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Foto: schemmi / PIXELIO
 

Direkter Blickkontakt verändert die Emotion

Blick des Gegenübers beeinflusst das Denken.

Es macht einen deutlichen Unterschied, ob man von einer Person direkt angesehen wird oder ob diese einen Dritten anblickt. Dass diese aus der Alltagswahrnehmung bekannte Tatsache auch im Gehirn feststellbar ist, hat Dr. Leonhard Schilbach, Universitätsklinikum Köln, gezeigt. Seine Forschung wurde mit dem Promotionspreis der Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) ausgezeichnet.

 

Schilbach unterscheidet bei sozialen Begegnungen zwischen zwei Grundformen. Zum einen der Blick aus der Beobachterperspektive auf die Begegnung anderer, an der man selbst nicht teilnimmt, und zum anderen die „Zweiten-Person-Perspektive“, bei der man hingegen direkt involviert ist und eine soziale Interaktion als Teilnehmer erfährt. Der Mediziner überprüfte, inwiefern diese beiden Perspektiven neurobiologisch unterschiedlich verarbeitet werden.

In mehreren Experimenten zeigte er dazu seinen Versuchspersonen kurze Videos, die virtuelle, menschenähnliche Charaktere mit sich verändernden Gesichtsausdrücken zeigten. Diese sahen dem Betrachter manchmal direkt in die Augen, manchmal in Richtung einer anderen Person. Gleichzeitig beobachtete man die Gesichtsmuskeln, die Augenbewegungen der Probanden oder auch deren Gehirndurchblutung per funktioneller MRT.

Nur direkter Blick berührt

Sah die virtuelle Figur dem Betrachter in die Augen, aktivierte dies mit der Inselrinde, der Amygdala und dem orbito-frontalem Kortex Gehirnregionen, die Emotionen verarbeiten. Gleichzeitig waren die Gesichtsmuskeln aktiv und ahmten unwillkürlich die Mimik des Blickpartners nach, entsprechend dem Phänomen der sozialen Ansteckung. Besonders bei warmen, freundlichen Emotionssignalen wie etwa Lächeln war dies der Fall. Uneindeutige Emotionen kurbelten das Hirn auf ganz andere Weise auf Hochtouren. „Wird man direkt angesehen, löst dies oft Gedanken darüber aus, was der Gesichtsausdruck des anderen wohl bedeutet“, berichtet Schilbach. War der Blick des gezeigten Agenten hingegen an eine andere Person gerichtet, reagierte der Parallellappen des Gehirns, der unter anderem für räumliche Denkprozesse zuständig ist.

Als „interessant“ wertet Schilbach die Tatsache, dass anthropomorphe, virtuelle Charaktere im Gehirn Zustände auslösen konnten, die denen von realen Personen sehr nahe kamen. Dies könne erklären, warum so viele Menschen bestimmte Medienformate wie etwa in Second Life ansprechend finden, so der Mediziner. Allerdings legt die Forschung auch nahe, dass es bedeutsame Unterschiede zwischen Medien-vermittelter und direkt-persönlicher Interaktion gibt, die auch bei therapeutischen Settings zum Tragen kommen.

 

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