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Für Teilnehmer eines psychoedukativen Trainingsprogammes ist der Austausch mit anderen Betroffenen besonders hilfreich.

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Ao. Univ.-Prof. Dr. Christian Simhandl

 

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Dr. Andrea Viktoria Lang

 

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Patientenverlaufskalender, die die Achtsamkeit gegenüber dem eigenen psychischen und körperlichen Empfinden fördern, gibt es in Papierform oder fürs Handy.

 
Psychiatrie und Psychotherapie 28. September 2009

Psychoedukation – zusammen weniger allein

Neue Therapieansätze bei bipolaren Depressionen

Zusammenfassung: Das Anbieten psychoedukativer Trainingsprogramme ist State-of-the-Art der medizinisch-therapeutischen Behandlung von Menschen mit psychischen Störungen. Psychoedukation sollte gleich zu Beginn der psychischen Erkrankung erfolgen und auch den Angehörigen oder nahen Bezugspersonen ermöglicht werden. Erwiesenermaßen ist eine Kombination aus Medikamenten und den Gruppenangeboten Psychoedukation sowie Selbsthilfe am erfolgversprechendsten für den Krankheitsverlauf. Durch psychoedukative Trainingsprogramme wird nicht nur die Lebensqualität der Patienten gefördert, sondern auch das Wissen um die Erkrankung und ihre Früherkennung. Die Patienten lernen in der Psychoedukation wie sie bei einer drohenden Wiedererkrankung reagieren müssen, um diese rasch abzufangen. Die Wichtigkeit der verschiedenen psychoedukativen Trainingsprogramme für einen günstigen Krankheitsverlauf wurde in zahlreichen Studien untersucht und immer wieder bestätigt.

Summary: It is state-of-the-art that the medical-therapeutic treatment of mental illness has to also include a psychoeducative program. Psychoeducation should already be offered at the beginning of the illness and should also be provided to family members or close friends. It is evident, that a combination of medical treatment and group offers like psychoeducation as well as self-help is most suitable for a favourable outcome of the therapy. Psychoeducation does not only advance the quality of life of the patients, but also improves the knowledge about the illness and early recognition of relapses. Via psychoeducation the patients learn how to react in case of impending reoccurrence of the illness. The importance of the varying psychoeducational therapy-offers for a favourable course of the illness has been worked out in numerous studies and has been confirmed over and over.

Information an erster Stelle

Aufklärung und Information über die psychische Erkrankung sind zentrales Anliegen psychoedukativer Trainingsprogramme für psychisch kranke Menschen. Betroffene, wie auch deren Angehörige, werden über die Symptomatik der jeweiligen Erkrankung, die Ursachen, den Verlauf und die Behandlungsmöglichkeiten informiert. Im Rahmen der psychoedukativen Angebote erhalten die Gruppenteilnehmer aber nicht nur die speziellen Informationen zur Erkrankung, sondern es werden auch psychotherapeutische Maßnahmen durchgeführt. Es werden Elemente und Wissen aus anderen psychotherapeutischen Techniken, wie zum Beispiel der interpersonellen und sozialen Rhythmustherapie (IPSRT) nach Frank et al. (2005), verwendet. Psychoedukation basiert auf einem verhaltenstherapeutischen Konzept mit klarer Struktur bezüglich des zeitlichen Aufwands und der Inhalte.

Edukative Trainingsprogramme wurden auch für somatisch Erkrankte, wie zum Beispiel Diabetiker oder an einer Hypertonie leidende Menschen, entwickelt. Ursprünglich wurde die Psychoedukation im psychiatrischen Bereich speziell für Menschen aus dem schizophrenen Formenkreis konzipiert. Es wurden für verschiedenste psychische Erkrankungen bereits psychoedukative Trainingsprogramme entwickelt – wie etwa für Menschen mit Depressionen, Panikattacken oder bipolare affektive Störungen. In der Psychiatrie wurde die Psychoedukation zu allererst bei schizophren erkrankten Menschen geprüft. Die gemessenen Erfolge in Bezug auf den Krankheitsverlauf sind deutlich (Bäuml et al., 1993).

Zur Verbesserung der Qualität von Rehabilitationsmaßnahmen in der Sozialpsychiatrie wurden verschiedenste psychoedukative Therapie- beziehungsweise Trainingsprogramme für psychisch kranke Menschen und deren Angehörige entwickelt. Obwohl Inhalte, Struktur und Intensität der Angebote recht unterschiedlich sein können (Dixon & Lehmann, 1995, Penn & Mueser, 1996), stehen immer die Wissensvermittlung über und der Umgang mit der Erkrankung im Vordergrund (Lewandowski & Buchkremer, 1988, Hahlweg et al., 1989). Die Behandlung umfasst sowohl edukative als auch verhaltenstherapeutische Elemente mit dem Ziel, die Rückfallrate zu verringern.

Eine Metaanalyse über 38 Interventionsstudien von Pitschel-Walz (1997) ergab, dass bei einem bifokalen Behandlungsansatz, das heißt es wird ein psychoedukatives Trainingsprogramm sowohl von den Betroffenen als auch von den Angehörigen oder wichtigen Bezugspersonen besucht, in Kombination mit einer rezidivprophylaktischen neuroleptischen Therapie die Rückfallraten schizophrener Patienten am geringsten sind. Wurden die Interventionen nur den Angehörigen angeboten, konnten die Rückfallraten der Patienten nicht so eindeutig gesenkt werden (Buchkremer et al., 1995, Voughan et. al., 1992).

Hornung et al. (1995) verglichen Patienten, die ein Therapieangebot erhielten – das aus einem psychoedukativen Medikamententraining, kognitiver Psychotherapie und einer Bezugspersonengruppe bestand – mit einer Kontrollgruppe, die nur neuroleptisch behandelt wurde. Die Ergebnisse dieser Studie waren zwar positiv, jedoch erreichten die Vergleiche mit der Kontrollgruppe nicht das Signifikanzniveau. Die Autoren fanden eine Verbesserung der Rehospitalisierungsrate wie auch der Psychopathologie und der Medikamentencompliance. Jedoch waren weder beim Einjahres- noch beim Zweijahres-Follow-up die Unterschiede zur Kontrollgruppe signifikant (Buchkremer et al., 1997).

Ab 1978 / 79 wurde die Wiener Versorgungsstruktur im Sinne einer flächendeckenden, regionalisierten Gesamtversorgung verändert mit dem Ziel, die Bet tenanzahl der beiden Großkrankenhäuser zu reduzieren. Bei einem Vergleich der Jahre 1978 und 1988 konnte festgestellt werden, dass sich die Anzahl der Spitalspatienten um 70,5 Prozent reduziert hat (Rudas 1990). Einer der Betreuungsschwerpunkte des Psychosozialen Dienstes (PSD) in Wien ist die Rehabilitation schizophren und schizoaffektiv Erkrankter. Zur Erweiterung des Behandlungsangebotes des PSD und um die Wirksamkeit eines kurzen, strukturierten Trainingsprogramms bei Patienten und deren Angehörigen in einem ambulanten Setting zu analysieren, wurde eine kontrollierte Interventionsstudie durchgeführt (Lang, 1989).

Von allen eingeschlossenen 56 Patienten besuchte genau die Hälfte das Therapieprogramm und erhielt zusätzlich, wie auch die 28 Patienten der Kontrollgruppe, die ambulante Standardbehandlung. Die Kontrollgruppe wurde parallel zur Therapiegruppe im Hinblick auf Krankheitsverlauf, Compliance, Krankheitskonzept sowie Krankheitseinsicht vor und nach dem psychoedukativen Trainingsprogramm befragt . Die insgesamt acht Sitzungen fanden sowohl in den Angehörigen- als auch den Patientengruppen zweiwöchentlich statt. Wie wichtig es ist psychoedukative Trainingsprogramme in den Routinebetrieb zu integrieren wurde auch hier deutlich. Eine Analyse ergab, dass den Teilnehmenden, neben dem Informationsgewinn und dem Erlernen neuer Copingstrategien zur kompetenteren Bewältigung krankheitsbedingter Probleme, der Austausch mit den anderen Betroffenen besonders hilfreich war. Durch das bifokale Angebot, nämlich für Patienten als auch deren Angehörige, wurde in der Familie das offene An-beziehungsweise Aussprechen krankheitsbedingter Schwierigkeiten gefördert. Die Evaluation der verschiedenen Befragungen wurde nicht veröffentlicht, jedoch allein aufgrund der Aussagen der Teilnehmenden wurde deutlich, wie wichtig es ist, Psychoedukation in die psychiatrische Routineversorgung zu implementieren (Lang, 1989). Neben den positiven Auswirkungen von psychoedukativen Trainingsprogrammen auf den Krankheitsverlauf und die Compliance wird in der Literatur berichtet, dass auch die „Expressed Emotion“ in Familien gesenkt (Leff et al., 1982; Rund et al., 1994), das Krankheitskonzept der Patienten verändert (Tarrier & Barrowclough, 1986; Berkowitz et al., 1990; Hornung et al., 1993; 1995; Xiang et al., 1994), das Wissen über die psychische Erkrankung erhöht (Leff et al., 1982 Barrowclough et al., 1987; Smith & Birchwood, 1987; Berkowitz et al., 1984; 1990; Xiang et al., 1994) und somit die Sicherheit im Umgang mit der Krankheit eindeutig verbessert wird (Hornung et al., 1993; Smith & Birchwood, 1987).

Es ist laut Buchkremer et al. (1997) sowohl bei Angehörigen als auch bei Patienten sehr wichtig, bereits vor Beginn der Psychoedukations-Sitzungen Motivationsarbeit zur Teilnahme zu leisten. Nicht motivierte Angehörige und Patienten lehnen sonst die Psychoedukation von vornherein ab oder beenden die Therapie frühzeitig, so Buchkremer et al. (1997). Laut Rund et al. (1994) ist für die Effektivität der Psychoedukation entscheidend, ob die Angehörigen beziehungsweise Bezugspersonen kooperieren und fähig sind, die emotionelle Einstellung in Richtung Patienten zu ändern. Die Psychoedukation soll möglichst früh im Krankheitsverlauf beginnen, weil dann das Krankheitskonzept der Betroffenen noch nicht so lange existiert beziehungsweise ausgeprägt ist und somit weitaus nachhaltiger verändert werden kann (Tarrier & Barrowclough, 1986, Barrowclough et al., 1987).

Eine Untersuchung mit einem psychoedukativen Angebot jüngeren Datums wurde von Sibitz et al. im Jahr 2006 publiziert. Die Autoren fanden, dass bei Patienten mit Psychoseerfahrung (Schizophrenie, schizoaffektive Störung) mit einem neunwöchigen Seminar mit dem Titel „Wissen-genießen-besser leben“ in folgenden Bereichen signifikante Verbesserungen erreicht werden konnten: Krankheitswissen, Lebensqualität, Kompetenz- und Kontrollüberzeugungen und Krankheitskonzept.

Die Fragen nach der Mindestdauer des Angebotes und der Intensität der Inanspruchnahme von edukativen Therapieprogrammen im Hinblick auf die Wirksamkeit ist schwierig und nicht eindeutig zu klären. Dixon et al. (2000) haben 15 Familienedukationsstudien miteinander verglichen und empfehlen eine Mindestdauer von neun Monaten. Die Literaturrecherche von Merinder (2000) ergab hingegen, dass es offenbar keinen Unterschied macht, wie viele Sitzungen den Patienten und Angehörigen mindestens angeboten beziehungsweise von ihnen besucht werden sollten.

Ziele und Inhalte von Psychoedukation

Um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen, sind die vorrangigen Ziele der Psychoedukation Wissensvermittlung, verantwortungsvoller Umgang mit der Erkrankung, der Medikation, mit sich selbst sowie der Umwelt (Simhandl & Mitterwachauer, 2007). Unabhängig von der psychischen Grunderkrankung beinhalten psychoedukative Trainingsprogrammen die in Kasten 1 genannten Faktoren.

Möglichkeit für Menschen mit bipolar affektiven Erkrankungen

Die medikamentöse und psychologische Behandlung von bipolaren Störungen hat große Fortschritte gemacht, wodurch das Leben der Betroffenen sowie deren Umgang mit der Erkrankung wesentlich verbessert werden kann (Miklowitz 2002, Simhandl & Lang, 2009).

Als Basis für die Vermittlung von Psychoedukation bei Menschen mit bipolaren Störungen gibt es unterschiedliche Manuale in deutscher wie auch in englischer Sprache. Colom & Vieta (2006) aus Barcelona entwickelten ein englisches Manual mit anwenderfreundlichen, wertvollen praktischen Tipps und Techniken. Ein weiteres englisches Manual mit zwei Modulen, das sich aus psychoedukativen, kognitiv- verhaltenstherapeutischen sowie interpersonellen Bestandteilen zusammensetzt, stammt von Bauer & McBride (2003).

Pitschel-Walz et al. (2003) veröffentlichten ein deutsches Manual für Psychoedukation bei Depressionen. Zwei weitere Manuale für Psychoedukation bei bipolaren Störungen erschienen im Jahr 2004 (Schaub et al., 2004, Wagner & Bräunig, 2004). Danach kam das Manual „HOPE“ zur handlungsorientierten Psychoedukation bei bipolaren Störungen von Jelley & Elmer (2004) heraus. Weiters wurde das nur sechs Sitzungen umfassende, im deutschen Sprachraum veröffentlichte, Psychoedukationsmanual von Erfurth et al. (2005) in Augsburg entwickelt.

Die einzelnen Manuale bestehen aus verschiedenen Modulen. Dadurch, dass Psychoedukation meist in Form von Gruppentherapie angeboten wird, gibt es ausgiebig Gelegenheit zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch. Je nach Modulanzahl werden zwischen sechs und 21 Sitzungen angeboten. Der Umfang der einzelnen Sitzungen ist ebenfalls sehr unterschiedlich, sie dauern mindestens 30 und höchstens 90 Minuten. Die Therapiefrequenz variiert zwischen wöchentlich beziehungsweise vierzehntägig stattfindenden Einheiten. Empfohlen wird der einwöchige Rhythmus. Monatlich stattfindende Booster-Sitzungen, bei denen das Wissen der Patienten wieder aufgefrischt wird, tragen zur Gewährleistung eines länger andauernden Effektes bei. Je nach Bedarf des Anbieters, ob ambulant oder stationär, können die Gruppen offen oder geschlossen geführt werden (Kasten2).

Im Rahmen von kurzen Frontalvorträgen und in leicht verständlicher Form sollen die Informationen den Teilnehmern vermittelt werden. Neben Informationen über die Erkrankung selbst gilt als zentrales Anliegen der Psychoedukation die Aufklärung über biologische Rhythmen und mögliche Tagesstrukturen, die Planung von Aktivitäten, der Umgang mit Stress, die Erarbeitung eines Notfallplans, Informationen sowohl über eine Akut- und Rückfallschutzbehandlung als auch über Medikamente. Ein Patientenverlaufskalender, den es in Papierform, aber auch auf Taschenkalendern und sogar für das Handy gibt, soll eine erhöhte Sensibilität und Achtsamkeit gegenüber dem eigenen psychischen und körperlichen Empfinden fördern (Simhandl & Mitterwachauer, 2007). Bipolar erkrankte Menschen lernen dadurch, möglichst früh Auslöser für ihre Stimmungsschwankungen zu erkennen, um entsprechende Gegenmaßnahmen setzen zu können.

