zur Navigation zum Inhalt
© Buenos Dias / photos.com
Das 13. Symposium „Psychiatrie und Seelsorge“ begab sich auf die Suche nach den gemeinsamen Wurzeln von Psychiatrie und Theologie.
 

Krankheit und Heilung – Unheil und Heil

Auf der Suche nach den gemeinsamen Wurzeln von Psychiatrie und Theologie

Der Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Hans-Georg Zapotocky leitete das in der letzten Ausgabe angekündigte 13. Symposium „Psychiatrie und Seelsorge“, das vom 13. bis 15. Mai im Wiener Kardinal König Haus stattfand, ein. Unter reger Beteiligung einer erfreulich großen Anzahl interessierter Teilnehmer wurde „Die verborgene Kraft des Glaubens – Glaube und Wissenschaft (der Psychiatrie) – ein Widerspruch?“ aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Die gelungene Mischung von geistes- und naturwissenschaftlichen Vorträgen führte zu einem informativen interdisziplinären Dialog.

Auf wissenschaftlicher Ebene wurden der Glaube wie die Glaubwürdigkeit von Psychiatrie und Theologie im Umgang mit psychiatrisch erkrankten Mitmenschen diskutiert. Der Lebenssaft der Wissenschaft heißt Fortschritt. Den Fortschrittsglauben wiederum hat die Wissenschaft, eine weitgehend in Vergessenheit geratene Tatsache, vom Christentum geerbt. Lebendiger Glaube führt zu einem höheren Standort von Denken und Wissen. So ergänzen einander Glaube und fruchtbare therapeutisch-wissenschaftliche Psychiatrie. Die Wissenschaft (der Psychiatrie) gewinnt ihre Orientierung von der Religion und der Philosophie.

Karl Jaspers (1883–1969), Philosoph und Psychiater, wurde mit seiner Aussage geistig präsent: „Die Religion oder ihr Mangel ist eine Bedingung für die Zielsetzungen im therapeutischen Umgang. Wo Arzt und Patient im gemeinsamen Glauben verbunden sind, kennen sie eine Instanz, aus der letzte Entscheidungen, Beurteilungen, Wegrichtungen gegeben werden, unter deren Bedingung die besonderen psychotherapeutischen Maßnahmen möglich werden. Fehlt diese Bindung, so tritt an die Stelle der Religion eine säkularisierte Weltanschauung … Die Psychotherapie ist, wo die objektive Instanz fortgefallen ist, in Gefahr, nicht mehr nur Mittel zu sein, sondern Auswirkung einer mehr oder weniger unklaren Weltanschauung zu werden … immer nur einer persönlichen und privaten“. (Allgemeine Psychopathologie, Berlin 1959, S. 663)

Das Christentum verkündet keine Religion der Unsterblichkeit in einer wie immer vorgestellten Weltferne. Vielmehr ist ihr Kerngeheimnis der Glaube an Tod und Auferstehung des Herrn. Und durch diesen Glauben wirken Psychiater wie Seelsorger schon im Hier und Jetzt durch die Kräfte, die über den Tod siegen. Heilung der Krankheit und die Überwindung grundlegenden Unheils durch die (christliche) Heilszusage begegnen einander.

Neue Orientierung

Für uns, die wir seit Beginn des 20. Jahrhunderts ein Auseinanderdriften beider Disziplinen erleben, war ein historischer Rückblick sehr aufschlussreich: Hier in Wien gab es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf universitärer Ebene eine Annäherung in Form einer Pastoralpsychiatrie.

In einzigartiger Weise wurde von namhaften Psychiatern aus Österreich und Südtirol die psychiatrischen Grunderkenntnisse in ihrer Öffnung zur Transzendenz wissenschaftlich dargelegt. Viel Anklang fanden die Anmerkungen zur biologischen Grundlage von Religion und Ethik seitens der Neurobiologie wie auch die Literatur als geistiges Band zwischen den beiden Bereichen. Die Zukunft der Tagungsreihe habe ich nun von Seiten der Seelsorge in die Hände der Psychiatrie gelegt. Dieser Neuausrichtung gelten unser künftiges Interesse und die guten Wünsche von uns allen.

 

K.-Rektor Paul van Heyster

Information zu den Tagungsbänden „Klage“, „Hoffnung“, „Liebe“ und „Glaube“ unter Tel.: +43 (0)1 40400 3562

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben