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Foto: Wenzel Müller
Meister, Europacup-Finalist, Cup-Sieger - fast alles hat Herbert Feurer im Fußball erreicht. Doch dann kam der Zusammenbruch, und seitdem lässt es der „Funki“ eine Spur ruhiger angehen.
Foto: Wenzel Müller

Meister, Europacup-Finalist, Cup-Sieger - fast alles hat Herbert Feurer im Fußball erreicht. Doch dann kam der Zusammenbruch, und seitdem lässt es der „Funki“ eine Spur ruhiger angehen.

 

Kehrtwendung um 180 Grad

Burnout-Syndrom: Ein Problem auch im Sportbereich.

Was hat er nicht alles im Fußball erreicht: Meistertitel, Cup-Sieg, Europacup-Finale, Weltmeisterschaftsteilnahme. Herbert Feurer war erst Torwart, dann Torwarttrainer, bei Rapid und in der Nationalmannschaft. Ein Sportler durch und durch – doch auch der ist nicht vor dem Burnout-Syndrom gefeit. Bei einem Besuch in seiner Trafik erzählte uns Feurer seine Krankengeschichte.

 

Erst vor kurzem gab Herbert „Funki“ Feurer ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Er brachte eine neue Ausgabe seiner beliebten „Rapid-Wuchteln“ heraus, wieder „heitere Geschichten hinter den grün-weißen Kulissen“, so der Untertitel.

Doch warum ist er eigentlich nicht mehr Tormanntrainer bei Rapid? Bei Heimspielen sah man ihn immer neben der Auswechselbank an der Stange lehnen – und seit etwa drei Jahren steht er da nicht mehr. Still und leise hatte er sich verabschiedet, er, der immerhin 30 Jahre in Diensten von Rapid stand, erst als Torwart, dann als Torwarttrainer (und zweitweise auch als Co-Trainer) und in dieser Funktion Meister (1996 und 2004), Cup-Sieger (2005) und Europacupfinalist (1996) wurde.

Was war also passiert? Ich sitze mit Feurer im Hinterzimmer seiner Trafik, die er vor zwanzig Jahren übernommen hat, um ein zweites Standbein zu haben und somit zumindest in finanzieller Hinsicht von dem seinem Wesen nach rauen und wankelmütigen Fußballgeschäft unabhängig zu sein. Schließlich kennt er die Branche gut genug, um zu wissen, dass der Trainersessel schnell zum Schleudersitz mutieren kann.

Warum er heute nicht mehr Tormanntrainer sei, ja, das sei ganz einfach zu erklären, erzählt Feurer offen. Keine Intrige, keine Absetzung, kein böses Spiel. Sondern eines Tages der totale Zusammenbruch.

Ins Spital, statt ins Stadion

Feurer erinnert sich noch genau. Es war vor drei Jahren an einem Sonntag. Rapid hatte ein Auswärtsspiel in Graz zu bestreiten. Wie üblich wollte er mit dem damaligen Sportdirektor Peter Schöttel im Privatauto nachkommen. Doch an jenem Morgen kam er nicht aus dem Bett. Er hatte Probleme, Luft zu bekommen, dazu einen starken Druck auf der Brust. Statt nach Graz fuhr er sofort ins Krankenhaus. Die Ärzte diagnostizierten ein Burnout-Syndrom. Keinen Funken Energie mehr hatte der „Funki“. Sein Körper pfiff buchstäblich aus dem letzten Loch.

Keinen Funken Energie mehr

Vielleicht hatte dieser Zusammenbuch sogar etwas Gutes, vielleicht hat er ihn vor weit Schlimmerem bewahrt hat, etwa einem tödlichen Herzinfarkt. Feurer war ausgebrannt. Der Tribut an seine bisherige Lebensführung. Denn Urlaub oder ein freies Wochenende, das kannte er schon seit Jahren nicht mehr. Er war vielmehr rund um die Uhr im Einsatz. Aufstehen um 4 Uhr in der Früh, denn um 5 Uhr sperrte er seine Trafik auf. Um 10 Uhr zum Training. Zu Mittag zurück in die Trafik. Am Nachmittag wieder Training. Und am Abend zurück in die Trafik, um sie zuzusperren. Am Samstag oder Sonntag, an denen der normale Bürger frei hat und ausspannt, waren Spiele. „Bei Rapid hast Du zusätzlich diesen Druck, dass Du jedes Spiel gewinnen musst“, sagt Feurer. Eine Belastung, die schließlich zu groß wurde.

Die Ärzte verordneten Feurer eine Pause. Er, der bislang nie eine freie Minute hatte, machte nun ein Jahr lang praktisch gar nichts. Schonung war angesagt. Die Arbeit bei Rapid legte er nieder. Die Ärzte rieten ihm von jeglicher sportlicher Betätigung ab, damit sich sein Körper wieder erholt. Kurz: Feurer gab seinem Leben eine Kehrtwendung um 180 Grad.

Inzwischen ist er wieder bei Kräften, doch in sein früheres Leben möchte er nicht zurückkehren. Zwar ist er nun bei Rapid-Spielen wieder im Stadion, aber nur noch als Zuschauer. Und was die sportliche Betätigung anbelangt, so hat er die Lederkugel gegen den Golfball eingetauscht.

An den Wänden seines Hinterzimmers hängen Fotos von legendären Rapid-Momenten. Als Feurer noch selbst zwischen den Pfosten stand, wurde er mit Rapid vier Mal Meister und Cupsieger. Damals hatte er noch Schnauzer und gelockte Haare. Inzwischen ist der Schnauzer weg und die Haare sind weniger geworden. Dafür ist eine Brille dazugekommen.

Nationalmannschaft war einmal

Feurer lässt es nun eine Spur ruhiger angehen. Tormanntrainer, mit diesem Kapitel hat er abgeschlossen, auch in der Nationalmannschaft. Dafür hat er einen Rapid-Legendenklub gegründet, in dem Spieler zusammenkommen, die mindestens hundert Einsätze für Rapid bestritten haben; in diesem exklusiven Zirkel sind auch ältere Fußballer, die einst zu den Idolen von dem kleinen Buben „Funki“ gehörten.

Feurer hat also wieder neue „Rapid-Wuchteln“ geschrieben – der erste Band avancierte im Jahr 2000 auf Anhieb zum meistverkauften Sportbuch in Österreich. So höflich sich Feurer im Gespräch erweist und kein böses Wort über einen der vielen Spieler verliert, mit denen er in den letzten drei Jahrzehnten gearbeitet hat, kommt die Sprache aber auf Narreteien und Bübereien in der Mannschaft, so wird er plötzlich sehr gesprächig. Er erzählt, wie Trifon Iwanow, der krummbeinige bulgarische Verteidiger, sich in Spielpausen gerne auf die Toilette zurückgezogen hat, um in Ruhe eine Zigarette rauchen zu können. Und wie er das so erzählt, grinst er über das ganze Gesicht. Kein Zweifel, Feurers Herz gehört den Spitzbuben und schrägen Vögeln. Viele Geschichten über sie möchte er noch schreiben. Eine Arbeit, gegen die die Ärzte nichts einzuwenden haben.

Von Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche

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