Bei Durchführung in einem Gruppensetting kann speziell die Dynamik in der Gruppe ausgenützt werden. Dadurch ergibt sich nicht nur ein Lernen durch Wissensvermittlung, sondern auch eine Auseinandersetzung mit der Erkrankung durch die Erfahrung und den Austausch mit anderen Betroffenen. Jeder Teilnehmer wird durch diese Art des Settings angehalten für sich selbst einen individuellen Plan auszuarbeiten, um sich bestmöglich vor einer drohenden Wiedererkrankung zu schützen (Simhandl & Mitterwachauer, 2007).

Psychoedukation sollte auf jeden Fall auch den Angehörigen psychiatrisch Erkrankter angeboten werden, da hier die besten Erfolgschancen für einen günstigen Krankheitsverlauf erreichbar sind (Lang 1989). Wichtig für die Angehörigen ist nicht nur die Informationsvermittlung, sondern auch die Bearbeitung spezieller Probleme, welche Angehörige zum Beispiel im Umgang mit den Betroffenen erleben. Nach Voughn & Leff (1976) besitzt das „Expressed-Emotion“-Konzept auch bei affektiven Störungen seine Gültigkeit. Florin et al. (1992) haben festgestellt, dass durch „High-Expressed-Emotions“ von Angehörigen der psychopathologische Befund durchschnittlich schlechter ist, sich die Behandlungsdauer verlängert (Uehara et al., 1996) und ein erhöhtes Rezidivrisiko mit einer größeren Wahrscheinlichkeit einer stationären Aufnahme vorhanden ist (Hooley et al., 1986). Harter et al. (2002) plädieren aus diesen Gründen dafür, dass affektive Patienten am besten gemeinsam mit ihren Angehörigen psychoedukative Gruppen besuchen. Auf diese Art und Weise könne die Tendenz zu „High-Expressed-Emotions“ in Familien mit an affektiver Bipolarität erkrankten Menschen mit hohem Erfolg behandelt werden, so Harter et al. (2002).

Die Arbeitsmaterialien werden mittels Folien, Handouts und Flip-Charts präsentiert. Am Ende jeder Sitzung ist es wichtig, den Teilnehmern zusätzlich schriftliche Unterlagen über die einzelnen Themenbereichen auszuhändigen, um damit das Gedächtnis zu unterstützen. Neben der reinen Wissensvermittlung soll im Rahmen der Psychoedukationsseminare zum einen das Bewusstsein der Betroffenen mit psychischen Krisen kompetent und sicher umgehen zu können und zum anderen die Hoffnung, trotz Erkrankung ein zufriedenstellendes Leben führen zu können, gefördert werden. Psychoedukation hilft noch besser, wenn sie bereits früh im Krankheitsverlauf angeboten wird.

Die besten Behandlungsergebnisse

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass Psychoedukation eine wichtige therapeutische Ergänzung darstellt, die erwiesenermaßen den Gesundungsprozess und somit auch die Lebensqualität psychisch Erkrankter fördert und in Kombination mit stimmungsstabilisierenden Medikamenten die besten Behandlungsergebnisse erzielt. Obwohl zahlreiche psychoedukative Trainingsprogramme ausgearbeitet und im Handel erhältlich sind und deren Wirksamkeit in zahlreichen Studien bestätigt werden konnte, wenden in der Psychiatrie Tätige wie etwa Fachärzte, Psychologen, Psychotherapeuten und Sozialarbeiter Psychoedukation bei ihren Patienten nur zu einem ganz geringen Prozentsatz an. Die Ursachen dafür sind wahrscheinlich zum Teil auf die finanzielle Situation zurückzuführen (Psychoedukation ist nicht im Leistungskatalog der Gebietskrankenkassen enthalten), aber auch auf die wenig verbreiteten Kenntnisse über diese Therapieform und den Mangel von geschultem Personal. Es ist eigentlich nicht vertretbar, dass psychiatrisch erkrankten Menschen eine so hilfreiche Methode, die durch das Gruppensetting auch noch kostengünstig ist, vorenthalten beziehungsweise nicht vermehrt angeboten wird.

Entsprechend unseren Recherchen wird im niedergelassenen-therapeutischen Bereich in Ost-Österreich nur in einer einzigen ärztlichen Praxisgemeinschaft sowie in einer psychologisch-psychotherapeutischen Praxis für bipolar affektive Erkrankungen Psychoedukation angeboten. Dieser Umstand sollte zu denken geben und Anlass für eine aktive Auseinandersetzung mit Psychoedukation sein. Die Weiterempfehlung dieser erfolgversprechenden psychotherapeutischen Methode an Betroffene und deren Angehörige sollte allen Profis ein Anliegen sein.

1 Klinische Psychologin, Gesundheitspsychologin und Psychotherapeutin, Wien

2 Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, BIPOLAR ZENTRUM Wiener Neustadt

 

1. Bauer M.S., McBride L.; Structured Group Psychotherapy for Bipolar Disorder: The Life Goals Program, Second Edition: The Life Goals Program; Springer; 2003

2. Colom F., & Vieta E.; Psychoeducational manual for bipolar disorder; Cambridge New York, Cambridge Univ Press; 2006

3. Frank E.: Treating Bipolar Disorder: A Clinician’s Guide to Interpersonal and Social Rhythm Therapy; New York: Guilford Press; 2005

