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Verschärfter Druck führt immer öfter ins Burn-Out

Kostenlose psychologische Hilfe für Ärzte, Polizisten und Lehrer in Wien.

Der Arbeitsdruck in Institutionen wie Spital, Polizei oder Schule wird durch Budget- und Personalknappheit verschärft. Konflikte, Zweifel, Mobbing oder Burn-Out sind vorprogrammiert und führen im Extremfall zur Arbeitsunfähigkeit. Arbeitgeber kommen um Angebote, die das Aufglimmen persönlicher Krisen ehestmöglich eindämmen oder verhindern sollen, kaum mehr herum.

 

Große Unternehmen leben von der Stabilität verschiedener Leistungsebenen, auch wenn kleinzellige Probleme auftreten. Einer der größten Dienstgeber Österreichs im Gesundheitsbereich ist der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV): 4.500 Ärzte und Ärztinnen, in Summe 34.000 Mitarbeiter inklusive Verwaltung und Krankenpflegeschülern arbeiten in 30 KAV-Spitälern, -Geriatriezentren und anderen Einrichtungen. Die „Psychologische Servicestelle des KAV“ wurde 1983 gegründet. Ursprünglich betreute diese Einrichtung ausschließlich in Ausbildung befindliche Personen, seit dem Jahr 2000 steht sie für alle Mitarbeiter des KAV zur Verfügung.

Turnusärzte nutzen das Angebot kaum

Tauchen im Spital durch die Arbeit bedingte Probleme auf, ist die „Psychologische Servicestelle des KAV“ die richtige Anlaufstelle. Seit etwa sieben Jahren wenden sich vermehrt Ärzte aller Fachbereiche an diese Stelle – als sich die Information verbreitete, dass das „Psychologenteam auch für alle Ärzte“ Unterstützung anbietet.

Interessant dabei ist, dass sich laut Dr. Susanne Hanzl, Leiterin der Servicestelle, „gerade ärztliche Führungs- oder Topführungskräfte häufig an uns wenden“. Verhältnismäßig wenige Turnusärzte nutzten das Angebot, vielleicht, weil sie infolge häufigen Wechsels zu wenig informiert werden oder weil die kurze Verweildauer auf der jeweiligen Station die Probleme anders gelöst werden. Die Führungskräfte des „Mittelbaus“, so Hanzl, seien wegen ihrer „Sandwich-Position“ prinzipiell sehr belastet. Dies kann die Entstehung von Konflikten, Mobbing oder Burn-Out begünstigen.

Einfacher Zugang und das Prinzip der Vertraulichkeit

Wesentlich sei das Prinzip der Vertraulichkeit. „Die Servicestelle ist autonom, nimmt keine Weisung entgegen und ist nicht verpflichtet, zu berichten“, so Hanzl. Die Inanspruchnahme von Hilfe ist freiwillig und kostenlos. Man braucht keinen Kranken- oder Überweisungsschein, einzige Voraussetzung ist, beim KAV angestellt zu sein. Ein Anruf genügt, bei dem geklärt wird, ob telefonische Beratung weiterhilft oder ein persönlicher Termin im 3. Bezirk vorzuziehen ist.

Zehn Mitarbeiter decken den ständig wachsenden Bedarf ab, die Wartezeiten auf Termine werden so kurz wie möglich gehalten. Etwa 40 bis 50 Prozent wertet Hanzl als Akutfälle, denn die Betroffenen warteten, „bis nicht mehr geht. Dann geht es um einen möglichst raschen Termin.“ Neben psychologischer Betreuung setzt der KAV auf Fortbildungsprogramme, die Führungskräfte für Problembereiche wie etwa Alkohol- und Medikamentenmissbrauch sensibilisieren sollen.

Polizei: Insider sprechen die eigene Sprache

Ähnlich die Situation bei der Wiener Polizei. Dr. Ernst Vitek steht an der Spitze des dreiköpfigen Teams, das niederschwellige Beratung in einem Wohnhaus in der Fasangasse anbietet, bei dem von außen nicht erkennbar ist, dass es sich um eine solche Betreuungsstelle handelt. Das Service läuft seit 2010, bislang wurden rund 150 Betreuungseinheiten (je eine Stunde) von Polizistinnen und Polizisten in Anspruch genommen, Tendenz und Bedarf steigend.

