zur Navigation zum Inhalt

CoverAdler


Psychoanalytische Individualpsychologie in Theorie und Praxis.

Psychotherapie, Pädagogik, Gesellschaft


Bernd Rieken, Brigitte Sindelar,
Thomas Stephenson

Verlag SpringerWienNewYork
483 S., 19 Abb., gebunden
ISBN 978-3-7091-0464-4
59,95 EUR (AT)
 

Buchtipp: 100 Jahre Individualpsychologie

Vor hundert Jahren begründete der Wiener Alfred Adler nach seiner Trennung von Sigmund Freud die Individualpsychologie, welche seit ihren Anfängen Eingang in alle Berufsfelder findet, in denen das analytische Verstehen von Beziehungen entscheidend ist – beispielsweise Psychotherapie, Beratung, Erziehung oder Supervision. Rechtzeitig zum hundertjährigen Gründungsjubiläum ist die Publikation Psychoanalytische Individualpsychologie in Theorie und Praxis. Psychotherapie, Pädagogik, Gesellschaft im Verlag SpringerWienNewYork erschienen.

 

Alfred Adler, der 1934 in die USA emigrierte, zählt zu den bedeutendsten Persönlichkeiten Österreichs. Im Juli fand in Wien der 25. Internationale Kongress für Individualpsychologie mit dem Thema „Trennung – Trauma – Entwicklung: 100 Jahre Individualpsychologie“ statt.

In Psychoanalytische Individualpsychologie in Theorie und Praxis befassen sich die Autoren mit der Zusammenarbeit von Alfred Adler und Sigmund Freud. Unter Berücksichtigung der philosophisch-kulturgeschichtlichen Hintergründe analysieren sie die inhaltlichen Differenzen, die im Jahre 1911 schließlich zu ihrer Trennung führten. Das Werk veranschaulicht Adlers Theorie und die Weiterentwicklung der individualpsychologischen Persönlichkeits- und Entwicklungslehre. Hier ein Ausschnitt aus den "frühen Jahren" von Thomas Stephenson über die Zusammenarbeit mit und Trennung von Freud:

Die Zeit der Gemeinschaft der frühen Tiefenpsychologie

Als am 27.02.1899 Freud an Adler aus Anlass einer ärztlichen Konsultation bezüglich eines Patienten einen kurzen Brief schrieb (und wir darin den ersten belegten Kontakt zwischen den beiden Gründerpersönlichkeiten sehen dürfen (vgl. Bruder-Bezzel 2007, 9) war das Verbindende zunächst nur die Mitgliedschaft im Ärztestand. An der Wurzel der Psychotherapie, an der Wurzel der Psychoanalyse wie auch der Individualpsychologie steht die Medizin, über dieses historische Faktum lässt sich nicht streiten.

Als Freud erstmals den ärztlichen Kollegen kontaktierte, sollte es noch fast ein Jahrhundert dauern, bis zum ersten Mal eine eigene Berufsgruppe, die unabhängig vom Ärztestand ihre Tätigkeit ausüben kann, im Geburtsland der Gründer der ersten zwei psychotherapeutischen Schulen gesetzlich verankert wird. Und trotzdem ist bei beiden von Anfang an der Paradigmenwechsel aus der Medizin heraus in ein neues Gebiet der wissenschaftlichen und professionellen Beschäftigung mit dem Menschen zu erkennen.

Um zu verstehen, welche Aspekte dieser beiden Persönlichkeiten und ihres Denkens hauptverantwortlich dafür waren, dass nach einer Zeit der engen Zusammenarbeit ein radikaler Bruch erfolgte, der sich einige Jahrzehnte als nahezu unüberbrückbar erwies, muss allerdings die Vorgeschichte der Psychotherapie und der Situation von Wissenschaft und Mentalität um 1900 betrachtet werden.

Die Jahre von 1881 bis 1911, also jenen Zeitraum, in dem sich in Medizin, Psychologie und Philosophie bestimmte Phänomene zeigten, immer mehr verdichteten und schließlich von Sigmund Freud in einem großen Wurf überhöht werden konnten, bevor durch die immer mehr Eigenständigkeit beanspruchenden Denkgebäude von Alfred Adler, Carl Gustav Jung, Wilhelm Reich, Otto Rank, Sandor Ferenczi und anderen „Dissidenten“ ein schließlich weltumspannender vielstufiger Prozess initiiert wurde – der Prozess der rasanten Entwicklung und Verzweigung jenes mittlerweile bereits nahezu unüberschaubar großen Bereich menschlichen Denkens und Handelns, der mit dem Namen „Psychotherapie“ belegt ist.

Das Buch

Die Publikation stellt erstmals die internationalen Entwicklungen der modernen Individualpsychologie dar und berücksichtigt dabei bestehende Verbindungen zur Psychoanalyse sowie aktuelle Forschungsergebnisse der Neurowissenschaften. Das Werk richtet sich an PsychotherapeutInnen, PsychologInnen, ÄrztInnen sowie an Individualpsychologie interessierte KulturwissenschaftlerInnen. 

Die Autoren 

 

Bernd Rieken ist Professor für Psychotherapiewissenschaft (PTW) und Leiter der Abteilung Doktoratsstudium PTW an der Sigmund Freud-Privat­uni­ver­si­tät Wien (SFU). Nach seiner Habilitation im Jahre 2005 war er als Privatdozent für Europäische Ethnologie an der Universität Wien und als Vertretungsprofessur am Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie der Ludwig-Maximilians-Universität München tätig. Bernd Rieken ist freiberuflicher Psychotherapeut und Lehrtherapeut für Individualpsychologie an der SFU.

  Brigitte Sindelar ist klinische Psychologin, individualpsychologische Psychotherapeutin, Lehrtherapeutin für Individualpsychologie sowie Lehrende an der Sigmund Freud-Privatuniversität Wien (SFU) im Studiengang Psychotherapiewissenschaften. In den Jahren von 2006 bis 2008 baute sie die psychotherapeutische Ambulanz für Kinder und Jugendliche an der SFU auf, welche sie auch leitete. Brigitte Sindelar leitet außerdem  eine psychotherapeutische Lehrpraxis in Wien.
  Thomas Stephenson ist klinischer Psychologe und Psychotherapeut (Individualpsychologische Analyse), Dozent für Psychoanalytische Pädagogik sowie Sonder- und Heilpädagogik am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien. Er ist außerdem als Assistenzprofessor und stellvertretender Leiter des Departments Psychotherapiewissenschaft an der Sigmund Freud-Privatuniversität Wien (SFU) tätig (Doktoratsstudiengang Psychotherapiewissenschaft) tätig.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben