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Etwa 30–60 Prozent der Betroffenen haben einen Verwandten mit Asperger-Syndrom beziehungsweise ähnlichen Verhaltensweisen.

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Bereits als Assistenzarzt beobachtete Asperger ein Zustandsbild, das durch hohe Intelligenz und rigide Sonderinteressen – etwa an öffentlichen Verkehrsmitteln, Geschichte oder Vogelarten – gekennzeichnet war.

 

Das Asperger-Syndrom bei Erwachsenen

Während die Symptome bei Kindern noch relativ gut diagnostizierbar sind, werden sie in späteren Jahren häufig nicht erkannt.

Herr F., 35 Jahre alt, wendet sich per E-Mail an die Kinderklinik mit der Frage, ob eine diagnostische Abklärung bei uns möglich sei, da er im Erwachsenenbereich keine Ansprechperson gefunden habe. Durch eine Internetrecherche sei er auf das Asperger-Syndrom gestoßen. Seit seiner Kindheit habe er sich bereits gefragt, was bei ihm nicht stimme, warum er „anders“ sei und warum es seinen Mitschülern immer so leicht gefallen sei auf andere zuzugehen, „Small Talk“ zu führen oder Kontakte aufrecht zu erhalten. Er hingegen habe damit immer massive Schwierigkeiten gehabt, habe soziale Zusammenhänge oft nicht begriffen beziehungsweise die Gedanken, Absichten oder Gefühle anderer nicht entschlüsseln können. Obwohl er dies erkennt, konnte er es bisher nicht bewusst ändern, was in weiterer Folge zu einer depressiven Verstimmung mit Rückzug geführt hat. In der weiteren Exploration stellt sich heraus, dass Herr F. alleine wohnt, aber immer noch finanziell beziehungsweise im Alltag von seinen Eltern unterstützt wird. Derzeit hat er keine Beziehung, die vorangegangene Partnerschaft ging wegen Kommunikationsproblemen in die Brüche, worunter er sehr leidet. Aufgrund seiner speziellen Interessen studierte Herr F. Astrophysik und technische Mathematik und schloss beide Studien mit Auszeichnung ab. Seither hat er in etwa 20 verschiedenen Jobs gearbeitet, die meist nicht seiner Qualifikation entsprachen. Das Arbeitsverhältnis wurde jeweils beendet, da Herr F. von den sozialen Anforderungen massiv überfordert war. Seine Freizeit verbringt Herr F. alleine, betätigt sich im Internet in Chatrooms, liest Fachliteratur und hat eine vollständige Sammlung an Sportfachzeitschriften seit dem Jahr 1995, die er in einer bestimmten Ordnung aufbewahrt und deren Inhalte er so gut wie auswendig kennt.

Das Wissen um und über das Asperger-Syndrom steckt in Österreich im wahrsten Sinne des Wortes immer noch in den „Kinderschuhen“: In den gängigen Klassifikationssystemen ICD-10 (WHO, 1992) und DSM-IV (APA, 1994) ist das Asperger-Syndrom (AS) derzeit gemeinsam mit dem frühkindlichen Autismus den „tiefgreifenden Entwicklungsstörungen“ (ICD-10, F84; DSM-IV, 299) zugeordnet. Dies führt irrtümlicherweise oft dazu, dass AS und Autismus dem Kinderbereich zugeordnet werden und im Gebiet der Erwachsenenpsychiatrie Tätige diese Diagnose nie oder höchst selten vergeben. An der Kinderklinik erleben wir derzeit eine Anhäufung an Anfragen von Erwachsenen, die sich selbst – meist über das Internet – mit Asperger-Syndrom „diagnostiziert“ haben und nach einer Antwort suchen auf die erlebte Beeinträchtigung in der sozialen Interaktion und Kommunikation, ihr immerwährendes Versagen in der Alltagsbewältigung oder der beruflichen Integration – meist neben ihren ansonsten oft überdurchschnittlichen intellektuellen Fähigkeiten und Spezialbegabungen.

Aus einer Nachuntersuchung ehemaliger Patienten von Hans Asperger und Kollegen (diagnostiziert als „autistische Psychopathen“/ „Asperger-Autisten“ an der Kinderklinik in den Jahren 1950–1980) ging hervor, dass ca. 60 Prozent die Diagnosekriterien als Erwachsene weiterhin erfüllen würden, aber nur drei Prozent eine aktuelle Diagnose des Autismus-Spektrums hatten (Hippler, 2003). Ein Großteil der mittlerweile erwachsenen Patienten hatte gute adaptive Fähigkeiten und führte ein geregeltes Leben, wobei die qualitativen Interviews auf das Vorliegen massiver Probleme innerhalb ihrer sozialen Rollen hindeuteten. Wiederum 60 Prozent hatten andere Diagnosen, vor allem emotionale Störungen (Depression, Angststörungen) beziehungsweise Störungen des Schizophrenie-Spektrums. Es wurde in der Literatur bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass Depression bei Erwachsenen mit AS die häufigste Diagnose ist. Diese kommt sowohl komorbid vor, kann aber häufig auch als Reaktion auf ein Gefühl des Unverstandenseins durch die Umwelt beziehungsweise wiederholte Frustrationserlebnisse gedeutet werden. Hinsichtlich der Diagnosen aus dem Schizophrenie-Spektrum ist zu vermuten, dass ein kleinerer Teil tatsächlich komorbid eine Psychose entwickelte, in den anderen Fällen aber vermutlich die Diagnose AS verkannt beziehungsweise nicht in Erwägung gezogen wurde.

Geschichtlicher Hintergrund

Der Wiener Pädiater Hans Asperger (1906 –1980) beschrieb 1938 erstmals das Zustandsbild des „Autistischen Psychopathen“ in einer Publikation der Wiener Klinischen Wochenschrift. Die heute bekannte Habilitationsschrift („Die Autistischen Psychopathen des Kindesalters“) erschien jedoch erst 1944 – nahezu zeitgleich mit der Beschreibung des „frühkindlichen Autismus“ durch den in den USA praktizierenden Psychiater Leo Kanner im Jahr 1943.