Die psychologischen Mitarbeiter stammen aus dem Polizei-Apparat, mit dem Vorteil, dass „man die Sprache der Mitarbeiter“ spreche, involvierter sei und auf spezifische Probleme, etwa der Hierarchie, besser eingehen könne. Prinzipiell würden Frauen die Beratungsmöglichkeit zu einem höherem Prozentsatz annehmen als ihre männlichen Kollegen. Seminare informieren Vorgesetzte, wie sie Leistungseinbrüche bei Mitarbeitern besser erkennen und darauf reagieren können.

Überforderung und Burn-Out bei Lehrberufen

Burn-Out bedroht zunehmend auch die Arbeitsfähigkeit vieler Lehrerinnen und Lehrer. „Zur Zeit betrifft diese Thematik etwa ein Drittel unserer Beratungen – aus allen Altersgruppen. Vor einigen Jahren waren es eher ältere Kollegen. Die Zahl an überforderten Lehrern ist aber in den letzten Jahren eindeutig gestiegen“, stellt Mag. Hedwig Schilling vom Lehrerinnenberatungszentrum (LBZ) Wien fest. Ob man heute noch auf eine derartige Einrichtung verzichten könne? „Das LBZ ist die einzige Einrichtung Wiens, in der Lehrer und Leiter sich kostenfrei supervisorisch kompetente und langjährig erprobte Begleitung und Unterstützung holen können, um ihre Qualität im Arbeitsfeld und die eigene Befindlichkeit am Arbeitsplatz zu verbessern.“

Etwa 80 Lehrer werden pro Jahr von drei Supervisoren betreut, pro Woche stehen nur neun Stunden für ganz Wien zur Verfügung. Anonymität und Vertraulichkeit werden in jeder Supervision zu Beginn der Vereinbarungen vom Supervisor angesprochen und sind ein wesentlicher Teil der Vertrauensbildung. ´

Service unter

www.wienkav.at/psychologischeservicestelle

Von Peter Bernthaler, Ärzte Woche 13 /2011

  • Frau Lilith LIlith, 17.07.2013 um 15:39:

