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Psychiatrie und Psychotherapie 26. November 2010

Affekt im Recht

Bewertung des Affekts bei schizophrenen Psychosen in der Forensik: Schizophrene Gewalttäter begehen Straftaten oft unter dem Eindruck einer akuten Psychose, weshalb sie nicht schuldfähig sind. Nach den modernen dynamischen Konzepten der Psychiatrie sind psychotische Erkrankungen nicht mehr per Definitionen als „ohne Affekt“ einzustufen. Das Gegenteil ist der Fall.Daher ist mit der selben Sorgfalt, wie bei anderen Straftätern die Frage nach der affektiven Beteiligung des Straftätern auch bei schizophrenen Straftätern zu prüfen.

Tatsächlich ist es ja so, dass es fast für jede Straftat eines Affektes bedarf, damit es überhaupt zur Umsetzung kommt. Die Differentialdiagnose „Psychose, Psychosewertigkeit, schwerer Affekt, psychosewertiger Affekt“ stellt eine enorme Herausforderung für den Gutachter dar und ist tatsächliche eine der größten Herausforderungen, der man sich als forensicher Gutachter stellen kann. Ganz wesentlich ist hierbei aber festzuhalten, dass die rechtliche Bewertung durch das Gericht erfolgt und nicht durch den Psychiater, d.h. der Psychiater hat in diesem Fall den medizinisch-wissenschaftlichen Boden so aufzubereiten, dass für das Gericht nachvollziehbar zur Darstellung kommt, ob und wann auch bei schizophrenen Straftätern eine affektive Beteiligung anzunehmen ist, ob diese Beteiligung das Ausmaß einer typischen Affekttat erreicht oder ob die Psychose das überwiegende Moment darstellt.

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