Bereits als Assistenzarzt an der heilpädagogischen Station der Kinderklinik, deren Leitung Asperger später inne hatte, beobachtete er ein – seiner Ansicht nach ausschließlich bei Buben vorkommendes – Zustandsbild, das durch hohe Intelligenz mit eigenständigen, jedoch rigiden Sonderinteressen (z. B. an öffentlichen Verkehrsmitteln, Geschichte, Vogelarten, Technik etc.) gekennzeichnet war. Auffällige Merkmale waren zudem eine Störung der „Instinkte“, der sozio-emotionalen Fertigkeiten, eine oft erwachsen-formell anmutende, pedantische sprachliche Ausdrucksweise und eine gewisse motorische Ungeschicklichkeit. Die Beschreibung dieser Kinder fiel in eine Zeit, zu welcher die politische Landschaft Österreichs durch das rigide, nationalsozialistische Regime geprägt war und die dementsprechende Denkweise mit all ihren schrecklichen Konsequenzen – vor allem auch in Hinblick auf den Umgang mit geistig und körperlich beeinträchtigten Kindern – Einzug hielt. In einer Zeit, in der psychische Beeinträchtigung mit „Minderwertigkeit“ gleichgesetzt wurde, trat Asperger in seinen Vorträgen und Schriften immer wieder für eine individuelle Beurteilung, Förderung und Therapie jener „Autistischen Psychopathen“ ein. Gleichzeitig scheint er aus heutiger Sicht fatalerweise den damaligen Machthabern jedoch nicht mit genügend persönlichem Einsatz beziehungsweise Widerstand entgegen getreten zu sein, um alle ihm überantworteten Kinder (vor allem vor einer Einweisung in die „Kinderfachabteilung“ am Spiegelgrund) zu schützen.

Lange Zeit wurde die Pionierarbeit Aspergers für die Autismusforschung verkannt, da seine Beschreibung des Zustandsbildes ausschließlich in deutscher Sprache veröffentlicht wurde und international daher nur wenig Beachtung fand. Erst durch eine mittlerweile viel zitierte Publikation der britischen Psychiaterin Lorna Wing im Jahr 1981, erreichte Aspergers Arbeit zunehmend internationale Bekanntheit (Wing, 1981).

Diagnose

Allen Störungen des autistischen Spektrums gemeinsam ist eine in ihrer Ausprägung variierende qualitative Beeinträchtigung der sozialen Interaktion und der Kommunikation sowie das Vorliegen zwanghafter Rituale, Routinen beziehungsweise restriktiver Interessen. Das AS unterscheidet sich vom frühkindlichen Autismus laut ICD-10 und DSM-IV durch das Fehlen einer Entwicklungsverzögerung im sprachlichen, kognitiven oder adaptiven Bereich sowie eine weitgehend unauffällige Sprache und Kommunikation. Diese Unterscheidung wird von den meisten Klinikern wie auch Wissenschaftlern kritisch gesehen, da Personen mit AS beispielsweise durchaus Kommunikationsdefizite haben, wiewohl diese subtiler sind. Es ist des Weiteren fraglich, ob sich der so genannte „high functioning“ Autismus (= frühkindlicher Autismus bei durchschnittlicher intellektueller Begabung) valide vom Asperger-Syndrom abgrenzen lässt.

Während Kinder mit AS oft noch relativ gut diagnostizierbar sind, haben die meisten intellektuell gut begabten Erwachsenen mit AS bereits gelernt, viele ihrer Defizite zu kompensieren, so dass sie auf den ersten Blick relativ unauffällig erscheinen können. Als zentral erscheint die Tatsache, dass erwachsene Personen mit AS meist nicht von sich aus den Rückzug wählen, sondern oftmals sehr darunter leiden, dass es ihnen nicht gelingt, Beziehungen herzustellen und aufrecht zu erhalten, gerade auch wenn es um Partnerschaften und Liebesbeziehungen geht. Eine genauere Darstellung typischer Symptome des AS bei Erwachsenen findet sich in Tabelle 1. Differentialdiagnostisch sind bei Erwachsenen mit AS vor allem die schizoide beziehungsweise schizotypische Persönlichkeitsstörung, Psychosen ohne Plussymptomatik, Zwangsstörungen, bisweilen auch die narzisstische und Borderline-Störung in Erwägung zu ziehen.

Prävalenz

Daten zur Prävalenz des Asperger-Syndroms unterliegen einer enormen Schwankungsbreite, da nicht zuletzt die diagnostischen Kriterien sehr unterschiedlich gehandhabt werden. Meta-Studien (z. B. Fombonne 2007) zeigen, dass die Häufigkeit in den verschiedenen Studien von 0,03 bis 4,84 pro 1.000 Kindern reicht. Autismus scheint insgesamt häufiger diagnostiziert zu werden als AS; das Verhältnis zwischen den beiden Zustandsbildern ist aber auch hier von Studie zu Studie höchst unterschiedlich. Eine gemeinsame Linie zeigt sich im deutlichen Überhang des männlichen Geschlechts.

Ätiologie, Neurobiologie und Neuropsychologie

Hans Asperger (1944) ist schon damals davon ausgegangen, dass das von ihm beschriebene Syndrom eine biologische (genetische) Pathogenese hat und nicht auf Erziehungsfehler, mangelnde Wärme in der Eltern-Kind-Beziehung oder Ähnliches zurückgeführt werden kann. Er beobachtete ähnliche Züge – wenn auch nicht immer das „Vollbild“ – in nahen Verwandten der Kinder, vor allem den Vätern. Verschiedenen Untersuchungen zufolge haben etwa 30–60 Prozent der Patienten mit AS einen Verwandten mit AS beziehungsweise ähnlichen Verhaltensweisen (Poustka et al., 2004). Es wird von den meisten Autoren davon ausgegangen, dass alle Störungen des autistischen Spektrums denselben genetischen Mechanismen unterliegen und Hirnschädigungen beziehungsweise Hirnfunktionsstörungen wahrscheinlich sind. Bisher wurde kein Gen für AS identifiziert; wahrscheinlich ist eine multigenetische Verursachung. Zur Neurobiologie autistischer Beeinträchtigungen gibt es zahlreiche Studien mit vielen Einzelergebnissen, welche bisher nur selten klar replizierbar waren. Es scheint immer deutlicher zu werden, dass Autismus weder ein klar abgrenzbares Zustandsbild ist, noch mit einem einzigen Erklärungsmodell auskommt (Happé et al., 2006). Viele Befunde weisen auf Abweichungen im „sozialen Gehirn“ hin (orbito-frontaler Kortex, Amygdala, Gyrus temporalis superior). Neuroanatomische Studien und die Assoziation mit teratogenen Faktoren legen nahe, dass es bei Personen mit AS zu einer veränderten Hirnentwicklung bereits in der fötalen Periode kommt. Möglicherweise erfolgt eine abweichende Migration embryonaler Zellen, welche die Struktur beziehungsweise die Vernetzung des Hirns beeinflusst. Vielversprechend erscheint die Forschung zur so genannten „Underconnectivity Theory“, welche eine mangelnde Synchronisierung beziehungsweise Unterfunktion neuronaler Verbindungen postuliert (Just et al., 2007). Die Theorie eines beeinträchtigten Spiegel-Neuronen-Systems erregte in den letzten Jahren Aufsehen und postuliert ein Erklärungsmodell für die mangelnde Imitationsfähigkeit und in der Folge einen Teil der Kernsymptomatik autistischer Kinder.