    „Mobbing auf dem Weg zum Rechtsbegriff – Anti-(Cyber)Mobbing-Gesetz- für Österreich
    Der Begriff Mobbing ist im Zusammenhang mit der Arbeitswelt seit den achtziger Jahren durch die Literatur von Herrn Dr. Leymann bekannt geworden. Mobbing beschreibt einen prozesshaften Verlauf in welcher Vorgesetzte oder/und Kollegen durch seelische Gewaltakte (zB. verbale und nonverbale subtile doppeldeutige Kommunikationsformen, entmündigende, kontrollierende Kommunikation und Handlungen etc.) Mitmenschen in ihrer Integrität destabilisieren, mit dem Ziel diese aus der Arbeitsgemeinschaft zu drängen.
    Der gemobbte Mensch trägt weitgehend die verheerenden Konsequenzen wie Langzeitkrankenstand, Armutsgefährdung, Arbeitslosigkeit, Berufsunfähigkeit, manchmal Suicid. Die Gesellschaft trägt einen großen Teil der Kosten. Für Österreich gibt es keine genauen Zahlen. In Vorarlberg wurden folgende Folgekostenabschätzung in Erwägung gezogen: pro Mobbingfall mindestens 175 000 – 200 000 €. Für Vorarlberg gesamt belaufen sich die Kosten mindestens 616 -680 Millionen (1). Die Mobber haben kaum Konsequenzen zu erwarten und können weiter mobben. In den meisten Fällen scheidet der gemobbte Mensch durch Krankheit, Kündigung etc. aus.
    Um den persönlich erlittenen Schaden und um den ungeheuren wirtschaftlichen Verlust zu sanktionieren bedarf es eines neuen spezifischen Tatbestandes mit Schadensersatzsprüchen Mobbing-Tatbestandes in Form eines Anti-(Cyber)Mobbing-Gesetzes.
    Derzeit ist die rechtliche Beurteilung massiv erschwert, da bei ein und demselben Mobbinggeschehen zivil-, arbeits- und strafrechtliche Tatbestände rechtsübergreifend geprüft werden müssen. Dazu kommt noch, daß das österreichische Rechtssystem nur einzelne Vorfälle, nicht jedoch einen längerdauernden Verlauf im Rahmen eines einschüchternden, feindseligen oder demütigenden Arbeitsumwelt von den täglichen kleinen Gemeinheiten bis zum Rechtsbrüche durch Über- und Fehlgriffe der Entscheidungsträger sprich Vorgesetzten. Die Berufung auf viel zitierte Fürsorgepflicht wird von mobbinginvolvierten Fachkundigen eher belächelt und achselzuckend zur Kenntnis genommen.
    2006 (2), 2007 (3) wurden parlamentarische Anfragen zum Thema Mobbing eingereicht und abgelehnt mit dem Hinweis die gegenwärtige Rechtslage sei ausreichend.
    2008 (4) BM Hundstorfer hält seit 2008 eine „Verankerung von Mobbing im Strafgesetzbuch für notwendig“
    2009 (5) wurde von Herrn Walter Plutsch der Antrag seiner Bürgerinitiative zur Erreichung eines "Anti-Mobbing-Gesetzes“ eingereicht und ebenfalls abgelehnt.
    Zwischenzeitlich wurde 2009 (6) eine Dienstrechts-Novelle mit einem Mobbing-Verbot im öffentlichen Dienst und 2011 (7) wurden Schutzmaßnahmen für "Whistleblower" im Beamtendienstrecht verankert.
    2011 (8) AK Salzburg Dr. Gabriele Wonnebauer fordert ein Anti-Mobbing-Gesetz, die AK Salzburg fordert seit ca. 10 Jahren ein Anti-Mobbing-Gesetz
    2011 (9) AK Steiermark und ÖGB fordern ein Anti-Mobbing-Gesetz
    2011 (10) AK Kärnten Herr Goach „Anti-Mobbing-Gesetz längst überfällig“
    2013 (11) erfolgte ein neuerlicher Anlauf in Form einer Petition „Österreich braucht ein Anti-(Cyber)Mobbing-Gesetz“ eingebracht. Befürworter eines Anti-(Cyber)Mobbing-Gesetz für Österreich können dieser Petition online zustimmen:
    http://www.parlament.gv.at/PAKT/BB/index.shtml?jsMode=&xdocumentUri=&NRBR=NR&BBET=PET&ZUSTIMM=ZU&SUCH=&listeId=104&LISTE=Anzeigen&FBEZ=FP_004

    (1) http://www.pakte.at/attach/Mobbing-Bericht_Vbg_nov03.pdf
    (2) http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXII/J/J_04323/index.shtml
    (3) http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIII/J/J_01915/index.shtml
    (4) http://www.oe24.at/oesterrei... eit/257519
    (5) http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/BI/BI_00009/index.shtml
    (6) http://www.parlament.gv.at/PAKT/PR/JAHR_2009/PK1070/index.shtml
    (7) http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/I/I_01610/index.shtml
    (8) http://www.diesalzburgerin.at/bilder/pd... 5_2010.pdf, http://wirtschaftsblatt.at/archiv/1207167/index
    (9) http://steiermark.orf.at/news/stories/2508267/
    (10) http://www.mein-klagenfurt.at/aktuelle-pressemeldungen/pressemeldungen-dezember-2011/goach-anti-mobbing-gesetz-ueberfaellig/
    (11) http://www.parlament.gv.at/PAKT/BB/index.shtml?jsMode=&xdocumentUri=&NRBR=NR&BBET=PET&ZUSTIMM=ZU&SUCH=&listeId=104&LISTE=Anzeigen&FBEZ=FP_004“

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