zur Navigation zum Inhalt
 
Psychiatrie und Psychotherapie 26. November 2010

Sicht der Klassiker: Der Affekt in den Psychosekonzepten von Emil Kraepelin und Eugen Bleuler

Der Beitrag geht auf zwei für die Entwicklung unseres Faches wesentliche Psychosekonzepte ein, nämlich diejenigen Emil Kraepelins (1856 – 1926) und Eugen Bleulers (1857 – 1939). Kraepelins Nosologie war auf die Entdeckung „natürlicher Krankheitseinheiten“ gerichtet und vertrat mit dem Konzept der „Dementia praecox“ eine klinisch-verlaufsorientierte, prognostisch pessimistische, eher „enge“ Position. Bleuler nahm den erkenntnistheoretischen Anspruch etwas zurück und sprach, begrifflich deutlich „breiter“, von der „Gruppe der Schizophrenien“, der er gesamthaft eine markant bessere Prognose zuerkannte als Kraepelin. Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Ansätze werden herausgearbeitet. Einig waren sich beide Autoren, wenn auch mit anderer Akzentsetzung, darin, dass der affektive Bereich – gerade bei den vermeintlich „nicht-affektiven“ Psychosen des schizophrenen Formenkreises – ein zentrales Element darstellt. Dies ist ebenso Konsens in der aktuellen psychiatrischen Forschung, die von der früher lange geübten Trennung von Kognition und Affekt zunehmend Abstand nimmt und darüber hinaus die alleinige Orientierung an diagnostischen Entitäten zugunsten eines syndrom- oder gar symptomorientierten Zugangs verlässt („Denosologisierung“).

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben