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Abb. 1: Frauen mit Depressionen in ihrer Krankengeschichte weisen ein um 29 % erhöhtes Schlaganfall-Risiko auf.
 

Depression erhöht Schlaganfall-Risiko

Bei depressiven Frauen die Aufmerksamkeit auch auf Risikofaktoren wie Hypertonie, Diabetes, Dyslipidämie oder Rauchen richten.

Depressive Frauen haben ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall. Dies ergab eine über sechs Jahre laufende Nachbeobachtung von Frauen, die an der Nurses Health Study teilgenommen hatten. Die aktuellen Ergebnisse wurden von Stroke, einem Journal der American Heart Association (AHA) im August online publiziert1.

Die Forscher fanden heraus, dass bei jenen Frauen aus der Nurses Health Study (NHS), die eine Depression in ihrer Krankengeschichte aufwiesen, das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden unabhängig von anderen vorliegenden Risikofaktoren um 29 % erhöht ist. Bei frauen, die Antidepressiva, insbesondere SSRIs eingenommen hatten, war das Schlaganfall-Risiko um 39 % erhöht. Allerdings weist die Senior Autorin, Kathryn Rexrode M.D., Women´s Hospital in Boston (USA), darauf hin, dass nicht die antidepressive Medikation per se zu dieser Risikoerhöhung führt, sondern die Medikamenteneinnahme nur ein Zeichen für die Schwere der Erkrankung ist. So betont Rexrode auch, dass diese Studienresultate keineswegs dazu verführen dürfen, die die antidepressive Medikation abzusetzen, um das Schlaganfallrisiko zu vermindern.

Risikofaktoren berücksichtigen

In die NHs wurden insgesamt über 80.000 Frauen im Alter zwischen 54 und 79 Jahren mit einem Schlaganfall in der Anamnese inkludiert und über einen Zeitraum von sechs Jahren beobachtet. Die Studienteilnehmerinnen wurden dabei mehrmals auf das Vorliegen von depressiven Symptomen untersucht und der Gebrauch von Antidepressiva erhoben.

Die Prävalenz der Depression bei Studieneingang betrug 22 % und insgesamt 1.033 Schlaganfälle wurden während der sechsjährigen Beobachtungsdauer registriert. Verglichen mit Frauen ohne Depression waren Frauen mit einer Depression in der Anamnese häufiger Singles, rauchten vermehrt und waren weniger körperlich aktiv. Darüber hinaus waren Frauen mit Depressionen im Mittel geringfügig jünger, hatten einen höheren Body Mass Index (BMI) und wiesen zusätzliche Risikofaktoren wie Hypertonie, KHK und Diabetes auf. „Die Depression kann dafür verantwortlich sein, dass Menschen sich nicht um in ausreichendem Maße um ihre anderen medizinischen Probleme wie Diabetes oder Hypertonie kümmern. Außerdem haben depressive Patienten eine schlechtere Compliance und einen ungesünderen Lebensstil. All das sind Faktoren, die das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen“, so Rexrode.

Fokus auf die Schlaganfall-Prävention

Aber auch die Depression selbst stellt einen Risikofaktor für Schlaganfall dar, wobei eine Reihe von Mechanismen wie Entzündungsprozesse oder vaskuläre Erkrankungen im Gehirn für diese Assoziation verantwortlich sein kann. „Unabhängig von den zugrundeliegenden Mechanismen sollten Frauen mit Depressionen nicht nur in Hinblick auf die Depression, sondern auch auf ihr Schlaganfall-Risiko behandelt werden. Behandelnde Ärzte sollten daher bei depressiven Frauen ihren Fokus auch auf Risikofaktoren wie Hypertonie, Diabetes, Dyslipidämie Rauchen und Bewegungsmangel richten“, empfiehlt der Studienleiter der NHS Prof. An Pan, Harvard School of Public Health (USA).

Quelle: American Heart Association

1 An Pan et al.: Stroke 2011 Aug 11. [Epub ahead of print]

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