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Foto: Gregor Zeitler
MR Dr. Walter Dorner Präsident der Ärztekammer für Wien
 

Der ganz normale Stress

Anhaltender Druck ist heute oft die Norm. In der Arbeit können jedoch bereits kurze Pausen entlasten.

Bereits jeder vierte Österreicher leidet an einer Erkrankung wie Depression, Angststörung oder Schizophrenie. Deshalb warnt die Präventionskampagne der Ärztekammer für Wien 2010 vor dem Vormarsch psychischer Erkrankungen. Besonderes Augenmerk widmet die Initiative dabei dem Burn-Out, von dem aktuell immerhin rund 500.000 Österreicher betroffen sind. Aufgrund der Wirtschaftskrise könnte diese Zahl sogar noch steigen.

 

Laut der Weltgesundheitsorganisation werden Depressionen bis 2015 auf Platz zwei der häufigsten Erkrankungen vorrücken. Noch bleiben viele Behandlungsbedürftige unentdeckt: Von angenommenen 400.000 Depressionen werden in Österreich momentan nur etwa 30 bis 35 Prozent auch tatsächlich diagnostiziert.

Dabei leiden Menschen mit psychischen Erkrankungen in mehrfacher Hinsicht, denn auch der Körper leidet mit: Psychisch Kranke neigen verstärkt zu körperlichen Erkrankungen und haben dadurch ein erhöhtes Risiko, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, sozial isoliert zu werden und in finanzielle Notlagen zu geraten.

Vorsorge als beste Behandlung

Weil psychische Erkrankungen immer noch gesellschaftlich stigmatisiert sind, „benötigen die Patienten gerade in diesen Zeiten unsere Hilfe“, erklärt der Präsident der Ärztekammer, MR Dr. Walter Dorner. Ein Folder der Ärztekammer („Spüren. Wahrnehmen. Auf die Psyche achten.“) soll deshalb die Bevölkerung auf psychische Probleme aufmerksam machen und Angehörigen eine Hilfestellung bieten. Denn auch wenn „für die meisten von uns die berufliche Tätigkeit einen wichtigen Stellenwert einnimmt, gilt doch für uns alle: Arbeit darf uns nicht krank machen. – Es kann nicht sein, dass nur der Leistungsdruck zählt“, so Dorner

Wer überprüfen möchte, ob er selbst von einem Burn-Out betroffen ist, findet in der Ärztekammer-Broschüre eine Checkliste mit 15 Aussagen wie „Es fällt mir schwer, morgens zur Arbeit zu gehen“ oder „Ich fühle mich körperlich ausgelaugt“. Wer die Fragen überwiegend mit „Ja“ beantwortet, sollte sich einem Experten anvertrauen. Die Ärztekammer empfiehlt zunächst einen Besuch beim Hausarzt.

Das Eingeständnis, Hilfe zu benötigen, ist ein wichtiger erster Schritt, der oft zu spät gesetzt wird. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Betroffene mit ersten Burn-Out-Warnsignalen etwa sechs bis zwölf Monate benötigen, bevor sie zum ersten Mal einen Arzt aufsuchen und eine Behandlung beginnen“, erklärt Dr. Lisa Tomaschek-Habrina, Psychotherapeutin am Institut für Burn-Out und Stressmanagement.

 

Quelle: Pressekonferenz der Ärztekammer für Wien „Gesund durch Vorsorge: Ärztekammer warnt vor Vormarsch psychischer Erkrankungen“, 13. 1. 2010, Wien.

 

 Service der Ärztekammer: Auf www.praxisplan.at finden Sie Ärzte, die auf psychische Erkrankungen spezialisiert sind.

 

 

Von Mag. Tanja Fabsits, Ärzte Woche 3 /2010

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