4. Lang A.V.: Psychoedukation für schizophrene Patienten und Angehörige; Psychosoziale Arbeit 3, S 7, 1989

5. Lang A.V.; Stigmatisierung und Recovery psychisch kranker Menschen; Eigenverlag; 2009

6. Miklowitz D.J.; The Bipolar Disorder Survival Guide; New York, The Guilford Press; 2002

7. Schaub B., Berhard B., Gauck L.; Kognitiv-psychoedukative Therapie bei bipolaren Erkrankungen. Ein Therapiemanual. Göttingen: Hogrefe; 2004

8. Simhandl C., Lang A,V.; Psychoedukation für Menschen mit bipolar affektiven Störungen; Österreichische Ärztezeitung (ÖAZ) 6, 38-42; 2009

9. Simhandl C., Mitterwachauer K.; Depression und Manie. Erkennen und erfolgreich behandeln; Wien New York: Springer; 2007

10. Wagner P., Bräunig P.; Psychoedukation bei bipolaren Störungen. Ein Therapiemanual für Gruppen; Stuttgart: Schattauer; 2004

 

Weitere Literatur bei den Verfassern

Kasten 1 Inhalte der Psychoedukation
  • Wissensvermittlung über mögliche Ursachen, Erscheinungsbilder
und Auslöser der Erkrankung
  • Verlauf ohne Behandlung
  • mögliche Therapie- und Rehabilitationsmaßnahmen, Psychopharmaka, Psychotherapie, Alternativen: Risiken und deren Nebenwirkungen
  • Erkennen individueller Frühwarnsymptome und individueller Auslöser eines Rückfalles
  • Entlastung der Patienten / Angehörigen von Schuldgefühlen
  • Erkennen, dass andere ähnliche Schwierigkeiten haben
  • Vermittlung Recovery-orientierter* Inhalte
  • Rezidivprophylaxe
  • Verbesserung der Medikamenten- und Behandlungscompliance bzw. Adherence
  • Verbesserung der Krankheitseinsicht
  • Förderung der Behandlungswilligkeit durch Änderung des Krankheitskonzeptes
  • Verbesserung des emotionalen Klimas in der Familie
*siehe Lang (2009)
Kasten 2 Ablauf der Psychoedukation bei bipolaren Erkrankungen
  • Einführung in das Psychoedukationsprogramm
  • Vermittlung von Basisinformationen über die Erkrankung (Teil 1 + 2)
  • das Vulnerabilitäts-Stress-Modell
  • medikamentöse Therapie, Standards, Alternativen
  • Erfassung von Frühwarnsymptomen
  • Umgang mit Frühwarnsymptomen, individueller Stufenplan
  • biologische Rhythmen und Tagesstruktur
  • Erarbeitung eines Krisenplans und Abschluss des Programms
  • Boostersitzung (einen Monat später), Auffrischung und Nachbesprechung
Der Ablauf ist in allen Programmen mehr oder weniger gleich – mit unterschiedlichen Schwerpunkten und unterschiedlicher Intensität: sechs bis 22 Treffen, wöchentlich, 30 bis 90 Minuten Dauer.

A. V. Lang 1 und C. Simhandl 2, psychopraxis. neuropraxis 4/2009

  • Herr Doctor Nabil Deeb, 02.09.2010 um 00:06:

    „Die Schizophrenie , Rassenlehren , Naturrecht der Diaspora & Populationsgenetik in den Welt-Finanzkrisen !!!



    Schizophrenia, race theories, natural law and the diaspora population genetics in the world financial crisis. !


    Nabil DEEB
    Arzt – Physician – Doctor
    PMI-Registered Doctors'Association
    53140 Bonn / GERMANY



    Die Schizophrenie , Naturrecht der Diaspora & Populationsgenetik und molekularer Genetik in unserer Wissensgesellschaft in den Welt-Finanzkrisen :-

    I.

    Die Psychiatrie- der sog. "zivilisierten" Welt mit Vorreiter Schweiz Sterilisierungen und Euthanasie in Zürich :-

    Die Erfindung der Krankheit "Schizophrenie" in Zürich :-
    Wer ein auffälliges Verhalten innerhalb der Gesellschaft zeigt, das mir nicht passt, hat eine "Krankheit" im Geist. So ähnlich definierten die Ärzte der neuen "psychologischen" Studienrichtungen in Zürich Ende des 19.Jh. die "geistig Abnormen". Eugen Bleuler, 1898-1926 Direktor am Burghölzli, Universitätsprofessor der Eugenik in Zürich, definierte dafür im Jahr 1911 das Wort "Schizophrenie" (Huonker, S.101).

    [Die Frage, welche Faktoren von aussen zu einem "schizophrenen" Verhalten führen, darf nicht gestellt werden...].

    Die Entstehung der Praxis der Sterilisierung und Tötung von Psychiatriepatienten mit Zentrum Zürich ab 1870 (Euthanasie) :

    Der normale religiöse Rassismus und die Verfolgungsmethoden gegen die Täufer als Vorbild zur Verfolgung der "geistig Abnormen"

    Legale Vererbungslehre und Sterilisierungen bis in die 1970-er Jahre.

    Die Rassenhygiene von Nietzsche mit Prostitution - der Darwinismus definiert "wilde Rassen".
    Die Sterilisation im Namen von Forels Behauptung, "Geisteskrankheiten" seien erblich.

