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Widerspruch und Antinomie. Zwei unterschiedliche logische Phänomene mit Bedeutung für die Psychotherapie

G. Fischer (1998) vertritt die These, paradoxe oder widersprüchliche Kommunikationen könnten zu neurotischen oder psychotischen Störungen führen. Diese These wird im Folgenden auf der Basis einer Unterscheidung zwischen Widerspruch und Antinomie differenziert. Widersprüche sind in der Kommunikation häufig und ihre Überwindung selbst ein wichtiges Ziel von Kommunikation. So genannte "dialektische Widersprüche" bleiben aber oft unbemerkt. Sie ergeben sich aus dem Gegensatz zwischen Inhalt und Form eines Satzes. Wer beispielsweise sagt, es gebe "keine Wahrheit" widerspricht sich selbst, da er für seine Behauptung ja selber Wahrheit beansprucht. Negiert man diese Behauptung hingegen, so gelangt man zu einer widerspruchsfreien Aussage (→ "Es gibt Wahrheit"), die zudem aus nicht empirischen Gründen, also notwendigerweise, wahr ist. Im Sumpf unserer unsicheren Alltagsansichten bildet sie einen soliden Sockel, auf dem man weiter bauen kann. Anders die Antinomie: "(S) Der Satz S ist falsch" ist ein Beispiel. In diesem Satz oszilliert der Wahrheitswert. Sowohl die Annahme, er sei falsch, als auch die gegenteilige Annahme führen in einen Widerspruch. Negiert man einen antinomischen Satz, so gerät man, anders als im Falle eines dialektischen Widerspruchs, nicht auf sicheren Grund. Man erhält nämlich eine Tautologie, und diese hat einen unbestimmten Wahrheitswert. Diese Unterschiede zwischen einem Widerspruch und einer Antinomie legen die Annahme nahe, dass es schwieriger ist, sich aus einer antinomischen Interaktionsstruktur zu befreien als aus einer widerprüchlichen, weil man bei jener die Struktur selber aufbrechen muss.

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