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Dr. Anton Schmid Wiener Kinder- und Jugendanwalt

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Richard Felsleitner Schulaufsichtsbeamter am Stadtschulrat für Wien, Bezirksschulinspektor

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Prof. Dr. Ernst Berger Abteilung für Jugendpsychiatrie des Psychosozialen Dienstes, Arbeitsgruppe Rehabilitation/Integration, Universitätsklinik für Psychiatrie des Kindes- und Jugendalters, AKH Wien

 

Schulamoklauf – oft eine Verzweiflungstat nach jahrelangem Leiden?

In einem Springer-Round-Table "Ursachen und Auslöser für Amokläufe von Jugendlichen - Warnsignale und Präventions- strategien" nahmen drei Wiener Experten zu dem brisanten Thema Stellung. Die Kernaussagen von Prof. Dr. Ernst Berger, Dr. Anton Schmid und Richard Felsleitner in Video-Kurzfilmen.

Nach einem „School Shooting“ sind die vermeintlichen Auslöser schnell gefunden: Gewaltspiele am PC, mangelnde Erziehungsfähigkeiten der Eltern oder Devianz der jugendlichen Täter. Die Wahrheit dahinter ist wesentlich differenzierter zu sehen, wie Wiener Experten im Rahmen einer vom Springer-Verlag organisierten Round-Table-Diskussion feststellten: Im Zentrum steht ein über lange Zeit leidender Jugendlicher, der Hilfe braucht. Reflexartig geforderte Verbote und Kontrollen tragen wenig zur Verhinderung bei. Zuwendung, Nähe, Verständnis hingegen schon.

Littleton (USA), Jokela und Kauhajoki (Finnland), Erfurt und Winnenden (Deutschland) – diese Städte haben traurige Berühmtheit erlangt, weil jugendliche Amokläufer an Schulen mehrere Dutzend Menschen getötet haben. Die Reaktion der Öffentlichkeit und der Politik auf derartige Ereignisse ist immer gleich: Entsetzen, Unverständnis und Forderungen, PC-Gewaltspiele zu verbieten, die Waffengesetze zu verschärfen, die mediale Berichterstattung einzudämmen und die Kontrollen an den Schulen zu verstärken.

Amokläufe haben allerdings – so die Ergebnisse der aktuellen wissenschaftlichen Forschung – niemals eine monokausale Ursache. Sie sind auch nicht das Resultat einer plötzlichen Überforderung, die in einen eruptiven Ausbruch „blinder“ Gewalt mündet. Sie sind vielmehr über einen langen Zeitraum geplante Taten, die aus einer langen Phase von – wenn vielleicht auch nur selbst so empfunden – Demütigung, Mobbing, seelischen und körperlichen Verletzungen des jugendlichen Täters durch MitschülerInnen, aber auch Lehrpersonen und andere als Autoritäten empfundene Personen resultieren können.

Dabei ist – auch wenn die mediale Berichterstattung etwas anderes suggeriert – der jugendliche Amoklauf ein sehr seltenes Phänomen. Schließlich liegt die Wahrscheinlichkeit, bei einer solchen Attacke getötet zu werden, bei ungefähr eins zu einer Million.1 Das Phänomen „School Shooting“ einer Zunahme der Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen zuzuschreiben, ist ebenfalls eine falsche Annahme: „95 Prozent aller Jugendlichen sind nicht gewaltbereit“, betonte Dr. Anton Schmid, Wiener Kinder- und Jugendanwalt, im Rahmen einer Round-Table-Diskussion, die vom Springer-Verlag organisiert wurde und am 30. März 2009 im Wiener Billrothhaus stattgefunden hat.

Schwierige Ursachenforschung

Die Ursachenforschung und daraus eventuell resultierende Präventionsfaktoren gestalten sich schwierig, weil einerseits die Prävalenz von Schulamokläufen äußerst niedrig ist und andererseits die Täter nur in den seltensten Fällen nach ihrer Tat befragt werden können. 99 Prozent der Täter suizidieren sich nach begangener Tat: „Unser Wissen über die Dynamik des Amoklaufs ist beklemmend gering“, meinte denn auch Prof. Dr. Ernst Berger von der Universitätsklinik für Psychiatrie des Kindes- und Jugendalters am Wiener Allgemeinen Krankenhaus. „Wir sind auf oberflächliche Faktenbetrachtungen und retrospektive Analysen angewiesen.“

Die Täter weisen nur wenige Gemeinsamkeiten auf. Weder existiert ein hervorstechendes ethnisches Profil, noch ein zwingender Zusammenhang zwischen der familiären Situation und Bereitschaft zu Gewalt. Gewaltspiele am PC, Gewaltdarstellungen in den Medien und der Zugang zu Waffen spielen eine Rolle – die wichtigsten Ursachen für jugendliche Amokläufe sind allerdings in den Tätern selbst zu suchen. Die bisher größte Studie zu „School Shootings“ wurde 2004 vom US-Department of Education und vom United States Secret Service veröffentlicht.2 Die wesentlichen Ergebnisse: Die meisten Gewalttäter hatten Probleme, mit größeren Verlusten (z. B. Schulabbrüchen bzw. -ausschlüssen) oder persönlichem Versagen fertig zu werden. Viele hatten einen Selbsttötungsversuch erwogen oder unternommen. Viele Gewalttäter fühlten sich vor der Tat von anderen schikaniert, gehänselt oder verletzt.

Verzweifelte Täter

Die auffälligsten Gemeinsamkeiten, die in der Initiative Sichere Schule erarbeitet worden waren, hat der Wissenschaftstheoretiker Mag. Dr. Lucas Pawlik zusammengefasst.1 So hatten 68 Prozent der Täter eine dokumentierte Geschichte schwerer Depressionen oder Verzweiflung. 71 Prozent der Täter fühlten sich gemobbt, bedroht oder verfolgt und 78 Prozent hatten bereits Suizidgedanken oder Suizidversuche unternommen. Die Attentäter sind in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle Knaben oder junge Männer zwischen elf und 21 Jahren.

„Diese jungen Menschen sind in einer wichtigen Phase ihres Lebens und suchen nach ihrer Rolle“, erläuterte Berger. „Schaffen sie den Kontakt zu anderen nicht, verringert sich ihr Selbstwertgefühl – sie ziehen sich immer mehr zurück.“ Auch der Wiener Kinder- und Jugendanwalt Dr. Anton Schmid sieht den jugendlichen Amoklauf als Verzweiflungstat. „Diese jungen Menschen haben mit ihrem Leben abgeschlossen“, so Schmid: Das Gefühl des Ausgeschlossenseins kann schon in der frühen Kindheit anfangen. Setzt es sich über die Zeit der Pubertät fort, bekommt der Jugendliche das Gefühl, er sei wertlos, ungewollt und allein.

Wertschätzung und Verständnis sind jene Faktoren, die jungen Menschen, die sich ausgegrenzt fühlen, wieder zu mehr Selbstwertgefühl verhelfen können. „Diese Jugendlichen brauchen Nähe und Zuwendung“, sagte Richard Felsleitner, Bezirksschulinspektor für die sechs sonderpädagogischen Zentren für körper- und sinnesbehinderte Kinder, für das Sonderpädagogische Zentrum Heilstättenschule und für die acht sonderpädagogischen Zentren für sozial und emotional benachteiligte Kinder in Wien.

Psychagogen gefragt

Die Schule bietet nicht die alleinige Ursache für jugendliche Amokläufe, sie kann aber Auslöser derartiger Taten sein. Umso wichtiger ist die Rolle von Schule und Lehrern in der Prävention. „Lehrer sind aufgerufen, besonders genau hinzuschauen. Das ist bei Klassen mit 25 bis 30 SchülerInnen natürlich nicht einfach“, konzidierte Felsleitner. Umso wichtiger sei die Unterstützung der Schüler und Lehrer durch ausgebildete Psychagogen: „Allein in Wien sind 300 psychagogisch ausgebildete Lehrer tätig“, so Felsleitner. „2008 haben 7.000 Kinder dieses Angebot in Anspruch genommen.“ Das Spektrum reicht dabei von kurzfristiger Krisenintervention bis hin zu mehrjähriger Betreuung der Schüler, wenn möglich unter Beteiligung der Familie.

Kritik am Schulsystem an sich äußert Kinder- und Jugendanwalt Dr. Anton Schmid: „Das kompetitive Schulsystem stellt das Ziel in den Mittelpunkt und nicht das Kind“, formulierte er pointiert. „Die zentrale Botschaft lautet ständig: Nicht du selbst bist wichtig, sondern das Ziel, das du erreichen sollst.“ Schmid sieht das Problem zudem in einer immer größer werdenden sozialen Kälte und der zunehmenden Dominanz der „Ellbogengesellschaft“, die letztlich zu Isolation und Einsamkeit führen.

Diese Faktoren und die geringe Kenntnis über jene Personen, die letztlich zu jugendlichen Amokläufern werden, erschweren die Prävention, verunmöglichen sie aber nicht. Denn es gibt Symptome, die im Vorfeld erkannt und bearbeitet werden können. Darüber waren sich die Experten des Round-Table-Gespräches einig: „Es gibt Warnzeichen bei den jungen Menschen“, meinte etwa Kinderpsychiater Prof. Dr. Ernst Berger. Dazu gehören etwa sozialer Rückzug oder vermehrtes Schuleschwänzen. Daraus kann und soll allerdings keineswegs geschlossen werden, dass jeder stille Jugendliche, der Sozialkontakte meidet und sich zurückzieht, zum Amokläufer wird: „Rechtzeitige Hilfe kann nicht als Prävention vor Amokläufen gesehen werden“, betont daher Berger: „Aber es ist allgemeine Gewaltprävention.“

Mit Kindern reden!

Jugendliche Amokläufer beschäftigen sich also meist über einen sehr langen Zeitraum in ihrer Phantasie mit ihrer Tat. „Jemandem gedanklich Schaden zuzufügen, ist aber noch kein Amoklauf“, so Berger. „Um dieses Kippen in die Gewalt zu verhindern, braucht es jemanden, der zuhört, die Möglichkeit, über diese Phantasien zu sprechen.“ Die zunehmende Isolation der jungen Täter, aber auch das Alleingelassenwerden von Seiten der Eltern, Lehrern und Freunden verhindern dieses „Auffangen“. Der Konsum von Gewaltspielen am PC, von gewalttätigen Filmen oder Büchern kann dann – in der Zusammenschau mit den bereits beschriebenen Problemen, im Vorfeld eines Amoklaufs eine Rolle spielen. Auslöser für einen Amoklauf sind sie nicht: „Zwischen Gewalt-PC-Spielen und Amokläufen einen direkten Zusammenhang herzustellen, ist Blödsinn“, ärgert sich Kinder- und Jugendanwalt Schmid. Nicht Spiele, nicht die Gewaltdarstellungen – beispielsweise im Rahmen von Kriegsberichten – in den Medien per se, sondern die mangelnde Kommunikation darüber, seien das eigentliche Problem: „Eltern sollten mit ihren Kindern über das in den Medien gesehene und die PC-Spiele, die ihre Kinder spielen, diskutieren und sie nicht mit den Eindrücken allein lassen“, hielt Berger fest.

Den Zugang zu Waffen halten dagegen alle Experten des Round-Tables für extrem problematisch. Eines der Ergebnisse der bereits zitierten Initiative Sichere Schule war die Tatsache, dass die meisten Attentäter Zugang zu Waffen hatten und diese bereits vor ihrer Tat benutzt hatten. „Waffen haben in einem Haushalt nichts verloren. Wenn keine Waffen vorhanden sind, kann auch niemand damit erschossen werden“, brachte Ernst Berger die einhellige Meinung auf den Punkt.

Abschließend forderte der Kinderpsychiater: „Jugendliche brauchen Unterstützungsmöglichkeiten. Wir müssen sie ernst nehmen und ihnen – wo nötig – professionelle Hilfe anbieten.“

Schulinspektor Richard Felsleitner spricht sich für die Beibehaltung von Präventionsprogrammen aus, und wünscht sich für die Schulen „Maßnahmen, die das Miteinander verbessern“.4 Und Kinder- und Jugendanwalt Dr. Anton Schmid spricht sich für eine nationale Anstrengung aus, die es Eltern erlaubt, die ersten drei Lebensjahre ihres Kindes zu Hause verbringen zu können, denn „Bindungsstörungen beginnen früh!“ Deren Vermeidung sollte der Gesellschaft ein wichtiges Anliegen sein und auch an etwaigen Kosten nicht scheitern. e Fisch

 

1 Pawlik L. „School Shootings“ Rückblick auf die Grundlagen und die Möglichkeiten der Prävention. Pädiatrie & Pädologie, 6/2008, Seite 27, © Springer WienNewYork

2 United States Secret Service and United States Department of Education (2004). The final Report and Findings of the Safe School Inititative: Implications of School Attacks in the United States. Washington D.C.