    Weitere "Familienforschungen" zwecks der Vererbungslehre bzw. "Eugenik" wurden betrieben von :

    -- R.L. Dugdal: "The Jukes". New York 1877 (Huonker, S.179).
    -- H. Lundborg: Medizinische Familiengeschichten. Jena 1913 (Huonker, S.185)
    -- Henry Herbert Goddard: Die Familie Kallikak. Beiträge zur Kinderforschung und Heilerziehung. Langensalza o.J. (1914) (Huonker, S.181).

    1908: Hans Wolfgang Meier definiert die "moralische Idiotie" und befürwortet die Euthanasie.

    1908 präsentierte der schweizer Psychiater Hans Wolfgang Maier in seiner Dissertation den Begriff "moralische Idiotie" und wollte damit die Diagnose "moral insanity" von Prichard ablösen, konnte sich aber nicht durchsetzen (Huonker, S.104). Maier postulierte das Ziel, die "hereditären Faktoren" auszumerzen:

    "Hereditäre [erbliche] Faktoren, nämlich die direkte Fortpflanzung der moralischen Idioten und der Alkoholismus, sind mit allen Mitteln zu bekämpfen." (Huonker, S.104; Maier, Hans W.: Moralische Idiotie 1908, S.81)

    Hans Wolfgang Maier behauptete, die Ermordung "Geisteskranker" sei zum Vorteil für alle Seiten. Zumindest aber die Sterilisierung sei ein absolutes Muss, weil Schwachsinn erblich sei:

    "Die Tötung wäre auch heute ( = 1908 ) noch das vernünftigste und für alle Teile schonendste, wenn nicht der hier durchaus unangebrachte Begriff der Strafe stets damit verbunden wäre und Gründe der allgemeinen Moral gebieterisch dagegen sprächen. [...] Die direkte Heridität [Erblichkeit] ist entschieden eine Hauptursache des krankhaften Zustandes. [...] Es ist also sehr wichtig, diese Kranken an der Fortpflanzung zu verhindern. Da unter unseren heutigen Verhältnissen sowohl Gefängnis wie Anstalt hierfür keine absolute Garantie bilden, hätte die Gesellschaft nicht nur das Recht, sondern meines Erachtens auch die Pflicht, hier möglichst bald die zwangsweise Sterilisierung zu dekretieren." (Huonker, S.105; Maier, Hans W.: Moralische Idiotie 1908, S.79-80) .

    Eugen Bleuler, 1898-1926 Direktor am Burghölzli, Universitätsprofessor der Eugenik in Zürich, definierte 1911 zum ersten Mal die "Schizophrenie" als Ersatzbegriff für Kraepelins Ausdruck "dementia praecox" (Huonker, S.101). Bleuler forderte, Schizophrene dürften nicht heiraten und sollten sterilisiert werden (Huonker, S.102).

    1914-1918 während des ersten Weltkriegs liess das deutsche Kaiserreich tausende von Psychiatriepatienten systematisch verhungern (Huonker, S.67). Zur selben Zeit war der Vater des Leiters der "Pro Juventute", Ulrich Wille, General der schweizer Armee (Bonjour, Edgar: Geschichte der schweizerischen Neutralität Bd. VII 1970-1975, S.54-55).

    Ab 1919 begann in Zürich eine rigide Eheverbotspolitik (Huonker, S.115), mit Diagnosen wie "Eheunfähigkeit": "Schizophrenie", "Jugendverblödung", "moralischer Schwachsinn", "Haltlosigkeit", "Idiotie", "Imbezillität" (Huonker, S.114), Gefahr "idiotischer" Kinder, Gefahr "verkrüppelter" Kinder, Gefahr "sonst hochgradig minderwertiger Kinder" (Huonker, S.125), "psychisch abnorm", "schlechte Erbmasse", oder "hereditäre [erbliche] Idiotin" (Huonker, S.128). Gleichzeitig entspann sich ein Gutachtenkrieg um die "Ehefähigkeit". Entscheidend war die Diagnose. Ziel war die Sicherung "gesunden" Nachwuchses und die Ausschaltung "kranken" Nachwuchses. Wünsche der Frauen blieben meist unberücksichtigt (Huonker, S.112,128). Bei Befund eines Kriteriums kam es immer zur Sterilisierung oder zum Eheverbot (Huonker, S.114). Im Kanton Zürich, v.a. im Burghölzli, definierten die "Ärzte", wer "geisteskrank" sei und verfügten so die "Eheunfähigkeit" ganz nach ihrem Geschmack. Schon der Verdacht auf "Geisteskrankheit" reichte für Eheverbotsverfahren aus. In seltenen Fällen wurde ein "Mittelweg" beschritten, ein Kind zugelassen, die Sterilisierung vorgenommen und die Ehe bewilligt (Huonker, S.113-115). In Zürich mussten die Betroffenen, die nicht heiraten durften, auch noch die Kosten für das Eheverbotsverfahren bezahlen (Huonker, S.113).

    [Die eugenisch-rassistischen "Psychiater" empfanden sich währenddessen nie als "krank"...]

    Sterilisationen wurden z.T. auch durch "privat praktizierende Mediziner" ohne jede gesetzliche Grundlage vollzogen, z.T. auch in der Zürcher Pflegerinnenschule (Huonker, S.127,128 .
    Auch die Epilepsieklinik in Zürich bekam eine Kinderpsychiatrie. Diagnose war u.a.: Hebephrenie, eine Form der "Jugendverblödung" (Huonker, S.38,114).

