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Psychiatrie und Psychotherapie 1. September 2010

Traumafolgen epigenetisch vererbt

Auswirkungen von Stresserlebnissen überdauern Generationen.

Ein Forscherteam aus Zürich hat nachgewiesen, dass Verhaltensauffälligkeiten, die bei einer Traumatisierung auftreten, auch an spätere Generationen weitergegeben werden können.

 

Bis in die dritte Nachfolgegeneration sollen Schädigungen andauern können, hat Studienleiterin Dr. Tamara Franklin bei Studien an Mäusen feststellen können. Dies sei jedoch nicht auf eine Mutation der Erbsubstanz zurückzuführen. Vielmehr verändere der Stress das Methylierungsprofil bestimmter Gene im Gehirn und in den Spermien männlicher Mäuse.

Bisher konnten bei Mäusen fünf Gene identifiziert werden, die aufgrund früher Stresserlebnisse von einer Methylierung betroffen sind. Die DNA selbst wird dabei nicht verändert, die Aktivität der betroffenen Gene allerdings schon. Das wiederum hat Auswirkungen auf verschiedene Körperfunktionen. Es waren jedoch nicht alle gefundenen Gene gleich stark beeinflusst.

Was genau in einer Maus vor sich geht, ist natürlich schwierig zu sagen, doch haben die Studien an zwei Mäusegruppen gezeigt, was geschieht, wenn Jungtiere knapp nach der Geburt vom Muttertier getrennt werden. Dieses Tiermodell wird zur Nachahmung von Kindesvernachlässigung und traumatischen Kindheitserlebnissen verwendet. „Die jungen Mäuse waren so stark gestresst, dass sie deutliche Verhaltensänderungen im Erwachsenenalter zeigten“, so die Forscherin. Sie zeigten ähnliche Verhaltensmuster wie depressive Menschen, wurden unter bestimmten Umständen aggressiv oder apathisch und wiesen soziale Störungen auf. Zudem zeigten die traumatisierten Mäuse auch deutliche Unterschiede in der Impulskontrolle. Sie stürmen ohne Ziel los und kannten offenbar weder Angst noch Umsicht.

Auch wenn die Erkenntnisse nur bedingt auf Menschen übertragbar sind, konnten Forscher in weiteren Versuchen mit anderen Genen ähnliche Symptome, wie sie bei Borderline- und Depressionspatienten vorhanden sind, ausmachen.

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