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CoverHandbuch 

Handbuch der Integrativen Therapie

Leitner, Anton
1st Edition., 2010, XV, 333 S. 25 Abb., Geb.
ISBN: 978-3-211-99734-5
59,95 € Ladenpreis

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Psychiatrie und Psychotherapie 23. November 2010

"Mehr als nur Körper" - Buchtipp Integrative Therapie

Der Mensch ist in seiner Vielschichtigkeit, in seinem Facettenreichtum, und in seiner Komplexität einmalig. Dem annähernd gerecht zu werden heißt, in der Diagnostik einen mehrperspektivischen Zugang und in der Folge einen schulenübergreifenden methodenintegrierenden Behandlungsweg anzuzeigen.

Eindrücklich ist das zum Beispiel bei einem "rein körperlich" zugeschriebenen Ereignis einem Bandscheibenvorfall zu sehen: Selbstverständlich liegt hier ein körperlicher Schaden vor. Die Therapie wird lege artis bis hin zur Operation erfolgen. Wir greifen aber zu kurz, wenn wir nur am Körper manipulieren. Es kann Sinn machen, nach erfolgter medizinischer Behandlung und Rehabilitation auch lebensgeschichtliche Ereignisse zu reflektieren, die ein Patient zeitextendiert und unreflektiert mitschleppt.

Unbewusste Übertragung

Dies kann im Rahmen von „unbewussten Übertragungen“, zum Beispiel einer „Vaterübertragung“ zum Chef, zu wiederholten körperlichen Anspannungen führen, die letztlich mit dazu beitragen, dass die osmotische Ernährung der Bandscheiben herabgesetzt wird. Auf Grund solcher Vorschädigungen, die durch bildgebende Untersuchungsverfahren als "Abnützung" auch objektiv sichtbar sind, kann es nach einem "Auslöser" (wie Sport, oder ungewöhnliche Bewegung in der Arbeit) zu ein Bandscheibenvorfall kommen.

Daher kann es für PatientInnen, die für eine psychosomatische Sichtweise zugänglich sind sinnvoll sein, unbewusste Verhaltensstrategien aufzudecken. Dadurch kann eine Neuorientierung eingeleitet werden, um nicht in absehbarer Zeit die nächste Bandscheibe zu opfern. Wir Menschen sind mehr als "nur Körper", mehr als eine physikalische Größe in Kilopond gemessen und mehr als Biomasse in Kilogramm.

Die Integrative Theraphie (IT) – ganzheitlicher Ansatz

Die Integrative Therapie versteht sich als "Humantherapie", ist doch in jeder Erkrankung der ganze Mensch betroffen. Dies drückt sich körperlich in seinem Schmerz, seiner Bewegung, Haltung, Gestik, Mimik, in den Gefühlen und in seiner geistigen Verfassung aus. Auf der Grundlage klinisch-empirischer Forschung, sowie unter Berücksichtigung neurowissenschaftlicher Kenntnisstände und bewährter Konzepte unterschiedlicher Therapierichtungen wurden schulenübergreifende Konzepte entwickelt und in dieses Psychotherapieverfahren integriert.

Persönliche Entwicklung

Die Integrative Therapie versteht die persönliche Entwicklung als lebenslangen Prozess. Ausgehend von der aktuellen Lebenssituation wird auf negative und defizitäre, sowie auf positive und stützende Ereignisse und Ereignisketten in der Biografie fokussiert. Bewusste und unbewusste Strebungen werden in ihrer Relevanz für die Persönlichkeitsentwicklung und Lebensführung erfahrbar gemacht, um so eine zukunftsgerichtete, nachhaltige Veränderung des Lebensstils zu ermöglichen.

Eine tragfähige therapeutische Beziehung als intersubjektiver Prozess ist die Grundlage für differenzierte Wege der Heilung und Förderung. Neben der Zentrierung auf Sinnerfahrung und der Vermittlung von Einsicht können in weiteren Wegen emotionale Nachsozialisation durch "korrigierende Erfahrungen", Erlebnisaktivierung durch "alternativer Erfahrungen" sowie Solidaritätserfahrungen ermöglicht und vermittelt werden.

Kreative Techniken

Integrative TherapeutInnen setzen in der psychotherapeutischen Behandlung neben dem verbalen Austausch auch kreative Medien, Techniken und Methoden ein, die darauf abzielen, lebensbestimmende und belastende Ereignisse des bisherigen Lebens bewusst zu machen und Ressourcen aufzuspüren.

Dabei werden die PatientInnen unterstützt, neue Formen des Denkens, Erlebens und Verhaltens zu entwickeln, um so einen zukunftsgerichteten Lebensstil sowie eine Zunahme an Lebensqualität und Gesundheit zu erreichen. Ziel ist es, Symptome psychischer, psychosomatischer und psychosozialer Erkrankungen zu beseitigen oder zu lindern und Persönlichkeitsentwicklung der PatientInnen zu fördern.

Auf dieser Basis ist die Integrative Therapie ein kuratives und palliatives Handeln in ambulanten, stationären, klinischen und rehabilitativen Settings, aber auch eine gesundheitsfördernde Arbeit. Sie findet Anwendung in der Einzel-, Paar-, Familien- und Gruppentherapie sowie in der Supervision. 

Prof. Dr. Anton Leitner, MSc Donau-Universität Krems - Department für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie

E-Mail:  
Homepage: http://www.donau-uni.ac.at/psymed/it 

 Handbuch der Integrativen Therapie

Im Handbuch der Integrativen Therapie werden in verständlicher Form die wichtigsten Eckpfeiler dieses Verfahrens vorgestellt. Ausgehend von den geschichtlichen Quellen, den Bezugswissenschaften wird die Integrative Therapie als Pionierverfahren einer neuen Integrationsrichtung beschrieben.

Es folgen die Darstellung der Grundregel, die zentralen Konzepte sowie Definitionen und die Beschreibung des "Integrierens in diesem Verfahren. Die Persönlichkeitsentwicklung, ihre Einbettung in die Kultur ist ebenso ein Schwerpunkt, wie die Theorie von gestörtem Erleben, Verhalten und Leidenszuständen, dem gegenübergestellt werden Gesundheit und ihre bio-psycho-soziale und kulturellen, politischen und ökonomischen Faktoren.

Weiters wird neben der Theorie des menschlichen Handels anhand von Behandlungsdokumentationen der praktische Zugang nachvollziehbar vermittelt. Abschließend belegt eine aktuell durchgeführte empirische Studie (mit Eingangs-, Abschluss- und Katamneseerhebungen, Stundenbögen und medikamentenbehandelter Vergleichsgruppe) die Effektivität dieses Psychotherapieverfahren.

Anton Leitner

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