3 Volker Faust: Amok gekürzt und zusammengefasst. Quelle: http://www.psychosoziale-gesundheit.net/seele/amok.html

4 http://www.gemeinsam-gegen-gewalt.at/de/pages/die%20wei%DFe%20feder.php?lng=de&m=1&s=0

Die „Weiße Feder“ ist das Zeichen gegen Jugendgewalt. Informationen dazu finden sich auf der oben genannten Website.

Kasten 1:
Round-Table- Diskussion:
Thema „Ursachen und Auslöser für Amokläufe von Jugendlichen – Warnsignale und Präventionsstrategien“
Veranstalter: Springer-Verlag WienNewYork Ort: Billrothhaus, Wien Termin: 30. März 2009
Diskussionsgäste: Prof. Dr. Ernst Berger, Abteilung für Jugendpsychiatrie des Psychosozialen Dienstes, Arbeitsgruppe Rehabilitation/Integration, Universitätsklinik für Psychiatrie des Kindes- und Jugendalters, AKH Wien
Dr. Anton Schmid, Wiener Kinder- und Jugendanwalt
Richard Felsleitner, Schulaufsichtsbeamter am Stadtschulrat für Wien, Bezirksschulinspektor
Die Kernaussagen der Diskussionsgäste sind unter www.springermedonline.at zu sehen und zu hören.
Kasten 2:
Lange Vorlaufzeit
Die Bereitschaft, einen Amoklauf zu begehen, entsteht nicht über Nacht. Vielmehr handelt es sich um eine langfristige phasenhafte Entwicklung. Meist geht dem Geschehen jahrelange intensive Beschäftigung mit dem Thema voraus. In einem Artikel zu diesem Thema unterscheidet der deutsche Psychiater Dr. Volker Faust3 vier Phasen:
1. Vorstadium: Es finden sich Milieu-Schwierigkeiten, Demütigungen, Kränkungen und Beleidigungen. Menschen mit einer entsprechenden Konstitution weisen keine adäquaten Bewältigungsstrategien für derartige Situationen auf.
2. Akute Belastungen körperlicher, seelischer oder psychosozialer Art bekommen eine verheerende Bedeutung, die zu einem nur noch knapp kompensierten Spannungszustand führt.
3. Der Jugendliche zieht sich immer mehr zurück, isoliert sich und phantasiert Gewaltszenarien, in deren Mittelpunkt er selbst als „Held“ steht. Diese Phantasien schaukeln sich immer mehr auf. Die Tat wird immer konkreter.
4. Oft reicht dann ein für sich gesehen belangloser Vorfall, der zur Tat führt, die – in der überwiegenden Anzahl der Fälle – mit dem Suizid des Täters endet.

Von Sabine Fisch, Ärzte Woche

  • Herr Doctor Nabil Deeb, 23.01.2011 um 14:01:

    „Menschenrecht auf Gesundheit gilt auch für die Menschen in GAZA-Streifen .


    Nabil DEEB
    Arzt – Physician – Doctor
    PMI-Ärzteverein e.V.
    53140 Bonn


    Das wichtigste völkerrechtliche Abkommen zum Schutz des Rechts auf Gesundheit ist der Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (UN-Sozialpakt), an den fast alle Länder der Welt ( = 189 Staaten ) auch Deutschland seit 1973 gebunden ist.

    Diesem Pakt zufolge versteht man das Recht auf Gesundheit als das Recht eines jeden Menschen auf das für ihn bzw. sie erreichbare Höchstmaß an körperlicher und geistiger Gesundheit (UN-Sozialpakt, Artikel 12 Absatz 1). Dies verpflichtet den Staat, die Vorraussetzungen zu schaffen, die für eine Person „im Krankheitsfall den Genuss medizinischer Einrichtungen und ärztlicher Betreuung sicherstellen“ (UN-Sozialpakt, Artikel 12 Absatz 2 d).

    Im Sinne des UN-Sozialpakts eröffnet das Recht auf Gesundheit einen Anspruch auf Zugang zur bestehenden Infrastruktur der öffentlichen Gesundheitsversorgung. Das Recht auf Gesundheit soll ohne Diskriminierung gewährleistet werden, die Leistungen der gesundheitlichen Versorgung müssen für die Betroffenen bezahlbar sein. Die rechtliche Möglichkeit allein, gleichberechtigten Zugang zu haben, reicht allerdings nicht aus. Vielmehr soll der Zugang auch tatsächlich (de facto) gewährleistet werden. Das ist nicht der Fall, wenn die Betroffenen von der Wahrnehmung dieses elementaren Rechts in aller Regel wegen strukturell bedingter Hürden absehen.