In den letzten Jahren scheinen die neurobiologischen Befunde die kognitiven, neuropsychologischen Theorien zur Entstehung des Autismus immer mehr zu stützen. Hierbei haben in der Autismusforschung vor allem drei Theorien Beachtung gefunden: (1) die Theorie einer Beeinträchtigung exekutiver Funktionen (= höhere kognitive Prozesse der Selbstregulation und zielgerichteten Handlungssteuerung), (2) Defizite in der „Theory of Mind“ (= die Fähigkeit, anderen beziehungsweise sich selbst Gefühle, Gedanken, Absichten etc. zuzuschreiben) und (3) die Theorie einer Beeinträchtigung der zentralen Kohärenz (= ganzheitliche, gestaltbezogene Wahrnehmung).

Diagnostik Erwachsener

Als „Golden Standard“ in der Diagnostik Erwachsener mit Verdacht auf Beeinträchtigungen des autistischen Spektrums gilt neben der klinisch-psychologischen Standarddiagnostik (ausführliche Exploration, Intelligenzprofil, Persönlichkeitsfragebögen), der Einsatz der Diagnostischen Beobachtungsskala für Autistische Störungen (ADOS, deutsche Fassung von Rühl et al., 2004), sowie das Diagnostische Interview für Autismus – revidiert (ADI-R, Bölte et al., 2006). Auch wenn es im Erwachsenenbereich schwieriger ist, erscheint die Fremdanamnese mittels ADI-R mit den Eltern als überaus wichtig. Im klinischen Alltag hat sich herausgestellt, dass eine ausschließliche diagnostische Beurteilung anhand der Beobachtungsskala (ADOS) speziell für die Diagnose des AS wenig sensibel erscheint. Ergänzend sollten daher auch neuropsychologische Verfahren zur Erfassung von Beeinträchtigungen hinsichtlich exekutiver Funktionen, Abweichungen in der Wahrnehmungsorganisation oder Schwierigkeiten in der Emotionsdekodierung / Theory of Mind verwendet werden. Bei der Diagnostik wie bei der Planung der Therapie erscheint wesentlich, dass der Experte Erfahrung im Bereich des autistischen Spektrums hat. Der Einsatz bildgebender Verfahren erbringt bei den meisten Personen mit AS keine spezifischen Befunde, wird aber in internationalen Leitlinien empfohlen.

Intervention und Therapie

In der Beratung von Menschen mit AS geht es zunächst darum, den Betroffenen selbst beziehungsweise dem Umfeld verständlich zu machen, welche basalen Schwierigkeiten zu den immer wiederkehrenden Problemen im Alltag und in der sozialen Interkation führen. Dies führt bei den meisten Menschen mit AS (und deren Familien) zu einem „Aha-Effekt“, einem Umdenken und Re-Framing, welches oftmals mehr Verständnis und eine gewisse Erleichterung nach sich zieht.

Die weitere Intervention setzt daher zum einen an einer Umgestaltung der Umgebung beziehungsweise der Abläufe im Alltag an (z. B. hohe zeitliche und örtliche Strukturierung, Herabsetzen sozialer Anforderungen). Zentral ist, dass Betroffene lernen sich trotz oder besser mit ihrer Beeinträchtigung zurechtzufinden. Zum anderen geht es um die gezielte Förderung von Fertigkeiten. Im Erwachsenenbereich liegt der Fokus auf der Förderung sozialer Kompetenzen, neuropsychologischen Trainings, zum Beispiel im Bereich exekutiver Funktionen, und in der Unterstützung und Begleitung bei der Alltagsbewältigung. Oftmals kann eine psychotherapeutische Begleitung im Sinne eines „Coachings“ hilfreich sein. Es wird in der internationalen Literatur vielfach darauf hingewiesen, dass verhaltenstherapeutische Ansätze bei Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen besonders geeignet sind.

Medikation

Psychopharmaka wirken kaum auf die Primärsymptomatik der autistischen Störung, können aber bei sekundären oder komorbiden Symptomen unterstützend sein. Medikamente sollten immer nur auf spezifische Symptome abzielen, um schädigende Verhaltensweisen, die anders nicht beeinflussbar sind, zu reduzieren. Klassische Neuroleptika (vor allem Haloperidol) zeigten in mehreren kontrollierten Untersuchungen positive Effekte auf extremes Rückzugsverhalten und Stereotypien sowie auf verschiedene andere Verhaltensauffälligkeiten, werden aber heute aufgrund ihrer starken, vor allem extrapyramidalen, Nebenwirkungen kaum mehr angewendet (Posey et al., 2008).

Atypische Neuroleptika wurden als effektiv bei Verhaltensauffälligkeiten wie Reizbarkeit, Aggressivität, Hyperaktivität und Wutausbrüchen beschrieben (Posey at al., 2008). Vor allem Risperidon erwies sich wiederholt als effektiv im Sinne einer Reduktion selbstverletzender und aggressiver Verhaltensweisen. Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer zeigten Effektivität bei komorbider / reaktiver Angst, Depression sowie zwanghaften und ritualisierten Verhaltensweisen. Stimulanzien scheinen nur bei einer Subgruppe von Menschen mit Beeinträchtigungen des autistischen Spektrums gute Effekte zu zeigen, erwartungsgemäß vor allem bei intellektuell weniger beeinträchtigen Patienten mit komorbidem ADHS.

Die Behandlung mit dem Hormon Sekretin wurde immer wieder als besonders Erfolg versprechend in den Medien gehandelt, konnte aber in mehreren kontrollierten Untersuchungen nicht bestätigt werden. Erfolge anderer alternativer Therapien, wie der Einnahme hoher Dosen des Vitamins B6 (gemeinsam mit Magnesium und anderen Vitaminen und Mineralien) oder einer Gluten- und Casein-freien Diät beruhen hauptsächlich auf Einzelfallberichten von Eltern oder Untersuchungen mit erheblichen empirischen Einschränkungen. Die Wirksamkeit kann daher derzeit nicht nachgewiesen werden.

