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Alternativen zu Tabletten

Psychiatrische Patienten können von nichtmedikamentösen Therapieverfahren profitieren.

Viele psychiatrische Patienten setzen ihre Medikamente vorzeitig ab oder nehmen sie unregelmäßig. Neben der medikamentösen Therapie stehen heute auch einige nicht medikamentöse, biologische Therapieverfahren zur Verfügung: Lichttherapie, therapeutischer Schlafentzug, Elektrokrampftherapie und transkranielle Magnetstimulation.

 

„Die biologische Psychiatrie ist therapieorientiert. Sie beschäftigt sich mit der Erforschung biochemischer, neuro-endokrinologischer und molekulargenetischer Konzepte und mit der Evaluation von Psychopharmaka-Therapien versus biologische Verfahren“, beschreibt Doz. Dietmar Winkler, Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie MedUni Wien, das multifaktorielle bio-psychosoziale Konzept. Nach dem heutigen Wissensstand liegen den affektiven und schizophrenen Psychosen spezifische neurochemische Störungen in den monoaminergenen Neurotransmittersystemen des Zentralnervensystems zugrunde. Moderne pathogenetische Konzepte implizieren neben den neurobiologischen Faktoren auch soziale Entwicklungsfaktoren. Zunehmend erforscht werden auch hormonelle und immunologische Phänomene bei psychischen Erkrankungen.

Stresshormone – Entzündungsprozesse

Bei der Entwicklung einer Depression spielen neben genetischen Faktoren auch Stresshormone und das Immunsystem eine Rolle. Untersuchungen des Immunsystems von Depressiven legen eine Entzündungsreaktion im Sinne einer Typ-I-Immunreaktion und spezifische Muster lymphozytärer Zytokine nahe. Tatsächlich lassen sich bei lange bestehenden Depressionen zerebrale Atrophien vor allem im Bereich des Hippocampus nachweisen. Mit einigen antidepressiven Therapieverfahren konnten positive Veränderungen im Gehirn nachgewiesen werden.

Lichttherapie

Helles, weißes Licht wird vor allem bei der saisonal abhängigen Depression angewandt. Die Wirkung wird über das Auge vermittelt. In der Praxis hat sich die Verwendung von Lichtboxen durchgesetzt, die mit einer variablen Anzahl von Leuchtstoffröhren und einem elektronischen Vorschaltgerät zur Vermeidung von Flimmern ausgestattet sind. Wesentlich ist, dass kein UV-Licht ausgestrahlt wird.

Therapeutischer Schlafentzug

Beim totalen Schlafentzug durchwacht der Patient die ganze Nacht, wobei selbst kurze Phasen des Einnickens den antidepressiven Effekt vermindern können Es wird angenommen, dass die Wirkung über die Vermeidung von REM-Phasen erzielt wird. Die Wachtherapie wird häufig als additive Therapie zur Medikation eingesetzt.

Elektrokrampftherapie und transkranielle Magnetstimulation

Aufgrund ihrer guten Verträglichkeit setzte sich die Elektrokrampftherapie (EKT) rasch durch. EKT wird heute hauptsächlich bei schweren, therapieresistenten depressiven Episoden und bei katatonen Schizophrenien eingesetzt. Die Ansprechrate beträgt 50 bis 60 Prozent, EKT gilt weltweit als hocheffektive Behandlung.

Seit den 1980er-Jahren wird die TMS bei affektiven Störungen und schizophrenen Psychosen evaluiert. Über eine starke magnetische Spule, die an den Schädel gehalten wird, kommt es zur Depolarisation von kortikalen Neuronen. Stimuliert wird überwiegend mit Impulssalven bis zu 100 Hz. Das Verfahren ist weitgehend nebenwirkungsarm, aufgrund von epileptischen Anfällen, die allerdings selten auftreten, sollte vor der TMS ein EEG durchgeführt werden.

 

Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer, Saalfelden

Von Dr. Gerta Niebauer, Ärzte Woche 44 /2010

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