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Psychosoziale Situation von Patienten mit Borderline- Persönlichkeitsstörung

Betreuungssituation, Lebensqualität und Symptombelastung nach einem stationären Aufenthalt

Patienten mit einer Borderline-Störung (BPS) zeigen ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in der Affektregulation, Impulskontrolle, Selbstwertregulation sowie im interpersonellen Bereich.
Komorbide psychische Erkrankungen, insbesondere depressive Störungen, Angststörungen und substanzbezogene Störungen, sind häufig. Das starke Inanspruchnahmeverhalten von Borderline-Patienten fordert die Versorgungsstrukturen in hohem Ausmaß.

Obwohl sich störungsspezifische psychotherapeutische Behandlungskonzepte als wirksam erwiesen haben, muss betont werden, dass die gegenwärtige Versorgungssituation für Borderline-Patienten in Deutschland und in Österreich im ambulanten Bereich völlig unzureichend ist. Der Großteil der hohen stationären Kosten könnte durch den Aufbau einer integrierten Versorgung sicherlich reduziert werden.


Im Rahmen der vorliegenden Nachuntersuchung wurden 73 Patienten, die im Zeitraum von 2000–2004 zumindest einmal stationär an der verhaltenstherapeutischen Station 5B im AKH-Wien mit der Diagnose Borderline-Störung nach DSMIV aufgenommen waren, angeschrieben. Mittels Fragebögen wurden soziodemographische Daten, das Ausmaß der medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlung, die Symptombelastung (BSL) und die Lebensqualität (WHOQOL- BREF) erhoben.
Durchschnittlich 2,2 (SD ± 1,3) Jahre nach dem stationären Aufenthalt an der verhaltenstherapeutischen Station an der Universitätsklinik für Psychiatrie konnten 29 Patienten (Responserate 39,7 %) erreicht werden. Zum Befragungszeitpunkt waren 22 (75,9 %) der untersuchten Personen in psychotherapeutischer Behandlung, von einem Facharzt für Psychiatrie wurden 18 (62,1 %) Personen regelmäßig betreut, 13 Personen kontaktierten regelmäßig einen praktischen Arzt (45 %).

Die subjektive Symptombelastung, welche mittels der Borderline-Symptom-Liste (BSL) erhoben wurde, zeigte mit einem Prozentrang von 19 einen unterdurchschnittlichen Wert. Somit weisen 81 % der zu vergleichenden Normstichprobe mit BPS eine höhere Symptombelastung auf als das untersuchte Patientenkollektiv; dennoch ist die Lebensqualität im WHOQOL-BREF signifikant (p < 0,01) reduziert. Es wurde, abgesehen von der Evaluierung des Schweregrades der Gesamtsymptomatik, zur quantitativen Erfassung von borderlinespezifischer Problematik auf der Verhaltensebene eine 5-stufige Likert-Skala (BSL-ERGÄNZUNGSSKALA) zur retrospektiven Selbsteinschätzung dysfunktionalen Verhaltens, die letzten 7 Tage vor dem Nachuntersuchungszeitpunkt betreffend, vorgegeben.

Die Ergebnisse der BSL-ERGÄNZUNGSSKALA weisen auf einen hohen Störungsgrad hin und belegen zahlreiche selbstschädigende Verhaltensweisen wie Suizidversuche, Substanzabusus, Essstörung und unkritische Sexualkontakte, womit das Problem des Transfers von im stationären Setting erreichter Verhaltensänderung in das alltägliche Funktionieren evident wird. Die niedrige Rücklaufrate von 39,7 % im Rahmen dieser Nachuntersuchung steht auch für die Compliance-Probleme dieser Patienten psychiatrische Behandlung betreffend.

Mag. Dr. med. univ. Dorothea Nosiska, Elisabeth Ponocny-Seliger, Stephanie Hauska, Gerhard Lenz, Psychiatrie & Psychotherapie 1/2010

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