Konsequenzen für die Psychiatrie des Erwachsenenalters

Die wohl schwierigste Aufgabe stellt sich in der Differenzierung des AS von den Störungen aus dem schizophrenen Formenkreis, vor allem dann, wenn die Negativsymptomatik überwiegt und ein schleichender Beginn nicht eindeutig von der Entwicklungsdimension abgrenzbar ist. Auch die Differentialdiagnose von der schizoiden Persönlichkeitsstörung gelingt oft eher im Längsschnitt als im Querschnitt, sie ist aber durch die weit in die Kindheit zurückführende klare Anamnese entsprechend den Leitlinien autistischer Störungen möglich. (Remschmidt 2006)

Trotzdem ist die Differentialdignose nicht nur aus „akademischen“, sondern auch aus therapeutischen Gründen wichtig. Sehr häufig hat das nachträgliche Verstehen der Biographie eines Patienten für ihn selbst, aber auch für die ärztlich-therapeutische Beziehung große Bedeutung. Nur allzu oft übertragen wir unsere Heilungs- und Veränderungsansprüche auf ein scheinbar unlösbares Problem, resignieren wegen „Chronifizierungstendenzen“ und erkennen nicht, dass das „So-Sein“ eines Menschen auch als Eigenschaft, als „Besonderheit“ respektiert und anerkannt werden kann oder muss.

1 Tagesklinische Station für Psychosomatik, Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, AKH Wien

2 Doktorandin an der MedUni Wien, unterstützt von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

3 Ärztliche Leiterin der Tagesklinik und Ambulanz für Psychosomatik, Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, AKH Wien

American Psychiatric Association (1994). Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 4th edition (DSM-IV). Washinton DC: Author.

Asperger, H. (1938). Das psychisch abnorme Kind. Wiener Klinische Wochenschrift, 49, 1314–1317.

Asperger, H. (1944). Die Autistischen Psychopathen im Kindesalter. Archiv für Psychiatrie udn Nervenkrankheiten, 117, 76–136.

Fombonne E. (2007). Epidemiological surveys of pervasive developmental disorders. In: Volkmar F.R. (Hrsg.) Autism and Pervasive Developmental Disorders (2nd ed.), 33–68, Cambridge University Press.

Happé, F., Ronald, A., Plomin, R. (2006). Time to give up on a single explanation for autism. Nature Neuroscience, 9, 1218–20.

Hippler, K. (2003). The life course of individuals with Asperger syndrome. A qualitative follow up and group study of adults formerly diagnosed by Hans Asperger in Austria and Lorna Wing in Britain. Wien: Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie.

Just, M.A., Cherkassky, V.L., Keller, T.A., Kana, R.K., Minshew, N.J. (2007). Functional and anatomical cortical underconnectivity in autism: evidence from an FMRI study of an executive function task and corpus callosum morphometry. Cerebral Cortex 17 (4): 951–61.

Posey, D. J., Stigler, K. A., Erickson, C. A. & McDougle C. J. (2008). Antipsychotics in the treatment of autism. The Journal of Clinical Investigation, 18, 6–14.

Poustka, F., Bölte, S., Feineis-Matthews, S. & Schmötzer, G. (2004). Autistische Störungen. Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie. Göttingen: Hogrefe.

Remschmidt,H., Kamp-Becker I.:(2006). Asperger-Syndrom: Springer

Wing, L. (1981). Asperger’s syndrome: a clinical account. Psychological Medicine, 11, 115–129.

World Health Organisation (1992). The ICD-10 classification of mental and behavioural disorders. Geneve: WHO.

Tabelle 1 Charakteristische Symptome von Personen mit Asperger-Syndrom im Erwachsenenalter mit Beispielen
Merkmal Beispiele
1. Soziale Interaktion
  • Gefühl einer „Außenseiterposition“
  • Kein generelles Ablehnen zwischenmenschlichen Kontakts, aber Zugehen auf andere oft ungeschickt
  • Kaum wirkliche Freundschaften
  • Mangel an intuitivem Situationsverständnis, an „gesundem Menschenverstand“  der Betroffene verhält sich oft sehr „steif“ oder unabsichtlich unangemessen, wirkt arrogant, unhöflich und zu direkt
  • soziale Naivität; wird ausgenutzt
  • oft lange Geschichte an erlebtem Spott, Hänseleien, Ausgrenzung
2. Nonverbale Kommunikation
  • eventuell eingeschränkte oder ungewöhnliche Mimik und Gestik
  • Beeinträchtigte zeitliche Integration von Gesichtsausdruck, Blickkontakt und Sprache
  • Schwierigkeiten nonverbale oder implizite Signale im Kontext richtig zu dekodieren und angemessen darauf zu reagieren
3. Verbale Kommunikation
  • Perfekte / gewählte Sprache, „spricht wie aus einem Buch“
  • Aussprache manchmal ungewöhnlich (z.B. bezüglich Modulation, Betonung, Lautstärke oder Flüssigkeit); in Österreich häufig ein auffallend „deutscher Akzent“ (ohne familiären Bezug)
  • Beeinträchtigung der Pragmatik, d. h. der angemessenen Anwendung der Sprache im kommunikativen Kontext (führt z. B. zu endlosen Monologen über Spezialinteressen, Langatmigkeit, Debattieren über scheinbar Nebensächliches)
  • Probleme mit „Small Talk“/ Alltagsgesprächen sowie „Turn Taking“ in Gesprächen
  • Mangelndes Verstehen nicht konkreter, mehrdeutiger Inhalte (Ironie, Witze, Sarkasmus ...)
4. Spezialinteressen, restriktives Verhalten
  • Interessen oder Hobbys von eingeengter, zwanghafter Qualität (z. B. Verkehrsmittel, Wetter, Vogelarten, Insekten, Elektronik); inkludiert oft: Anhäufen von Wissen zu einem bestimmten Themengebiet oder Sammeln bestimmter Gegenstände
  • Oft enorme Gedächtnisleistung
  • Tendenz immer denselben Tagesablauf beizubehalten
  • Schwierigkeiten im Umgang mit Veränderungen im Alltag
  • Zwanghafte Tendenzen
5. Theory of Mind
  • Probleme, sich in die Gedanken- und Gefühlswelt anderer hineinzuversetzen beziehungsweise die eigenen Gefühle und Gedanken in einer Situation zu reflektieren (mangelnde „Theory of Mind“)
  • wenig So-tun-als-ob-Spiele als Kind (Anamnese mit Angehörigen!)
6. Exekutive Funktionen
  • Oft massive Probleme in der Handlungsplanung und Organisation des Alltags, Probleme beim Initiieren von Handlungen
  • Mangelnde kognitive Flexibilität
  • Detailfokussiertheit, mangelnde Gestalterfassung
7. Senso-motorik
  • Ungeschicklichkeit, Koordinationsschwierigkeiten
  • Eventuell eigenartiger, steifer Gang beziehungsweise ungewöhnliche Körperhaltung
  • Seltener motorische Stereotypien, Manierismen
  • Oft Über- beziehungsweise Unterempfindlichkeiten auf bestimmte sensorische Reize
8. Komorbidität
  • Aufmerksamkeits- und / oder Hyperaktivitätssyndrom (ADHS), Zwänge, Depression, Angststörungen, Übergang zum schizophrenen Formenkreis fließend
Achtung: Die hier angegebenen Symptome wurden möglichst praxisnah erstellt und entsprechen nicht 1:1 den derzeit gängigen diagnostischen Kriterien gemäß ICD-10 / DSM-IV; die Symptome können dabei in unterschiedlicher Ausprägung vorhanden sein.

