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Polypharmazie als Resultat einer Diagnoseunsicherheit – ein Fallbericht

Eine eindeutige Diagnosestellung ist im klinischen psychiatrischen Alltag größte Herausforderung für die bestmögliche Therapie. In der Realität führt jedoch symptomorientiertes Handeln häufig zu Polypharmazie. Das möchten wir anhand eines Fallbeispiels eines jungen Mannes, der bei unterschiedlichen Diagnosen 25 verschiedene Psychopharmaka verordnet bekommen hat, verdeutlichen. Herr A. zeigte in seiner Jugend Verhaltensauffälligkeiten, unternahm mehrere Suizidversuche, entwickelte neben Auffälligkeiten im Affekt eine produktive Symptomatik. Er erhielt die Diagnosen Borderlinestörung, narzisstische Persönlichkeitsstörung, wahnhafte Störung, Belastungsstörung, Alkoholabhängigkeit und schizoaffektive Störung. Durch die Überarbeitung der Längsschnittanamnese konnten wir schließlich eine Schizophrenie diagnostizieren. Nach einer Therapieregimevereinfachung wurde der Patient mit einer antipsychotischen Monotherapie (Sertindol) in Kombination mit einem Antidepressivum (Bupropion) in euthymer Stimmungslage ohne psychotische Symptome entlassen. Eine unsichere Diagnosestellung kann einer erfolgreichen Therapie abträglich sein. Von Polypharmazie sollte zur Vermeidung von Nebenwirkungen, erhöhtem Risiko für Interaktionen, höhere Gesamtdosis an Psychopharmaka und die damit verbundenen Kosten abgesehen werden.

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