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Psychiatrische Diagnosen während eines stationären Aufenthaltes: Eine Untersuchung von 1334 psychiatrischen Patienten die im 20. Jahrhundert in einer italienischen Irrenanstalt hospitalisiert waren

HINTERGRUND: Das Interesse an der Geschichte der Psychiatrie steigt beständig – mit zunehmender Fokussierung auf aktuelle Themen, wie Geschichte der Nosologie und Zusammenspiel zwischen Psychiatrie und Gesellschaft. ZIEL DER STUDIE: Die vorliegende Studie hat zum Ziel, Diagnosen und soziodemographische Charakteristika von Patienten im Laufe des vorigen Jahrhunderts an Hand von Stichproben italienischer psychiatrischer Patienten zu untersuchen. Die Studie beleuchtet auch Veränderungen in der Praxis der Erklärung und Klassifikation von Geisteskrankheiten. METHODEN: Es handelt sich um eine Analyse der Krankengeschichten von 1334 Patienten, die stationär im Spital "Santa Maria della Pietà" in Rom von 1820 bis 1980 aufgenommen waren. Wir wählten den Monat Mai jedes 10. Jahres zur Analyse, da in diesem Monat im Schnitt eine vernünftige Zahl von Aufnahmen stattgefunden hatte. Das Maximum von stationären Aufnahmen lag zumeist im Monat August – im Jänner gab es dafür oft fast keine Aufnahmen. ERGEBNISSE: Es gab relevante Unterschiede in der diagnostischen Nomenklatur und im Verlauf der Erkrankungen von 1920 bis 1980 in Italien. Die Diagnose Schizophrenie war 1930 und 1940 an erster Stelle und nahm dann rasch wieder ab. Melancholie wurde erstmals 1930 diagnostiziert um danach auch rasch wieder abzunehmen. Dysthymie erschien dafür erst später, nämlich 1960. Dysthymie, manische und depressive Erkrankungen tauchten rasch ab 1980 auf. Die Gruppe der Diagnose "anderen Erkrankungen" lag dreimal bezüglich Häufigkeit an 1. Stelle: einmal 1930, das andere Mal 1940 und am häufigsten 1980. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Die Konsistenz in Diagnose und Organisation psychiatrischer Dienste war im letzten Jahrhunderten von schwacher Qualität. Eine Verbesserung der psychiatrischen Dienste und der Qualität der Versorgung bleiben eine relevante Herausforderung für die Ärzte.

Roberto Tatarelli, Gianluca Serafini, Marco Innamorati, David Lester, Paolo Girardi, Maurizio Pompili, Wiener klinische Wochenschrift 5/6/2011

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