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Suchtprävention an Schulen

Gesundheitsförderung ist besonders erfolgreich, wenn sie von Schülern an Schüler vermittelt wird.

Wege der schulischen Suchtprävention standen im Mittelpunkt der Expertentagung „Suchtprävention mit (der) Klasse“, die das Institut für Suchtprävention (ISP) der Sucht- und Drogenkoordination Wien im November veranstaltet hatte. Experten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz präsentierten Grundlagen und Modelle ihrer Arbeit.

 

„Leistungsabfall, vermehrte Fehlstunden, vernachlässigte Interessen sind mögliche Indizien für mehr oder weniger exzessiven Drogenkonsum, die oft im Umfeld Schule besonders früh wahrgenommen werden“, so der Initiator der Tagung, ISP-Leiter Dr. Artur Schroers. „Schon deshalb ist die Schule ein wichtiger Ort dafür, Suchtgefahren früh zu erkennen und ihnen wirksam vorzubeugen.“

Suchtprävention müsse Informationen weitergeben, statt „bevormundend und moralisierend Abschreckung zu vermitteln“, steckte Schroers ein wichtiges Prinzip ab. „Ein zentrales Ziel der Suchtprävention ist es, die jungen Menschen in ihrer Risikokompetenz zu festigen.“ Abschreckung werde heute von Fachleuten als kontraproduktiv eingestuft, weil gerade bei labilen und suchtgefährdeten Jugendlichen durch reißerisch dargestellte Gefahrensituationen sogar Neugierde geweckt werden könne.

Chemische Lebensbewältigung

Experimentierfreude, das Ausloten von Grenzen sind wohl häufig die Motive, wenn legale oder illegale Substanzen exzessiv konsumiert werden. Allerdings würden gerade im Jugendalter Drogen häufig auch genommen, um das Leben vermeintlich besser zu bewältigen zu kommen, erklärte Prof. Dr. Klaus Hurrelmann von der Universität Bielefeld. „Die psychoaktiven Substanzen haben den subjektiven Sinn, die Realitätsverarbeitung zu verbessern. Die Eigenschaft der psychoaktiven Substanzen wird von Konsumenten instrumentell genutzt.“

In Wien gibt es eine Vielfalt von Programmen und Projekten zum Thema, die im Rahmen der Tagung vorgestellt wurden und von Schulen in Anspruch genommen werden können. Das ISP fungiert dabei als Kompetenzzentrum und Drehscheibe.

Breite Projektpalette

Das Projekt „GrenzGang“, eine Outdoor-Woche für Schulklassen, regt Schüler zur Reflexion ihres Risiko- und Konsumverhaltens an.

Beim Medienprojekt „BilderRausch“ haben Jugendliche Kurzfilme zum Thema Alkohol gedreht. Die Filme werden jetzt auch mit einem Booklet vertrieben – als Anregung zur Präventionsarbeit in den Schulen.

Das Forumtheater „Mit Maß und Ziel – es kotzt mich an“ thematisiert in veränderbaren Modellszenen den Umgang mit Alkohol. In diesen Szenen wird von Jugendlichen der Umgang mit Alkohol in einer Clique, in der Schule oder mit Eltern durchgespielt. Das Publikum hat dabei die Möglichkeit, die Hauptrollen auszutauschen und damit eigene Lösungsideen zur Verbesserung der Situation auszuprobieren.

Dass Suchtprävention durch Gleichaltrige unter bestimmten Voraussetzungen besonders gut funktioniert, zeigt das „Peersprojekt zur Suchtprävention und Gesundheitsförderung“, das vom Verein p.a.s.s. angeboten wird. Schüler werden in Gesundheitsförderung, Kommunikation, Konfliktlösungsstrategien oder Suchttheorien geschult, um als Ansprechpartner fungieren zu können. Das peergeleitete Präventionsmodell zeigte gegenüber der erwachsenengeleiteten eine positivere Wirkung auf das Alkoholkonsumverhalten. Der Konsum illegaler Drogen konnte konstant gehalten werden, während im erwachsenengeleiteten Projekt der Konsum anstieg.

 

Der Projektkatalog Schulische Suchtprävention in Wien kann unter Tel. 01 4000 87320, E-Mail: bezogen werden.

B&K/PH, Ärzte Woche

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