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Ao. Univ.-Prof. Dr. G. Paul Amminger
 

Die vielen Qualitäten des Fischöls

Präventionserfolge bei Jugendlichen mit psychotischen Symptomen

Eine Behandlung mit Fischöl senkte bei jugendlichen Hochrisikopatienten die Wahrscheinlichkeit an einer Psychose zu erkranken um etwa 25 Prozent. Die von Ao. Univ.-Prof. Dr. G. Paul Amminger an der Abteilung für Kinder und Jugendpsychiatrie der MedUni Wien durchgeführte Studie ist ein Meilenstein der indizierten Präventions- und Frühinterventionsforschung. Die Ergebnisse wurden Anfang Februar in den Archives of General Psychiatry publiziert.

Psychotische Erkrankungen betreffen zumindest zwei bis drei Prozent der Bevölkerung. Sie treten meist beim Jugendlichen oder jungen Erwachsenen erstmals auf, verlaufen dann aber oft chronisch und haben schwerwiegende Auswirkungen auf die Betroffenen und ihre Familien. Präventive Behandlungsansätze sind dennoch wenig erforscht. Dabei gibt es Vorzeichen, die es ermöglichen, Patienten mit einem hohen Risiko für psychotische Störungen zu identifizieren. Eine Psychose tritt nämlich nur ganz selten plötzlich und „wie aus dem Nichts“ auf. In den meisten Fällen bestehen bereits über Wochen bis Jahre Symptome in abgeschwächter Form.

Während dieser so genannten „Prodromalphase“, in der sich bereits krankheitstypische hirnstrukturelle Veränderungen ausbilden können, setzt die Forschungsarbeit von Ao. Univ.-Prof. Dr. G. Paul Amminger an. In einer randomisierten, plazebo-kontrollierten Doppelblindstudie mit jugendlichen Hochrisikopersonen an der Wiener Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie stellten er und seine Mitarbeiter fest, dass die Gabe von Fischölkapseln mit mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren das Risiko, an einer Psychose zu erkranken, über den Zeitraum eines Jahres um etwa 25 Prozent senkte. Es besserten sich auch die Krankheitssymptome und Funktionseinschränkungen im Alltag signifikant und damit in einem Ausmaß, das für die Patienten spürbar war. Die Effekte der Fettsäuren auf das Fortschreiten der Psychose dürften auf Veränderungen an den Zellmembranen und damit verbundene Einflüsse auf Neurotransmittersysteme im Gehirn zurückzuführen sein.

„Die Erkenntnis, dass die Behandlung mit einer natürlichen Substanz den Ausbruch psychotischer Störungen verzögern oder sogar verhindern kann, gibt uns Hoffnung auf neue Behandlungsmöglichkeiten“, meint Amminger. „Während die Fischöl-Kapseln keine klinisch relevanten Nebenwirkungen zeigen, beobachtet man bei Antipsychotikagabe Stoffwechselveränderungen, sexuelle Dysfunktionen und Gewichtszunahme.“ Eine große internationale, multizentrische Studie soll die Ergebnisse nun bestätigen.

Details zur Studie

In der Untersuchung wurden 41 Probanden angewiesen, über zwölf Wochen Fischölkapseln mit 1,2 Gramm mehrfach ungesättigter Omega-3-Fettsäuren einzunehmen. 40 Probanden der Kontrollgruppe nahmen Plazebo ein. Alle Teilnehmer zählten aufgrund ihrer leichten psychotischen Symptome oder ihrer Familiengeschichte mit psychotischen Erkrankungen zu einer Gruppe mit hohem Risiko, an einer Psychose zu erkranken. Im Laufe des einjährigen Beobachtungszeitraums der Studie erkrankten schließlich nur 4,9 Prozent der Omega-3-Gruppe am Vollbild einer psychotischen Störung, dagegen entwickelten aber 27,5 Prozent der Kontrollgruppe eine Psychose.

Prävention in der Psychiatrie

Die Idee von Früherkennung und Frühintervention ist in der Medizin nicht neu. Für den Bereich der Psychiatrie ist sie aber noch wenig erforscht. Die Gruppe um Amminger hofft nun, dass die Ergebnisse dieser Studie dazu beitragen, dies zu ändern. Eine weitere Hoffnung der Gruppe ist es, andere Forscher dazu anzuregen, Omega-3-Fettsäuren bei anderen psychiatrischen Erkrankungen zu untersuchen. Das erscheint besonders im Hinblick auf die kontroversielle Diskussion zum Einsatz von Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen wichtig.

Quelle: Pressemitteilung der Medizinischen Universiät Wien

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