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Foto: Privat
Prof. Dr. Otto-Michael Lesch Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Suchtmedizin, Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Wien

Alkohol und Tabak: Medizinische und soziologische Aspekte von Gebrauch, Missbrauch und Abhängigkeit Lesch, Otto-Michael; Walter, Henriette 311 Seiten, € 69,95 Springer Wien, 2008 ISBN 9783211486245

 

Alkohol: Wirkung und Nebenwirkung

Trinkende Patienten brauchen auch in der Praxis spezifische Therapien.

85 Prozent aller Patienten beim praktischen Arzt trinken mehr oder weniger regelmäßig Alkohol. Alkohol ist oft eine Teilursache der meisten somatischen Erkrankungen und Alkohol spielt auch in der Wirkung fast aller verwendeten Medikamente eine wesentliche Rolle. Wird Alkohol gleichzeitig mit Medikamenten eingenommen, wird deren Wirkung meist verstärkt (zum Beispiel Beta-Blocker); trinken die Patienten regelmäßig, kommt es zu einer Enzyminduktion und damit zur Abnahme der Wirkung der verwendeten Medikamente (zum Beispiel bei Antidiabetika). Ohne Berücksichtigung des Trinkverhaltens kommt es vor allem bei chronischen Erkrankungen zu einem von Zwischenfällen geprägten schlechten Verlauf.

Ein Viertel der männlichen und ein Fünftel der weiblichen Patienten betreiben einen deutlichen Alkoholmissbrauch (mehr als ein Liter Wein täglich) und viele von diesen erfüllen auch die Diagnose der Alkohol- und Tabakabhängigkeit. Gelingt es in der Ordination, den Zusammenhang zwischen Wirkung von Alkohol und den somatischen Beschwerden herzustellen – durch biologische Marker (GOT doppelt so hoch wie GPT, MCV größer als 95, vielleicht sogar % CDT größer als 2,3 %) –, ist es oft möglich, ein kurzes Motivationsgespräch zu führen. Es gibt gute Daten, dass dieses Gespräch bei Alkoholmissbrauchenden zu einer deutlichen Reduktion ihres Trinkverhaltens führt. In dieser Gruppe sind dann medizinische Kontrollen in dreimonatigen Abständen sehr zielführend.

Besteht eine Alkoholabhängigkeit, lassen sich mittels strukturiertem Interview (LAT, www.Lat-online.at) in einem 20-minütigen Gespräch die Faktoren erfragen, die für die weitere Therapieplanung notwendig sind. Das Computerprogramm gibt dem Arzt spezifische Therapieprogramme in die Hand, die der Typologie nach Lesch folgen. Werden diese Therapieprogramme mit den Patienten besprochen, wird das realistisch erreichbare Therapieziel definiert (absolute Abstinenz oder Reduktion der Trinkmenge), man erhält Hinweise für die Motivationsstrategie und klare Vorstellungen für psychotherapeutisches und medikamentöses Vorgehen.

Da diese Strategien bereits in mehr als zehn Ländern eingeführt wurden und das Programm auch in den Landessprachen vorliegt, werden im Rahmen des IX. Alpe Adria Symposiums praktische Hinweise und Probleme in therapeutischen Strategien besprochen. Mit vielen praktischen Beispielen wird die heute gültige Therapie vor allem beim Praktiker unterlegt. Die Schnittstellen zur Schmerztherapie und zu anderen Suchtmitteln sind ein zweiter wesentlicher Inhalt dieses Kongresses.

IX. Alpe Adria Symposium
Termin: 27.–29. Mai 2010

Ort: Warmbaderhof, Villach

Thema: Suchttherapie in der Praxis – ein Neunländerprojekt; Ziel: Erarbeitung unterschiedlicher und gemeinsamer Elemente, Erarbeitung minimaler praxisgerechter evidence based guidelines für die Suchttherapie in der Praxis als gemeinsame Grundlage für die teilnehmenden Länder.

Information: Dr. Josefine Kalenda, Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie, MedUni Wien, Währingergürtel 18–20, 1090 Wien Tel.: +43 (0) 1 40 400 3529 Fax: +43 (0) 1 40 400 3472 E-Mail:

Von Prof. Dr. Otto-Michael Lesch, Ärzte Woche 17/2010

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