K. Hippler1, R. Sousek2, B. Hackenberg3, psychopraxis. neuropraxis 2/2010

  • Herr Doctor Nabil Deeb, 02.09.2010 um 00:13:

    „Die Schizophrenie , Rassenlehren , Naturrecht der Diaspora & Populationsgenetik in den Welt-Finanzkrisen !!!



    Schizophrenia, race theories, natural law and the diaspora population genetics in the world financial crisis. !


    Nabil DEEB
    Arzt – Physician – Doctor
    PMI-Registered Doctors'Association
    53140 Bonn / GERMANY



    Die Schizophrenie , Naturrecht der Diaspora & Populationsgenetik und molekularer Genetik in unserer Wissensgesellschaft in den Welt-Finanzkrisen :-

    I.

    Die Psychiatrie- der sog. "zivilisierten" Welt mit Vorreiter Schweiz Sterilisierungen und Euthanasie in Zürich :-

    Die Erfindung der Krankheit "Schizophrenie" in Zürich :-
    Wer ein auffälliges Verhalten innerhalb der Gesellschaft zeigt, das mir nicht passt, hat eine "Krankheit" im Geist. So ähnlich definierten die Ärzte der neuen "psychologischen" Studienrichtungen in Zürich Ende des 19.Jh. die "geistig Abnormen". Eugen Bleuler, 1898-1926 Direktor am Burghölzli, Universitätsprofessor der Eugenik in Zürich, definierte dafür im Jahr 1911 das Wort "Schizophrenie" (Huonker, S.101).

    [Die Frage, welche Faktoren von aussen zu einem "schizophrenen" Verhalten führen, darf nicht gestellt werden...].

    Die Entstehung der Praxis der Sterilisierung und Tötung von Psychiatriepatienten mit Zentrum Zürich ab 1870 (Euthanasie) :

    Der normale religiöse Rassismus und die Verfolgungsmethoden gegen die Täufer als Vorbild zur Verfolgung der "geistig Abnormen"

    Legale Vererbungslehre und Sterilisierungen bis in die 1970-er Jahre.

    Die Rassenhygiene von Nietzsche mit Prostitution - der Darwinismus definiert "wilde Rassen".
    Die Sterilisation im Namen von Forels Behauptung, "Geisteskrankheiten" seien erblich.

    Weitere "Familienforschungen" zwecks der Vererbungslehre bzw. "Eugenik" wurden betrieben von :

    -- R.L. Dugdal: "The Jukes". New York 1877 (Huonker, S.179).
    -- H. Lundborg: Medizinische Familiengeschichten. Jena 1913 (Huonker, S.185)
    -- Henry Herbert Goddard: Die Familie Kallikak. Beiträge zur Kinderforschung und Heilerziehung. Langensalza o.J. (1914) (Huonker, S.181).

    1908: Hans Wolfgang Meier definiert die "moralische Idiotie" und befürwortet die Euthanasie.

    1908 präsentierte der schweizer Psychiater Hans Wolfgang Maier in seiner Dissertation den Begriff "moralische Idiotie" und wollte damit die Diagnose "moral insanity" von Prichard ablösen, konnte sich aber nicht durchsetzen (Huonker, S.104). Maier postulierte das Ziel, die "hereditären Faktoren" auszumerzen:

    "Hereditäre [erbliche] Faktoren, nämlich die direkte Fortpflanzung der moralischen Idioten und der Alkoholismus, sind mit allen Mitteln zu bekämpfen." (Huonker, S.104; Maier, Hans W.: Moralische Idiotie 1908, S.81)

    Hans Wolfgang Maier behauptete, die Ermordung "Geisteskranker" sei zum Vorteil für alle Seiten. Zumindest aber die Sterilisierung sei ein absolutes Muss, weil Schwachsinn erblich sei:

    "Die Tötung wäre auch heute ( = 1908 ) noch das vernünftigste und für alle Teile schonendste, wenn nicht der hier durchaus unangebrachte Begriff der Strafe stets damit verbunden wäre und Gründe der allgemeinen Moral gebieterisch dagegen sprächen. [...] Die direkte Heridität [Erblichkeit] ist entschieden eine Hauptursache des krankhaften Zustandes. [...] Es ist also sehr wichtig, diese Kranken an der Fortpflanzung zu verhindern. Da unter unseren heutigen Verhältnissen sowohl Gefängnis wie Anstalt hierfür keine absolute Garantie bilden, hätte die Gesellschaft nicht nur das Recht, sondern meines Erachtens auch die Pflicht, hier möglichst bald die zwangsweise Sterilisierung zu dekretieren." (Huonker, S.105; Maier, Hans W.: Moralische Idiotie 1908, S.79-80) .

    Eugen Bleuler, 1898-1926 Direktor am Burghölzli, Universitätsprofessor der Eugenik in Zürich, definierte 1911 zum ersten Mal die "Schizophrenie" als Ersatzbegriff für Kraepelins Ausdruck "dementia praecox" (Huonker, S.101). Bleuler forderte, Schizophrene dürften nicht heiraten und sollten sterilisiert werden (Huonker, S.102).

    1914-1918 während des ersten Weltkriegs liess das deutsche Kaiserreich tausende von Psychiatriepatienten systematisch verhungern (Huonker, S.67). Zur selben Zeit war der Vater des Leiters der "Pro Juventute", Ulrich Wille, General der schweizer Armee (Bonjour, Edgar: Geschichte der schweizerischen Neutralität Bd. VII 1970-1975, S.54-55).