    "Therapeutische Kastrationen": Die Schweiz wird weltweit "führend" - Sterilisationspflicht bei Taubheit 1920 gründeten die eugenisch-rassistischen Freundeskreise von Zürich die Klaus-Stiftung. Der Anthropologieprofessor der Universität Zürich, Otto Schlaginhaufen, definierte deren Ziel mit "praktischer Rassenhygiene". Finanziert wurden Reisen, "Forschung" und Publikationen sowie eugenische "Eheberatungsstellen" (Huonker, S.87-88). Das Repertoire der Beschreibung der auszurottenden "Untermenschen" im Zuge des Psychiatrie-Holocaust noch vor der Hitler-Machtübernahme in Deutschland war inzwischen sehr reichhaltig und wurde nicht nur von den namhaften deutschen "Psychiatern" Binding und Hoche verwendet: "Ballastexistenzen"; "Vernichtung lebensunwerten Lebens" (Huonker, S.67), "eugenische Indikation" (Huonker, S.75), "Bevölkerungsentartung" (Huonker, S.76), "Idiovarianten", "Isolaten", "Entartungsherde", "unerwünschte Nachkommenschaft" (Huonker, S.110), "erblich belastete Kinder" (Huonker, S.112), "ererbte üble Eigenschaften" (Huonker, S.158), "sozial brauchbarer Mensch", "querulatorischer Charakter" (Huonker, S.160), "konstitutioneller Psychopath" (Huonker, S.161). Die Sterilisierungs- und Eugenikerszene war in Zürich z.T. Stadtrat und "Arzt" in einem wie z.B. der Gynäkologe Hermann Häberlin, der 1920-1932 gleichzeitig Stadtrat war (Huonker, S.109). Die Schweiz wurde so auch 1920-1933 weltweit führend für "therapeutische Kastrationen" (Huonker, S.153) mit "experimentellen Kastrationen" und Hoden- bzw. Eierstocktransplantationen in Frauen- bzw. Männerkörper, um weibliche bzw. männliche Energien in die jeweils anderen Körper auszutauschen (Huonker, S.155).

    1920-1934 waren an der Frauenklinik Zürich von 1957 Abtreibungen deren 1395 mit einer Sterilisierung verbunden (Huonker, S.127). Sterilisationspflicht galt ab den 1920-er Jahren auch für Gehörlose, weil die rassistische Eugenik-"Wissenschaft" die Züchtung einer "taubstummen Menschenart" befürchtete. In Finnland galt für Taube ein Eheverbot (Huonker, S.83).

    Deutschland sterilisierte nun ebenso, sogar ohne Justiz. Dort reichte ab 1921 der Antrag der Vormundschaft und des Bürgermeisteramts für eine Sterilisierung aus (Huonker, S.68). 1922 bestätigte das Lausanner Bundesgericht das Eheverbot bei "Schwachsinn" und "Hysterie", da dies erbliche Krankheiten seien. Der Kanton Waadt kannte dagegen kein Konkubinatsverbot. Das Bundesgericht stigmatisierte aber die daraus hervorgehenden Kinder als "unehelich" (Huonker, S.111).

    Appelle für gesamt-eidgenössische Euthanasie - Sterilisationen ab 1923 auch in Bern - 1925 Verwahrungsgesetz in Zürich :

    1923 stellte der Berner Stadtarzt und Kantonsrat der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei, Alfred Hauswirth, im Kantonsrat Bern den Antrag, die Ermordung "Geisteskranker" (Euthanasie) in der ganzen Schweiz zuzulassen und "unheilbare Geisteskranke und Idioten" zu töten (Huonker, S.66), mit dem Argument, dies sei im griechischen Sparta auch vollzogen worden. Der Tötungsantrag wurde abgelehnt, ein Sterilisierungsantrag des SP-Vertreters Hurni aber angenommen und ab 1923 in Bern die Sterilisationspraxis eingeführt (Huonker, S.67). 1923, kurz vor Hitlers Putschversuch, wurde Hitler in der Schweiz von Ulrich Wille, dem Stiftungskommissionspräsidenten der "Pro Juventute", in Willes Wohnsitz Villa Schönberg empfangen. Wille liess für Hitlers Putschplan von namhaften Industriellen Spenden sammeln (Huonker, S.38).

    1925 trat im Kanton Zürich das erste Verwahrungsgesetz über die Versorgung von Jugendlichen, Verwahrlosten und Gewohnheitstrinkern in Kraft (Huonker, S.164). Im gleichen Jahr schätzte der Zürcher Psychiater Hans Wolfgang Maier, dass 3,5-4,5% der Menschen "geistig nicht vollwertig" seien.

    (Huonker, S.77; Maier, Hans Wolfgang: Über die Verbreitung und Behandlung der Geisteskranken in der Schweiz. Beitrag zum 50.Jahresbericht des Zürcher Hilfsvereins für Geisteskranke. Zürich 1925, S.15).

    Sterilisation mit Röntgenstrahlen produziert kranke Erbsubstanz - Ziel der Ausrottung der Jenischen und Roma.

