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© Ambra Duda (API)
Prim. Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek
 

Der Mensch rückt in den Mittelpunkt

Tagung zur Suchtbehandlung

Psychisch Kranke verfügen über Ressourcen, von deren Aktivierung der Erfolg einer Behandlung abhängt. – Um diese Sichtweise kreisten die Eröffnungsreden des vom Anton-Proksch-Institut veranstalteten Symposiums „Der Mensch im Mittelpunkt der Suchtbehandlung“.

„Sucht ist kein Randproblem“, erklärte Gesundheitsminister Alois Stöger, diplômé. Trotzdem sind psychische Erkrankungen nach wie vor meist mit einem Stigma behaftet. „An der Stigmatisierung einer Erkrankung leiden aber auch immer jene, die in diesem Bereich tätig sind“, bemerkte die Wiener Gesundheitsstadträtin Mag. Sonja Wehsely. Ein Grund mehr, den Menschen in seiner Gesamtheit wahrzunehmen und zu thematisieren – zentrales Anliegen des vom Anton-Proksch Institut veranstalteten Symposiums am 29. und 30. Jänner.

„Law and Order“ produziert lediglich Kriminelle

„Sucht wird es immer geben. Sucht hat es immer gegeben“, so Prim Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek, Leiter des Anton-Proksch-Institutes. Mit „Law and Order“ könnten lediglich Kriminelle produziert, aber nichts Sinnvolles erreicht werden.

Dazu sind Hilfestellungen nötig, ein Schritt in Richtung Rehabilitation und Reintegration. Denn der Leidensweg der Suchtkranken beginnt oft erst dort, wo sie zwar gesund sind, aber niemand sie braucht. Musalek: „Die Ressourcen des Einzelnen müssen in Diagnostik und Therapie einfließen.“ Der Psychiater plädierte deshalb für einen Paradigmenwechsel im Umgang mit Abhängigen und dafür, dass der Mensch in seiner Gesamtheit wieder ins Blickfeld gerückt wird. Denn die Entwicklung der evidenzbasierten Medizin sei prinzipiell gut, würde aber auch Nachteile mit sich bringen: „Sie wurde nicht ganz zu Unrecht als Korsett-Medizin bezeichnet, die den Handlungsspielraum des Einzelnen einschränkt.“ Zudem seien die Fortschritte in Teilbereichen zwar sehr groß gewesen, aber dabei „ist uns der Mensch ein bisschen aus dem Blickfeld geraten. Und der Mensch ist wesentlich mehr als nur die Summer aller Teilfunktionen“, so Musalek.

Blick auf die Ressourcen

Auch Dr. Rolander Mader, Psychiater am Anton-Proksch-Institut betonte: „Der Mensch besteht nicht nur aus seinen kranken Anteilen, sonder auch aus seinen gesunden Anteilen. Diese sind auch wichtig für den Therapieerfolg.“ Denn je besser es einem Therapeuten gelingt Ressourcen – und dazu zählen persönliche Kraftquellen wie Ziele, Wünsche, Überzeugungen, Werthaltungen, Talente, Bildung, religiöse Überzeugungen etc. – zu erfassen und in die Behandlung zu integrieren, umso größer ist auch der Therapieerfolg.

Quelle: „Der Mensch im Mittelpunkt der Suchtbehandlung. Paradigmenwechsel in Beratung, Behandlung, Rehabilitation und (Re-)Integration“, 29. Jänner 2010, Palais Ferstel, Wien

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