    Ab 1919 begann in Zürich eine rigide Eheverbotspolitik (Huonker, S.115), mit Diagnosen wie "Eheunfähigkeit": "Schizophrenie", "Jugendverblödung", "moralischer Schwachsinn", "Haltlosigkeit", "Idiotie", "Imbezillität" (Huonker, S.114), Gefahr "idiotischer" Kinder, Gefahr "verkrüppelter" Kinder, Gefahr "sonst hochgradig minderwertiger Kinder" (Huonker, S.125), "psychisch abnorm", "schlechte Erbmasse", oder "hereditäre [erbliche] Idiotin" (Huonker, S.128). Gleichzeitig entspann sich ein Gutachtenkrieg um die "Ehefähigkeit". Entscheidend war die Diagnose. Ziel war die Sicherung "gesunden" Nachwuchses und die Ausschaltung "kranken" Nachwuchses. Wünsche der Frauen blieben meist unberücksichtigt (Huonker, S.112,128). Bei Befund eines Kriteriums kam es immer zur Sterilisierung oder zum Eheverbot (Huonker, S.114). Im Kanton Zürich, v.a. im Burghölzli, definierten die "Ärzte", wer "geisteskrank" sei und verfügten so die "Eheunfähigkeit" ganz nach ihrem Geschmack. Schon der Verdacht auf "Geisteskrankheit" reichte für Eheverbotsverfahren aus. In seltenen Fällen wurde ein "Mittelweg" beschritten, ein Kind zugelassen, die Sterilisierung vorgenommen und die Ehe bewilligt (Huonker, S.113-115). In Zürich mussten die Betroffenen, die nicht heiraten durften, auch noch die Kosten für das Eheverbotsverfahren bezahlen (Huonker, S.113).

    [Die eugenisch-rassistischen "Psychiater" empfanden sich währenddessen nie als "krank"...]

    Sterilisationen wurden z.T. auch durch "privat praktizierende Mediziner" ohne jede gesetzliche Grundlage vollzogen, z.T. auch in der Zürcher Pflegerinnenschule (Huonker, S.127,128 .
    Auch die Epilepsieklinik in Zürich bekam eine Kinderpsychiatrie. Diagnose war u.a.: Hebephrenie, eine Form der "Jugendverblödung" (Huonker, S.38,114).

    "Therapeutische Kastrationen": Die Schweiz wird weltweit "führend" - Sterilisationspflicht bei Taubheit 1920 gründeten die eugenisch-rassistischen Freundeskreise von Zürich die Klaus-Stiftung. Der Anthropologieprofessor der Universität Zürich, Otto Schlaginhaufen, definierte deren Ziel mit "praktischer Rassenhygiene". Finanziert wurden Reisen, "Forschung" und Publikationen sowie eugenische "Eheberatungsstellen" (Huonker, S.87-88). Das Repertoire der Beschreibung der auszurottenden "Untermenschen" im Zuge des Psychiatrie-Holocaust noch vor der Hitler-Machtübernahme in Deutschland war inzwischen sehr reichhaltig und wurde nicht nur von den namhaften deutschen "Psychiatern" Binding und Hoche verwendet: "Ballastexistenzen"; "Vernichtung lebensunwerten Lebens" (Huonker, S.67), "eugenische Indikation" (Huonker, S.75), "Bevölkerungsentartung" (Huonker, S.76), "Idiovarianten", "Isolaten", "Entartungsherde", "unerwünschte Nachkommenschaft" (Huonker, S.110), "erblich belastete Kinder" (Huonker, S.112), "ererbte üble Eigenschaften" (Huonker, S.158), "sozial brauchbarer Mensch", "querulatorischer Charakter" (Huonker, S.160), "konstitutioneller Psychopath" (Huonker, S.161). Die Sterilisierungs- und Eugenikerszene war in Zürich z.T. Stadtrat und "Arzt" in einem wie z.B. der Gynäkologe Hermann Häberlin, der 1920-1932 gleichzeitig Stadtrat war (Huonker, S.109). Die Schweiz wurde so auch 1920-1933 weltweit führend für "therapeutische Kastrationen" (Huonker, S.153) mit "experimentellen Kastrationen" und Hoden- bzw. Eierstocktransplantationen in Frauen- bzw. Männerkörper, um weibliche bzw. männliche Energien in die jeweils anderen Körper auszutauschen (Huonker, S.155).

    1920-1934 waren an der Frauenklinik Zürich von 1957 Abtreibungen deren 1395 mit einer Sterilisierung verbunden (Huonker, S.127). Sterilisationspflicht galt ab den 1920-er Jahren auch für Gehörlose, weil die rassistische Eugenik-"Wissenschaft" die Züchtung einer "taubstummen Menschenart" befürchtete. In Finnland galt für Taube ein Eheverbot (Huonker, S.83).

    Deutschland sterilisierte nun ebenso, sogar ohne Justiz. Dort reichte ab 1921 der Antrag der Vormundschaft und des Bürgermeisteramts für eine Sterilisierung aus (Huonker, S.68). 1922 bestätigte das Lausanner Bundesgericht das Eheverbot bei "Schwachsinn" und "Hysterie", da dies erbliche Krankheiten seien. Der Kanton Waadt kannte dagegen kein Konkubinatsverbot. Das Bundesgericht stigmatisierte aber die daraus hervorgehenden Kinder als "unehelich" (Huonker, S.111).

    Appelle für gesamt-eidgenössische Euthanasie - Sterilisationen ab 1923 auch in Bern - 1925 Verwahrungsgesetz in Zürich :

    1923 stellte der Berner Stadtarzt und Kantonsrat der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei, Alfred Hauswirth, im Kantonsrat Bern den Antrag, die Ermordung "Geisteskranker" (Euthanasie) in der ganzen Schweiz zuzulassen und "unheilbare Geisteskranke und Idioten" zu töten (Huonker, S.66), mit dem Argument, dies sei im griechischen Sparta auch vollzogen worden. Der Tötungsantrag wurde abgelehnt, ein Sterilisierungsantrag des SP-Vertreters Hurni aber angenommen und ab 1923 in Bern die Sterilisationspraxis eingeführt (Huonker, S.67). 1923, kurz vor Hitlers Putschversuch, wurde Hitler in der Schweiz von Ulrich Wille, dem Stiftungskommissionspräsidenten der "Pro Juventute", in Willes Wohnsitz Villa Schönberg empfangen. Wille liess für Hitlers Putschplan von namhaften Industriellen Spenden sammeln (Huonker, S.38).

    1925 trat im Kanton Zürich das erste Verwahrungsgesetz über die Versorgung von Jugendlichen, Verwahrlosten und Gewohnheitstrinkern in Kraft (Huonker, S.164). Im gleichen Jahr schätzte der Zürcher Psychiater Hans Wolfgang Maier, dass 3,5-4,5% der Menschen "geistig nicht vollwertig" seien.

    (Huonker, S.77; Maier, Hans Wolfgang: Über die Verbreitung und Behandlung der Geisteskranken in der Schweiz. Beitrag zum 50.Jahresbericht des Zürcher Hilfsvereins für Geisteskranke. Zürich 1925, S.15).

    Sterilisation mit Röntgenstrahlen produziert kranke Erbsubstanz - Ziel der Ausrottung der Jenischen und Roma.