    Menschenrechte sind unveräußerliche Rechte. Sie sind grundsätzlich statusunabhängig .

    Der Gesundheitszustand eines Menschen ist von elementarer Bedeutung für ein Leben in Würde.

    Allgemeine Erklärung der Menschenrechte Resolution 217 A (III) vom 10.12.1948 :

    Artikel 12 :

    Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden. Jeder hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen.

    In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wird in Art. 25 ganz konkret das Recht auf ärztliche Versorgung und Absicherung im Krankheitsfall festgehalten.

    Diesem Pakt zufolge versteht man das Recht auf Gesundheit als das Recht eines jeden Menschen auf das für ihn bzw. sie erreichbare Höchstmaß an körperlicher und geistiger Gesundheit (UN-Sozialpakt, Artikel 12 Absatz 1). Dies verpflichtet den Staat, die Vorraussetzungen zu schaffen, die für eine Person „im Krankheitsfall den Genuss medizinischer Einrichtungen und ärztlicher Betreuung sicherstellen“ (UN-Sozialpakt, Artikel 12 Absatz 2 d).

    Im Sinne des UN-Sozialpakts eröffnet das Recht auf Gesundheit einen Anspruch auf Zugang zur bestehenden Infrastruktur der öffentlichen Gesundheitsversorgung. Das Recht auf Gesundheit soll ohne Diskriminierung gewährleistet werden, die Leistungen der gesundheitlichen Versorgung müssen für die Betroffenen bezahlbar sein. Die rechtliche Möglichkeit allein, gleichberechtigten Zugang zu haben, reicht allerdings nicht aus. Vielmehr soll der Zugang auch tatsächlich (de facto) gewährleistet werden. Das ist nicht der Fall, wenn die Betroffenen von der Wahrnehmung dieses elementaren Rechts in aller Regel wegen strukturell bedingter Hürden absehen.

    Menschenrechte sind unveräußerliche Rechte. Sie sind grundsätzlich statusunabhängig und gelten daher auch uneingeschränkt für Frauen, Männer und Kinder. Der Gesundheitszustand eines Menschen ist von elementarer Bedeutung für ein Leben in Würde.

    Im Jahr 2000 haben 189 Staaten in den Millennium Development Goals (MDG) eine klare Aussage zu den globalen Gesundheitszielen getroffen und eine Kehrtwende in der globalen Gesundheit gefordert.

    UNO Menschenrechtsabkommen Pakt I (Sozialrechte) :

    Art. 12: «(1) Die Vertragsstaaten erkennen das Recht eines jeden auf das für ihn erreichbare Höchstmass an körperlicher und geistiger Gesundheit an.
    (2) Die von den Vertragsstaaten zu unternehmenden Schritte zur vollen Verwirklichung dieses Rechts umfassen die erforderlichen Massnahmen
    (a) zur Senkung der Zahl der Totgeburten und der Kindersterblichkeit sowie zur gesunden Entwicklung des Kindes;
    (b) zur Verbesserung aller Aspekte der Umwelt- und der Arbeitshygiene;
    (c) zur Vorbeugung, Behandlung und Bekämpfung epidemischer, endemischer, Berufs- und sonstiger Krankheiten;
    (d) zur Schaffung der Voraussetzungen, die für jedermann im Krankheitsfall den Genuss medizinischer Einrichtungen und ärztlicher Betreuung sicherstellen.


    Solange Menschen und ihre Regierungen nicht in ihrem Herzen und in ihrem Geist als Gleiche miteinander umgehen, werden die internationalen Dokumente wie die sog. „“ Allgemeine Erklärung der Menschenrechte „“ in unserer Wissenschaftsgesellschaft nicht viel ändern.!!!


    Die Leukämie und die traumatischen Verletzungen im toxischen Krieg gegen die Menschen in GAZA-Streifen mit abgereichertem Uran :-

    In vielen Regionen der Welt sind die Kinder bei politischen Unruhen und Kriegen zu militärischen Waffen ausgesetzt.

