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Psychiatrie und Psychotherapie 26. November 2010

Fühlen bei veränderter Weltansicht: Wahn und Affekte in der Paranoia

Der inhärente Zusammenhang von kognitiver und affektiver Störung, von Wahn und Affekt bestimmt die Diskussion zur Paranoia-Frage seit den Anfängen der modernen Psychiatrie. Im Werk von Kraepelin nimmt die Paranoia neben der Dichotomie von Dementia praecox und manisch-depressivem Irresein eine eigenständige nosologische Position ein. Kraepelin anerkennt die Bedeutsamkeit einer gestörten Affektivität im Wahnprozess des Paranoikers. Im Unterschied zu Eugen Bleuler räumt er ihr aber keine primäre pathogenetische Rolle ein. Einen ersten Höhepunkt erfährt die Paranoiadiskussion innerhalb der Tübinger Schule mit den grundlegenden Arbeiten zum paranoischen Massenmörder Wagner durch Gaupp sowie zum sensitiven Beziehungswahn durch Kretschmer. Der Fokus hier auf besondere Persönlichkeitsstrukturen und typische Situationserlebnisse, die eine affektive Wahndynamik und Wahnentwicklung anstoßen, wird Modell bildend auch für spätere Beiträge zur Paranoia etwa durch Janzarik. Psychodynamische Ansätze können diese Überlegungen konstruktiv fortführen. Trotz einer epidemiologischen Seltenheit der Paranoiafälle anerkennen sowohl ICD-10 als auch DSM-IV die Paranoia als ein wichtiges eigenständiges Forschungsthema

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