2050 auf etwa 230.000 Personen angestiegen sein.

Bereits jetzt würde in Österreich jährlich etwa eine Milliarde Euro für die Versorgung demenzkranker Patienten ausgegeben, betonte der Referent für Ethik und Palliativmedizin der Ärztekammer für Wien, Michael Peintinger. Aufgrund der prognostizierten Inzidenz- sowie Prävalenzzahlen sei aber zu befürchten, dass die für die Behandlung und Betreuung dementer Patienten aufzuwendenden Kosten in den nächsten Jahren und Jahrzehnten „geradezu explodieren“ könnten. Auch gäbe es in Österreich eine hohe Dunkelziffer sowie Versäumnisse, denn: „Nicht nur die naturwissenschaftliche Diagnose kommt oft zu spät, auch die Vorkehrungen, wenn man sich in das Unvermeidliche schicken muss, werden häufig zu spät in Angriff genommen“, kritisiert der Medizinethiker. Peintinger verweist in diesem Zusammenhang insbesondere auf die rechtzeitige Beschäftigung mit der Patientenverfügung sowie Vorsorgevollmachten.

Peintinger plant eine Initiative „Pflegende Angehörige“. Dabei soll pflegenden Angehörigen in Wien von ihren begleitenden und betreuenden Ärztinnen und Ärzten eine sogenannte Notfallskarte ausgestellt werden. Diese Karte weist daraufhin, dass die Personen Angehörige pflegen und daher möglichst schnell behandelt werden sollten. Peintinger hofft, dass sich in einem ersten Schritt alle Wiener Ärztinnen und Ärzte bereit erklären, Patienten, die mit dieser Notfallskarte ihre Ordinationen aufsuchen, bevorzugt zu behandeln und ihnen gegebenenfalls über die konkrete Leistung hinaus Hilfe anzubieten.

Pflegende Angehörige sind einer Vielzahl von Belastungen ausgesetzt. Peintinger: „Sie leisten, neben ihrem keinesfalls hoch genug zu bewertenden Dienst an ihren kranken Familienmitgliedern, auch einen unschätzbaren Dienst für die Gesellschaft, den diese aufgrund mangelnder personeller und finanzieller Ressourcen niemals zu leisten imstande wäre.“ Seiner Meinung nach mangle es in der Gesellschaft nach wie vor zum Teil an der Wertschätzung für die Arbeit, die betreuende Familienmitglieder täglich erledigten. Er nimmt aber auch die Ärzteschaft nicht ganz aus der Pflicht: „Wir Ärztinnen und Ärzte müssen zukünftig noch mehr Sensibilität für Schilderungen von Angehörigen aufbringen, die oft sehr verschämt von ersten kleinen ‚Auffälligkeiten‘ berichten.“ Nur wenn der Arzt frühzeitige Gespräche in der von ihm betreuten Familie initiiere, könnten die oft auch bestehende „unheilsame Sprachlosigkeit“ innerhalb der Familie („Tabuisierung“) aufgebrochen und der Stress für alle Beteiligte vermindert werden.

Quelle: Ärztekammer für Wien, OTS

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