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Foto: Hans Ringhofer
Prof. Dr. Christian Haring, M.Sc. Ärztlicher Direktor des Psychiatrischen Krankenhauses Hall in Tirol
 
Psychiatrie und Psychotherapie 14. September 2010

Damit es gar nicht erst so weit kommt

Tagung zur Suizidprävention.

Auch heuer ist es wieder gelungen, vom 1. bis zum 3. Oktober 2010 eine gemeinsame Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) und der Österreichischen Gesellschaft für Suizidprävention (ÖGS) an der Universität für Gesundheitswissenschaften und Medizinische Informatik in Hall abzuhalten. Im Folgenden die Vorschau von Prof. Dr. Christian Haring.

 

Wir starten die Tagung dieses Jahr mit einem Schülerkongress. In Anlehnung an den Schülerkongress bei der Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (ÖGPP) möchten auch wir Schülern ein spezielles Programm bieten. In unserer Tagung sprechen aber nicht erwachsene Experten zu Jugendlichen, sondern Jugendliche selbst zu ihren Altersgenossen.

In diesem Fall haben wir das PORG Volders gewinnen können, dieses Experiment mit uns durchzuführen. Schüler des PORG Volders haben im Rahmen dieser Tagung die Gelegenheit, Fachbereichsarbeiten, die im weitesten Sinn mit der Thematik Public Mental Health zu tun haben, zu präsentieren. Sollte sich dieser Versuch bewähren, werden wir dieses in dieser Form wohl einzigartige Projekt nächstes Jahr auf weitere Schulen ausdehnen. Ziel der Schülertagung ist, die Lust auf Forschung und Wissenschaft sowie die persönliche Präsentation selbst entwickelter Inhalte zu fördern.

Einfluss der Wirtschaftskrise auf die psychische Gesundheit

Das wissenschaftliche Programm startet dann am Freitagnachmittag. Inhaltlich wollen wir uns mit der Thematik der Einflüsse der Wirtschaftskrise auf die psychische Gesundheit der Bevölkerung und im Speziellen mit der Suizidalität Jugendlicher auseinandersetzen. Schon bei der Planung der Tagung war davon auszugehen, dass mit großer Sicherheit noch kein aussagekräftiges Zahlenmaterial, was die Wirtschaftskrise und psychosoziale Probleme anbelangt, zur Verfügung stehen wird. Trotzdem baten wir verschiedene Experten, ihre ganz persönlichen Erfahrungen im Rahmen der Fachtagung zu präsentieren.

Wir alle spüren deutlich, dass mit dem Argument der Ökonomisierung des Gesundheitswesens allerorts Sparmaßnahmen eingesetzt werden – wie zum Beispiel bei der Verschreibung von Antidepressiva. Die Kosten eines vollendeten Suizides sind, vorsichtig geschätzt, mit einer Million Euro zu beziffern. Wer diese Zahl kennt, wird das Sparen bei Antidepressiva vielleicht für eine weniger gute Idee halten.

Präventionsarbeit im Suizidbereich

Darüber hinaus soll das Programm eine internationale Standortbestimmung der Präventionsarbeit im Suizidbereich anbieten und allen Besuchern damit die Möglichkeit geben, den neuesten Stand des Wissens zu erfahren. Mit Absicht haben wir die Vorträge so geplant, dass jeder Referent ausreichend Zeit zur Präsentation hat, aber auch entsprechend Zeit für eine eingehende Diskussion zur Verfügung steht.

Die weiteren Themen reichen von der Pharmakotherapie, der Angehörigenarbeit bis zur Präsentation des europaweiten Programmes „SEYLE“ (Saving and Empowering Young Lives in Europe). Der Austragungsort unserer Tagung, die Research Division für Mental Health der UMIT in Hall, ist zugleich auch das österreichische Zentrum, das am SEYLE-Programm beteiligt ist. An elf europäischen Forschungszentren wird versucht, das Risikoverhalten junger Menschen zu erforschen und entsprechende Präventionsprogramme zu entwickeln. Erste Ergebnisse und die individuellen Erfahrungen, die im Rahmen der Implementierung gemacht wurden, werden in Hall präsentiert. Der Sonntagvormittag ist, wie vor drei Jahren, einem internationalen Austausch zur Thematik nationaler Suizidpräventionsprogramme gewidmet. Fast alle europäischen Länder haben nationale Suizidpräventionspläne, die eher selten zu tatsächlich politisch beschlossenen und mit nationalen Mitteln ausgestatteten Suizipräventionsprogrammen heranwachsen. Schon das letzte Mal war der wissenschaftliche Austausch zwischen Deutschland, der Schweiz und Österreich für alle sehr befruchtend und wir hoffen, dass uns dieses Jahr, mit der zusätzlichen Beteiligung von Italien und Luxemburg, Vergleichbares gelingt.

 

 Tagungshomepage: www.suizidtagung.at

Von Prof. Dr. Christian Haring, M.Sc., Ärzte Woche 37 /2010

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