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Foto: H. Leitner
Prof. Dr. Michael Musalek Leiter des Anton Proksch Instituts, Wien
 

Burnout ist mehr als eine „Modekrankheit“

Patienten mit Burnout-Syndrom haben einen hohen Leidensdruck und benötigen fachärztliche Betreuung.

Burnout – eine Modekrankheit? Mit diesem Vorurteil räumte Prof. Dr. Michael Musalek, Leiter des Anton Proksch Instituts Wien, in seinem Vortrag im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung im Wiener Lusthaus auf. Er betonte, dass durch entsprechende Diagnostik und Differentialdiagnostik mit anschließender multimodaler Therapie die Patienten von ihrem Leid befreit und wieder in ein autonomes und freudvolles Leben zurückgeführt werden könnten.

 

Das Burnout-Syndrom hat in den letzten Jahren in der öffentlichen Wahrnehmung einen großen Sprung nach vorne gemacht. So rückte etwa das Nachrichtenmagazin profil die „Modekrankheit Burnout“ auf die Titelseite einer seiner Ausgaben und so mancher Manager rühmt sich damit, gerade noch einmal am Burnout vorbeigeschrammt zu sein. Aber auch in Fachkreisen ist das Interesse am Burnout rasant gestiegen, und die Anzahl an Publikationen in medizinischen und psychologischen Journalen hat sich in den letzten sechs Jahren verdoppelt.

Geprägt wurde der Begriff „Burnout-Syndrom“ von dem deutsch-amerikanischen Psychiater und Psychoanalytiker Herbert Freudenberger, der, selbst daran erkrankt, das Burnout als Erster beschrieben hat. Zweite zentrale Figur in der Burnout-Forschung ist die Psychologin Prof. Christina Maslach von der University of California, Berkeley (USA), die die Gedanken Freudenbergers weitergeführt und diagnostische Manuale entwickelt hat.

Behandlungsbedürftige Erschöpfungszustände

Schon Freudenberger hat bei Burnout zwei Phasen beschrieben: Phase 1, das „empfindende Stadium“, ist durch chronische Müdigkeit, Erschöpfung, Zynismus, Kompensationsversuche und Gleichgültigkeit charakterisiert, während in Phase 2, im „empfindungslosen Stadium“, Ungeduld, erhöhte Reizbarkeit, psychosomatische Beschwerden und Depressionen im Vordergrund stehen.

Musalek machte darauf aufmerksam, dass Burnout nicht mit einer Erschöpfungsdepression verwechselt werden dürfe, da vor allem in Phase 1 die Depression keine oder nur eine untergeordnete Rolle spiele. „Phase 1 ist im Wesentlichen durch die Erschöpfung und den Zynismus, der ein Ausdruck der Entfremdung von der Arbeitssituation ist, geprägt. Darüber hinaus ist der Verlust an Leistungsfähigkeit, sowohl objektiv als auch subjektiv empfunden, ein wichtiges Diagnosekriterium. Wichtig für die Diagnose Burnout-Syndrom ist, dass die Erschöpfung und die verminderte Leistungsfähigkeit vom Patienten in allen Bereichen des Lebens verspürt werden. Es gibt kein Burnout-Syndrom, das selektiv nur die Arbeitssituation betrifft.“

Die Schwere eines Burnouts könne von leichten Formen, die noch keinen Krankheitswert aufweisen bis hin zu Krankheitswerten, behandlungsbedürftigen Erschöpfungszuständen und Zusammenbrüchen reichen. Freudenberger hat dieses Kontinuum in 12 Stadien unterteilt, die unter anderem zwanghaften Perfektionismus, Überkompensation, sozialen Rückzug oder innere Leere und Depression beinhalten.

Komorbiditäten des Burnout-Syndroms

Burnout und Depression treten, vor allem in späten Stadien des Burnout-Syndroms, häufig vergesellschaftet auf, allerdings, so Musalek, sind diese beiden Erkrankungen nicht zwangsläufig miteinander assoziiert. Weitere Komorbiditäten des Burnouts sind Suchterkrankungen, die stoffgebunden oder auch nicht stoffgebunden sein können. Dies ist auch einer der Gründe dafür, dass im Oktober dieses Jahres eine eigene Burnout-Station am Anton Proksch Institut eröffnet werden wird. Darüber hinaus können im Rahmen eines Burnout-Syndroms auch Angststörungen auftreten. So erfordert nach Musalek eine adäquate Burnout-Diagnostik eine genaue Differenzialdiagnostik bezüglich Depression, Sucht und anderer Störungen.

Für die Therapie des Burnout-Syndroms bedeutet dies, dass die Behandlung entsprechend den unterschiedlichen Faktoren zu erfolgen hat. Musalek empfahl dazu ein schrittweises Vorgehen, das mit der primären Motivation zur Therapie beginnt und über eine syndromatologische Behandlung zur Bewältigung des unmittelbaren Leides und der Therapie der Komorbiditäten bis hin zur Identifikation von Veränderungsmöglichkeiten und der Lebensneugestaltung reicht. Für einen langfristigen Erfolg der Therapie sei es nötig, dass der Betroffene eine neue Einstellung zur Arbeit, zur Erholung und den gesamten Interaktionen mit seinem Umfeld gewinnt. „Ziel der Therapie ist die Erhöhung der Lebensattraktivität, um ein autonomes und freudvolles Leben führen zu können“, so Musalek.

 

Quelle: Fortbildungsveranstaltung „Burnout - Modediagnose oder Krankheit unserer Zeit?“ Vortrag von Prof. Dr. Michael Musalek, 21. Juni 2011, Wien

Von H. Leitner , Ärzte Woche 27/28/2011

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