    Die Sterilisation durch Röntgenstrahlen hatte dabei katastrophale Folgen wegen des Risikos von Krebs und der Schädigung der Erbsubstanz, wurde aber weiter praktiziert (Huonker, S.126). Somit produzierte die Psychiatrie und Medizin tatsächlich Menschen mit krankem Erbgut. Im selben Jahr verlangte der inzwischen weltweit gelesene Hans W.Maier das Kinder- und Eheverbot für "psychisch Defekte" aus "ethischen Gründen", um "das Institut der Ehe von psychisch Defekten frei zu halten".

    (Huonker, S.112; Maier, Hans Wolfgang: Zum gegenwärtigen Stand der Frage der Kastration und Sterilisation aus psychiatrischer Indikation. Sonderdruck aus: Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie, Berlin, 1925, Band XCVIII, Heft 1/2, S.212).

    1926-1933 führte der Arzt Hans Binder im Basler Frauenspital offiziell 293 Sterilisationen bei Frauen durch (Huonker, S.108). Der Terror gegen Jenische durch die militärisch geführte "Pro Juventute" und das "Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse" dauerte von 1926 bis 1973. Das Ziel der Ausrottung der Jenischen wurde mit dem Begriff "Landplage" propagiert. Ziel sei die "Auflösung". Den jenischen Familien wurden von staatlicher Seite Hunderte von Kindern geraubt (Huonker, S.38). Dasselbe Schicksal erlitten die Roma (Huonker, S.34). All die Massnahmen fruchteten nichts. In Zürich war 1927 die Zahl der Fürsorgefälle mit 14% der Bevölkerung so hoch wie noch nie (Huonker, S.22). Bleuler, immer noch Leiter des Burghölzli, befürwortete Sterilisierung bei "zügellosen Mädchen" und "gelegentlich bei Männern".

    (Huonker, S.69; Bleuler, Eugen: Die ärztlichen Anzeigen für frühe Entlassungen. In: Roemer, H./Kolb G./ Faltlhauser V.: Die offene Fürsorge in der Psychiatrie und ihren Grenzgebieten. Berlin 1927, S.148).



    II.

    Naturrecht der Diaspora & Populationsgenetik und molekularer Genetik in unserer Wissensgesellschaft :-

    Mit der Zuspitzung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Krisen geht in den meisten Ländern dieser Welt eine Ethnisierung sozialer Konflikte einher. Dabei geht es vor allem um die Verwandlung sozialer oder kultureller Unterscheidungsmerkmale in herkunftsbezogene. Ethnisch-kulturelle Gruppenzugehörigkeiten werden aktiviert oder willkürlich konstruiert, um sich Vorteile im Verteilungskampf zu verschaffen. Der Prozeß der Fremdethnisierung geschieht dabei vorrangig durch Angehörige der Mehrheitsgesellschaft. Aber auch manche Angehörige von Minderheiten spielen auf der Klaviatur der Ethnisierung, um ihre Position im Verteilungskampf zu verbessern (z.B. gegenüber Flüchtlingen).

    Seit der griechischen Antike ist jeder Mensch nach dem Naturrecht von Natur aus mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet – unabhängig von Geschlecht, Alter, Ort, Staatszugehörigkeit oder der Zeit und der Staatsform, in der er lebt. Dazu gehören das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit oder das Recht auf persönliche Freiheit. Die Naturrechte werden demnach als vor- und überstaatliche ewige Rechte angesehen.

    Die Unterscheidung von Menschenrassen hat sich als in sich homogener und klar gegeneinander abgrenzbarer Populationen aufgrund jüngster Fortschritte der Molekularbiologie und der Populationsgenetik als unhaltbar erwiesen. Die genetische Vielfalt der Menschheit sei nur gradueller Natur und lasse keine größeren Diskontinuitäten erkennen. Daher sei jeder typologische Ansatz zur Unterteilung der Menschheit ungeeignet. Des Weiteren seien die erblichen Unterschiede zwischen verschiedenen Menschengruppen nur gering im Vergleich zur Varianz innerhalb dieser Gruppen. Aufgrund äußerlicher Unterschiede, die nur Anpassungen an verschiedene Umweltbedingungen seien, grundlegende genetische Unterschiede anzunehmen, sei ein Trugschluss.

    Populationsgenetische Studien ergaben, dass etwa 85% der genetischen Variation innerhalb solcher Populationen wie der Franzosen oder der Japaner zu finden sind. Dagegen sind die genetischen Unterschiede zwischen den traditionell aufgrund der Hautfarbe unterschiedenen Rassen mit etwa 6 bis 10% vergleichsweise gering. Hinzu kommt, dass auch diese vermeintlich rassenspezifischen Unterschiede bei genauerer Untersuchung der geographischen Verbreitung keine klaren Grenzen erkennen lassen. Die Übergänge zwischen den „Rassen“ sind (mit Ausnahme der australischen Aborigines) fließend. Diese empirischen Befunde, die durch Fortschritte bei der Sequenzierung von DNA und Proteinen ermöglicht wurden, führten dazu, dass heute die große Mehrheit der Anthropologen eine Aufteilung der Menschheit in Rassen ablehnt.

    Die Revolution in unserem Denken über Populationsgenetik und molekularer Genetik hat zu einer Explosion des Wissens über Lebewesen geführt. Zu den Vorstellungen, die sich tiefgreifend gewandelt haben, gehören die Konzepte zur Variation des Menschen. Das Konzept der "Rasse", das aus der Vergangenheit in das 20. Jahrtausend übernommen wurde, ist völlig obsolet geworden. Dessen ungeachtet ist dieses Konzept dazu benutzt worden, gänzlich unannehmbare Verletzungen der Menschenrechte zu rechtfertigen. Ein wichtiger Schritt, einem solchen Missbrauch genetischer Argumente vorzubeugen, besteht darin, das überholte Konzept der "Rasse" durch Vorstellungen und Schlussfolgerungen zu ersetzen, die auf einem gültigen Verständnis genetischer Variationen beruhen, das für menschliche Populationen angemessen ist. "Rassen" des Menschen werden traditionell als genetisch einheitlich, aber untereinander verschieden angesehen. Diese Definition wurde entwickelt, um menschliche Vielfalt zu beschreiben, wie sie beispielsweise mit verschiedenen geographischen Orten verbunden ist. Neue, auf den Methoden der molekularen Genetik und mathematischen Modellen der Populationsgenetik beruhende Fortschritte der modernen Biologie zeigen jedoch, dass diese Definition völlig unangemessen ist. Die neuen wissenschaftlichen Befunde stützen nicht die frühere Auffassung, dass menschliche Populationen in getrennte "Rassen" wie "Afrikaner", "Eurasier" (einschließlich eingeborener Amerikaner) oder irgendeine größere Anzahl von Untergruppen klassifiziert werden könnten.

    Im einzelnen können zwischen den menschlichen Populationen, einschließlich kleineren Gruppen, genetische Unterschiede festgestellt werden. Diese Unterschiede vergrößern sich im allgemeinen mit der geographischen Entfernung, doch die grundlegende genetische Variation zwischen Populationen ist viel weniger ausgeprägt. Das bedeutet, dass die genetische Diversität beim Menschen gleitend ist und keine größere Diskontinuität zwischen den Populationen anzeigt. Befunde, die diese Schlussfolgerungen stützen, widersprechen der traditionellen Klassifikation in "Rassen" und machen jedes typologische Vorgehen völlig unangemessen. Darüber hinaus hat die Analyse von Genen, die in verschiedenen Versionen (Allelen) auftreten, gezeigt, dass die genetische Variation zwischen den Individuen innerhalb jeder Gruppe groß ist, während im Vergleich dazu die Variation zwischen den Gruppen verhältnismäßig klein ist.

    Es ist leicht, zwischen Menschen aus verschiedenen Teilen der Erde Unterschiede in der äußeren Erscheinung (Hautfarbe, Morphologie des Körpers und des Gesichts, Pigmentierung etc.) zu erkennen, aber die zugrundeliegende genetische Variation selbst ist viel weniger ausgepägt. Obwohl es angesichts der auffälligen genetisch determinierten morphologischen Unterschiede paradox erscheint, sind die genetischen Variationen in den zugrundeliegenden physiologischen Eigenschaften und Funktionen sehr gering, wenn Populationsdurchschnitte betrachtet werden. Mit anderen Worten: die Wahrnehmung von morphologischen Unterschieden kann uns irrtümlicherweise verleiten, von diesen auf wesentliche genetische Unterschiede zu schließen. Befunde deuten darauf hin, dass es im Verlauf der Evolution des modernen Menschen relativ wendig Veränderungen in der genetischen Grundausstattung der Population gegeben hat. Die molekularen Analysen von Genen legen außerdem sehr nahe, dass der moderne Mensch sich erst vor kurzer Zeit in die bewohnbaren Gebiete der Erde ausgebreitet hat und an diesem Prozess während einer relativ kurzen Zeitspanne an sehr unterschiedliche und zuweilen extreme Umweltbedingungen angepasst worden ist (z. B. an rauhes Klima). Die Notwendigkeit der Anpassung an extreme unterschiedliche Umweltbedingungen hat nur in einer kleinen Untergruppe von Genen, die die Empfindlichkeit gegenüber Umweltfaktoren betrifft, Veränderungen bewirkt. Es ist wert zu erwähnen, dass die Anpassungen als Antwort auf Umweltbedingungen größtenteils historisch zu verstehen sind und keine Konsequenzen für das Leben in der modernen Zivilisation haben. Nichtsdestoweniger werden sie von einigen so ausgelegt, als spiegelten sie wesentliche Unterschiede zwischen Menschengruppen wider, wodurch sie zum Konzept der "Rassen" beitragen.

    Nach wissenschaftlichem Verständnis ist die Einteilung von Menschen anhand der Verteilung von genetisch determinierten Faktoren daher einseitig und fördert das Hervorbringen endloser Listen von willkürlichen und missleitenden sozialen Wahrnehmungen und Vorstellungen. Darüber hinaus gibt es keine überzeugenden Belege für "rassische" Verschiedenheit hinsichtlich Intelligenz, emotionaler, motivationaler oder anderer psychologischer und das Verhalten betreffender Eigenschaften, die unabhängig von kulturellen Faktoren sind. Es ist allgemein bekannt, dass bestimmte genetisch bedingte Merkmale, die in einer Lebenssituation nützlich sind, in einer anderen nachteilig sein können.

    Es ist falsch zu behaupten, dass menschliche Populationen sich in genetisch bedingten Merkmalen von sozialem Wert unterscheiden, so dass bestimmte Gruppen gegenüber anderen höherwertig oder minderwertig sind.
    Es gibt keinen wissenschaftlichen Grund, den Begriff "Rasse" weiterhin zu verwenden. !!!!!!


    Die Schizophrenie , Rassenlehren , Naturrecht der Diaspora & Populationsgenetik in den Welt-Finanzkrisen !

    Schizophrenia, race theories, natural law and the diaspora population genetics in the world financial crisis. !

    Schizophrénie, théories de la race, la loi naturelle et la génétique des populations diaspora dans la crise financière mondiale.!

    Schizofreni, ras teorier, naturliga lagen och diasporan populationsgenetik i världen !


    Literatur:-

    1. DIE HÖLLE IST DA - und alle schauen zu ; 3. Der Psychiatrie-Holocaust der "zivilisierten" Welt mit Vorreiter Schweiz ; Sterilisierungen und Euthanasie in Zürich ; von Michael Palomino (2002 / 2008 / 2010) ;

    2.Thomas Huonker: "Anstaltseinweisungen, Kindswegnahmen, Eheverbote, Sterilisationen, Kastrationen. Fürsorge, Zwangsmassnahmen, "Eugenik" und Psychiatrie in Zürich zwischen 1890 und 1970." Sozialdepartement der Stadt Zürich, Departementssekretariat, Postfach, 8026 Zürich; Edition Sozialpolitik Nr. 7, Sozialberichterstattung 2002 ;

    3. - Elazar Barkan: The Retreat of Scientific Racism. Changing Concepts of Race in Britain and the United States. CUP, Cambridge 2000 ;
    4. - Luigi Luca Cavalli-Sforza, Francesco Cavalli-Sforza: Verschieden und doch gleich. Ein Genetiker entzieht dem Rassismus die Grundlage ("Chi siamo"). Knaur, München 1996 ;

    5.- U. Kattmann, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg und H. Seidler, Institut für Humanologie, Wien. : "Die Brücke", Heft 1997/2 Seite 23f. ;

    6.- Rest der Literatur beim Verfasser


    Mit freundlichen kollegialen Grüßen

    Ihr

    Nabil DEEB
    Arzt – Physician – Doctor
    PMI-Ärzteverein e.V.
    Palästinamedico International Ärzteverein – ( P M I ) e.V.
    Department of Medical Research
    Département de la recherche médicale
    P.O. Box 20 10 53
    53140 Bonn – Bad Godesberg / GERMANY

    &

    Nabil DEEB
    Arzt – Physician – Doctor
    PMI-Ärzteverein e.V.
    Palästinamedico International Ärzteverein – ( P M I ) e.V.
    Department of Medical Research
    Département de la recherche médicale
    P.O. Box 10 01 35
    53439 Bad Neuenahr / GERMANY

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