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Beziehungsfacetten Barolin Gerhard 116 Seiten, € 14,40 Verlag Lehner, 2010 ISBN 9783901749872

 

Beziehungsfacetten

Die Vielfalt menschlicher Beziehungen vom Mutterbauch bis zum Lebensabschied.

Beziehung gibt unserem Leben erst Lebensqualität, so der Autor des Buchs „Beziehungsfacetten“, der es im Folgenden kurz vorstellt. Dieser Band wurde von den Wiener Vorlesungen in die Buchreihe Konversatorien und Studien aufgenommen.

 

Wir leben in Beziehungen, ja, Beziehungen machen eigentlich unser Leben aus. Jedes Ich braucht auch ein Du. Nur die Mutterbeziehung ist jedem von uns unwiderruflich über körperliche Zusammenhänge durch Fruchtwasser, Nabelschnur, Stillen mitgegeben.

Spätere Beziehungen müssen aufgebaut und gepflegt werden. Sie vereinigen sich mit unseren Urerfahrungen und bilden neue Beziehungskonstellationen. Bei der Familienbeziehung kommen zur Mutterbeziehung die Vaterbeziehung und die Beziehung zu den Geschwistern dazu. Damit Beziehungen gut verlaufen, muss man daran arbeiten. Ein Zuviel an Beziehung kann schädlich sein. So kann die Elternbeziehung durch „Overprotection“ (meistens von der Mutter zum Sohn) den jungen Mann daran hindern, selbständig zu werden. Man spricht dann auch vom „Hotel Mama“.

Schwerer schädigend ist darüber hinaus, wenn sich aus der Familienbeziehung sexuelle Beziehungen ergeben: elterlicher oder geschwisterlicher Inzest. Das ist ein Machtmissbrauch, der böse Spuren weit ins spätere Leben hinein hinterlassen kann.

Die Partnerbeziehung wird häufig mit Sexualbeziehung gleichgesetzt. Es ist aber viel mehr darin enthalten, wenn auch die Sexualbeziehung wesentlich dazu gehört. Das gilt besonders bei alten Menschen, denn im höheren Alter wird der eigentlichen Sexualvollzug altersbedingt weniger möglich – man rechnet, dass ein bis zwei Drittel der Männer im Alter von 60 bis 80 Jahren impotent sind, und auch die Frau hat gewisse Hindernisse. Es bleibt aber die Sexualität mit Sehnsucht nach Nähe, Liebe und Geborgenheit.

Liebe und Sexualität haben vielerlei Gesichter: Von der Verliebtheit bis zur Prostitution, vom One-Night-Stand bis zur Goldenen Hochzeit, in der Familie und beim Fremdgehen.

Beim ewigen Abschied (dem Tod) gilt es, den lieben Menschen empathisch zu begleiten. Eine übertriebene Medizin muss daran gehindert werden, statt erfreulicher Lebensverlängerung, qualvolle Sterbensverlängerung zu betreiben. Dazu gibt es das wichtige Instrument des Patiententestaments, das jeder von uns bei klarem Bewusstsein abfassen kann.So wirkt die menschliche Beziehung von der Nabelschnur bis zum Lebensabschied.

Es gibt keine Beziehungsexperten, jeder muss seine Beziehung (mit-)gestalten. Dementsprechend ist das Buch auch nicht in einem Amtschinesisch geschrieben, sondern für jeden verständlich und einsehbar. So kann es als Hilfe für Lebensplanung und Lebensentscheidungen dienen.

 

Prof. Dr. Gerhard Barolin ist Facharzt für Neurologie und Psychiatrie und Psychotherapeut.

Von Prof. Dr. Gerhard Barolin, Ärzte Woche 4 /2011

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