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Editorial: Ansichtssachen

So. Osama Bin Laden ist tot. Die Amerikaner, jahrelang intensiv auf der Suche nach einem „window of opportunity“, haben es endlich gefunden und nach langem Warten kurzen Prozess gemacht. Ein rechtsstaatliches Verfahren war nicht nötig, die Cowboy-Helden sämtlicher Hollywood-Produktionen wissen doch ohnehin genau, wer gut und wer böse ist – notfalls in der Bibel nachzulesen. Und während einige Pedanten noch leicht verstört „Rache über Recht“ murmeln, packt Osamas Witwe im „Heute“-Magazin aus und erklärt, wie sie Osamas Libido mit Kräutern mit Viagra-Effekt auf die Sprünge half. Und die U-Bahn-Benützer lesen das, in der Früh auf nüchternen Magen. Und die Welt ist auch bei uns schwarz, weiß oder schadenfroh.
Gut, dass die Psychiatrie, die sich schon länger mit den unterschiedlichen Blüten, die das Mensch-Sein treibt, beschäftigt, schon längst mehr als nur Schwarz und Weiß unterscheiden kann. Den Patienten, nicht mehr länger lediglich die Summe ihrer Symptome und Unzulänglichkeiten, werden vermehrt auch Ressourcen zugeschrieben, die über den Inhalt ihrer Medikamenten-Nachttischladen hinausgehen. Wie dieser Blick auf das Positive des Menschen zu einer humaneren Gesellschaft insgesamt beitragen kann, lesen Sie im Interview mit Prim. Prof. Dr. Michael Musalek. 

 

Tanja Fabsits, Ärzte Woche 20 /2011

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