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Psychiatrie und Psychotherapie 26. November 2010

Wochenbettpsychosen – klinische, neurobiologische und psychosoziale Aspekte

Psychotische Erkrankungen von Frauen nach der Entbindung eines Kindes werden als Wochenbettpsychosen, Puerperalpsychosen oder Postpartumpsychosen bezeichnet. Ihr Manifestationszeitraum sind die ersten postpartalen Tage bis wenige Wochen nach der Geburt. Sie sind auf einer syndromalen Ebene einerseits von den so genannten „Heultagen“, denen kein Krankheitswert im engeren Sinne zukommt, und andererseits von den postnatalen Depressionen abzugrenzen, die meist erst später auftreten und auch in der Regel ohne psychotische Symptome einhergehen. Das klinische Bild wird entweder von zykloiden bzw. schizoaffektiven, maniformen oder von schweren depressiv-psychotischen Symptomen charakterisiert. Der weitere Verlauf von Wochenbettpsychosen ist differenziell zu sehen. Für die Subgruppe von Frauen mit zykloiden Psychosen im Indexzeitraum besteht insgesamt eine stärkere Nähe zu den bipolar affektiven Störungen als zu den schizophrenen Psychosen. In diese Richtung weisen auch Familienstudien. Das Wiedererkrankungsrisiko ist sowohl nach erneuten Schwangerschaften als auch in anderen Lebensabschnitten bedeutsam erhöht. Eine Subgruppe von betroffenen Frauen bleibt aber im weiteren Verlauf frei von psychotischen Rezidiven. Die Ätiopathogenese von Wochenbettpsychosen ist multifaktoriell zu diskutieren, wobei neurobiologische Faktoren vermutlich eine gewichtigere Rolle als psychosoziale Faktoren spielen. Der Zusammenhang zur neuroendokrinologischen Umstellung postpartal ist wahrscheinlich anzunehmen, aber letztlich noch wenig verstanden. Psychosoziale Faktoren scheinen aber den Verlauf bedeutsam zu beeinflussen.

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