    Bei der o. g . Studie „“ Trends in Childhood Leukemia in Basrah, Iraq, 1993–2007 „“ konnten die amerikanischen Kollegen auch beweisen, erhöhte Erkrankungen der Kinder an Leukämie bei der verbreiteten Verwendung von Munition mit abgereichertem Uran stark ausgeprägt sind.


    Abgereichertes Uran im sinnlosen , massivsten chemonuklearen Krieg gegen den GAZA-Streifen :-

    Urangeschosse wurden im palästinensischen GAZA-Streifen von den israelischen Besatzungstruppen gegen den GAZA - Streifen eingesetzt .

    Zu den zahlreichen Palästinenser, die kurz vor Kriegsende in Gaza getötet wurden, gesellt sich die entweder durch die Auswirkungen von Abgereichertem Uran (Depleted Uranium, DU) oder durch kombinierte Ursachen bewirkte ständig zunehmende Anzahl von Kranken und Toten, es sind hauptsächlich Kinder und Jugendliche.

    Der Ausbruch der Krankheit kann im Fall von DU-Vergiftung bis zu 50 Jahre auf sich warten lassen, die derzeitigen Zahlen sind erst der Anfang.

    Die Auswirkungen von DU erstrecken sich auf eine Dauer von bis zu mehreren tausenden Jahren, sind also nie mehr wieder rückgängig zu machen ( nach der Literatur ) .

    Auf dem gesamten GAZA- Territorium, sind die Gewässer, die Luft, die Vegetation und die Tiere bereits schwer vergiftet. Und was die Menschen betrifft, so schnellen die Erkrankungen und die Todesfälle mit unglaublicher Geschwindigkeit in die Höhe.

    Wirkung der Munition aus abgereichertem Uran :-

    Uran ist eines der Elemente mit dem höchsten spezifischen Gewicht bzw. der höchsten Dichte.

    Gesundheitsschäden durch abgereichertes Uran :-

    Erkranken können alle Lebewesen - nicht nur Menschen, - die mit der Uranmunition und dem Uranoxidstaub in Berührung kommen: Rüstungsarbeiter bei der Produktion der Munition, Soldaten beim Transportieren, dem Lagern und beim Verschießen der Munition, alle Lebewesen im Einsatzgebiet und alle Lebewesen, die Nahrungsmittel aus dem Einsatzgebiet konsumieren, weil das Uran auch über die Nahrungskette in die Körper gelangt.

    Uranoxidteilchen von 2,5 µm Größe kann niemand sehen, riechen oder schmecken. Wenn mit der Nahrung Uranpartikel aufgenommen werden, können nur 0,2% durch den Darm in den Körper gelangen, der Rest wird mit den Exkrementen ausgeschieden.

    Hauptsächlich werden Uranoxidteilchen eingeatmet, gelangen in das Lungengewebe und dadurch in das Blut. Sie sind in den Körperflüssigkeiten nur sehr schwer löslich. Sie werden überwiegend im Skelett eingelagert, das als Langzeitdepot dient.

    Die „biologische „Halbwertzeit“ ist die Zeit, in der die Hälfte des aufgenommenen Urans wieder ausgeschieden ist. Sie ist auf jeden Fall länger als ein Jahr.

    Über die Blutbahn gelangt das Uran in die Leber und die Nieren, wo es die Zellen vergiftet. Die akute Gesundheitsschädigung besteht in einer chemischen Vergiftung durch das Schwermetall Uran, ähnlich wie bei einer Cadmium- oder Bleivergiftung, nur reicht schon eine wesentlich geringere Menge dafür aus. Bei fortgesetzt gleichmäßiger Abgabe von geringen Mengen Uran aus dem Knochenspeicher wird die nierenschädigende Wirkung anderer Umweltgifte, denen wir ausgesetzt sind, verstärkt.

    Die akute Schwermetallvergiftung durch Uran führt zu Funktionsstörungen von Nieren und Leber, bis zum tödlichen Funktionsausfall. Die geschädigte Leber ist nicht in der Lage, die Eiweißsynthese und den notwendigen kolloidosmotischen Druck aufrechtzuerhalten, so tritt das Wasser in den Bauchraum aus. Die geschädigte Niere ist nicht in der Lage, das Wasser auszuscheiden.

    2. Gesundheitliche Schäden durch niedrige Strahlendosis :-

    Die chronische Uranvergiftung führt zu einem AIDS-ähnlichem Immundefekt oder zu Krebserkrankungen, insbesondere Leukämie. Auch natürliche Radioaktivität verursacht eine gewisse Anzahl von Krebserkrankungen, denn es gibt keine unschädliche Niedrigstrahlung. Da das Uran in den Knochen eingelagert wird, ist dort der Ausgangspunkt der schwachradioaktiven Strahlung. Das Gewebe, das in -Strahlen am nächsten liegt, ist das Knochenmark, das Organ, inaReichweite der dem die Blutzellen und die Immunzellen gebildet werden. Wird dieses Immun- und Blutbildungsorgan radioaktiv verstrahlt, kommt es zu einer schweren Form der Blutarmut (aplastische Anämie), zu Krebserkrankungen wie Leukämie oder anderen bösartigen Neubildungen oder zum Immundefekt. Folgen des Immundefektes sind schwerste Verläufe von Masern und Kinderlähmung, Salmonellen- und Wurmerkrankungen, Herpes- und Zosterbildungen.

    Beim Hautkontakt mit abgereichertem Uran kommt es zu schlecht heilenden Wunden mit schmerzlosen Geschwüren. Sie sind deshalb schmerzlos, weil die schmerzempfindenden und -leitenden Sinnes- und Nervenzellen zerstört worden sind.

    Schließlich wird durch das abgereicherte Uran eine genetische Schädigung verursacht. Es kommt zu einer Häufung von Fehlgeburten, Totgeburten und Geburten lebensunfähiger Kinder.

    Von uranvergifteten Eltern wurden Kinder mit folgenden angeborenen Mißbildungen lebend geboren :-

    • Hydrocephalus mit Hirnnervenstörung und Schwachsinn
    • Phokomelie, einer ausgeprägten Mißbildung der Extremitäten wie nach Contergan
    • fehlende Knorpelbildung der unteren Extremitäten
    • Fehlbildung eines Beines mit Greiffunktion einer Hand
    • Fehlbildung, Zusammenwachsen der Finger und der Zehen
    • Lippen-Kiefer-Gaumenspalte
    • Abdominalspalt
    • Spina bifida, Spaltbildung der Wirbelsäule.

    Während des Zweiten Weltkrieges war im Oktober 1943 durch Deutschland eine großflächige Radioaktivität in die Kriegführung eingeplant. Auf diese Zeit geht wohl auch die Entwicklung „besonderer Geschosse“ zurück. Die US-Spionage hatte hiervon allerdings Kenntnis erhalten.

    D.U.-Geschosse wurden von den alliierten Truppen im Golfkrieg 1991 erstmalig angewandt, mit verheerenden Wirkungen und Folgen.


    Menschenrecht auf Gesundheit gilt auch für die Menschen in GAZA-Streifen .

    Human right to health also applies to the people of Gaza Strip.

    Droit à la santé de l'homme s'applique également à la population de la bande de Gaza.

    Människors rätt till hälsa gäller också för människorna i Gaza.



    Literatur :-

    1. Veröffentlichungen des Deutschen Instituts für Menschenrechte
    http://www.dimr.eu/questions.php?questionid=174 ;

    2. Veröffentlichungen der Ärzteorganisation „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“ (IPPNW).;

    3. Internationale Presseveröffentlichungen in verschiedenen Sprachen ;

    4. Zahlreiche Internationales Recht – und Medizin-Fachliteratur ;
    4 . International study confirms doubling of childhood leukemia rates in southern Iraq,
    , "Trends in Childhood Leukaemia in Basrah, Iraq (1993-2007), published in the American Journal of Public Health , American Journal of Public Health, 10.2105/AJPH.2009.164236. ;
    5. Rest der Literatur beim Verfasser


    Mit freundlichen kollegialen Grüßen

    Ihr

    Nabil DEEB
    Arzt – Physician – Doctor

    PMI-Ärzteverein e.V.
    Palästinamedico International Ärzteverein – ( P M I ) e.V.
    Palestine Medico International Doctors Association ( P.M.I.) registered association

    Department of Medical Research
    Département de la recherche médicale

    P.O. Box 20 10 53
    53140 Bonn – Bad Godesberg / GERMANY

    e.mail:


    PS.:

    Bei Anforderung von Literatur wenden Sie sich bitte an meine o. g . Adresse in 53140 Bonn.“

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