    Die Sterilisation durch Röntgenstrahlen hatte dabei katastrophale Folgen wegen des Risikos von Krebs und der Schädigung der Erbsubstanz, wurde aber weiter praktiziert (Huonker, S.126). Somit produzierte die Psychiatrie und Medizin tatsächlich Menschen mit krankem Erbgut. Im selben Jahr verlangte der inzwischen weltweit gelesene Hans W.Maier das Kinder- und Eheverbot für "psychisch Defekte" aus "ethischen Gründen", um "das Institut der Ehe von psychisch Defekten frei zu halten".

    (Huonker, S.112; Maier, Hans Wolfgang: Zum gegenwärtigen Stand der Frage der Kastration und Sterilisation aus psychiatrischer Indikation. Sonderdruck aus: Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie, Berlin, 1925, Band XCVIII, Heft 1/2, S.212).

    1926-1933 führte der Arzt Hans Binder im Basler Frauenspital offiziell 293 Sterilisationen bei Frauen durch (Huonker, S.108). Der Terror gegen Jenische durch die militärisch geführte "Pro Juventute" und das "Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse" dauerte von 1926 bis 1973. Das Ziel der Ausrottung der Jenischen wurde mit dem Begriff "Landplage" propagiert. Ziel sei die "Auflösung". Den jenischen Familien wurden von staatlicher Seite Hunderte von Kindern geraubt (Huonker, S.38). Dasselbe Schicksal erlitten die Roma (Huonker, S.34). All die Massnahmen fruchteten nichts. In Zürich war 1927 die Zahl der Fürsorgefälle mit 14% der Bevölkerung so hoch wie noch nie (Huonker, S.22). Bleuler, immer noch Leiter des Burghölzli, befürwortete Sterilisierung bei "zügellosen Mädchen" und "gelegentlich bei Männern".

    (Huonker, S.69; Bleuler, Eugen: Die ärztlichen Anzeigen für frühe Entlassungen. In: Roemer, H./Kolb G./ Faltlhauser V.: Die offene Fürsorge in der Psychiatrie und ihren Grenzgebieten. Berlin 1927, S.148).



    II.

    Naturrecht der Diaspora & Populationsgenetik und molekularer Genetik in unserer Wissensgesellschaft :-

    Mit der Zuspitzung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Krisen geht in den meisten Ländern dieser Welt eine Ethnisierung sozialer Konflikte einher. Dabei geht es vor allem um die Verwandlung sozialer oder kultureller Unterscheidungsmerkmale in herkunftsbezogene. Ethnisch-kulturelle Gruppenzugehörigkeiten werden aktiviert oder willkürlich konstruiert, um sich Vorteile im Verteilungskampf zu verschaffen. Der Prozeß der Fremdethnisierung geschieht dabei vorrangig durch Angehörige der Mehrheitsgesellschaft. Aber auch manche Angehörige von Minderheiten spielen auf der Klaviatur der Ethnisierung, um ihre Position im Verteilungskampf zu verbessern (z.B. gegenüber Flüchtlingen).

    Seit der griechischen Antike ist jeder Mensch nach dem Naturrecht von Natur aus mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet – unabhängig von Geschlecht, Alter, Ort, Staatszugehörigkeit oder der Zeit und der Staatsform, in der er lebt. Dazu gehören das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit oder das Recht auf persönliche Freiheit. Die Naturrechte werden demnach als vor- und überstaatliche ewige Rechte angesehen.

    Die Unterscheidung von Menschenrassen hat sich als in sich homogener und klar gegeneinander abgrenzbarer Populationen aufgrund jüngster Fortschritte der Molekularbiologie und der Populationsgenetik als unhaltbar erwiesen. Die genetische Vielfalt der Menschheit sei nur gradueller Natur und lasse keine größeren Diskontinuitäten erkennen. Daher sei jeder typologische Ansatz zur Unterteilung der Menschheit ungeeignet. Des Weiteren seien die erblichen Unterschiede zwischen verschiedenen Menschengruppen nur gering im Vergleich zur Varianz innerhalb dieser Gruppen. Aufgrund äußerlicher Unterschiede, die nur Anpassungen an verschiedene Umweltbedingungen seien, grundlegende genetische Unterschiede anzunehmen, sei ein Trugschluss.

    Populationsgenetische Studien ergaben, dass etwa 85% der genetischen Variation innerhalb solcher Populationen wie der Franzosen oder der Japaner zu finden sind. Dagegen sind die genetischen Unterschiede zwischen den traditionell aufgrund der Hautfarbe unterschiedenen Rassen mit etwa 6 bis 10% vergleichsweise gering. Hinzu kommt, dass auch diese vermeintlich rassenspezifischen Unterschiede bei genauerer Untersuchung der geographischen Verbreitung keine klaren Grenzen erkennen lassen. Die Übergänge zwischen den „Rassen“ sind (mit Ausnahme der australischen Aborigines) fließend. Diese empirischen Befunde, die durch Fortschritte bei der Sequenzierung von DNA und Proteinen ermöglicht wurden, führten dazu, dass heute die große Mehrheit der Anthropologen eine Aufteilung der Menschheit in Rassen ablehnt.

    Die Revolution in unserem Denken über Populationsgenetik und molekularer Genetik hat zu einer Explosion des Wissens über Lebewesen geführt. Zu den Vorstellungen, die sich tiefgreifend gewandelt haben, gehören die Konzepte zur Variation des Menschen. Das Konzept der "Rasse", das aus der Vergangenheit in das 20. Jahrtausend übernommen wurde, ist völlig obsolet geworden. Dessen ungeachtet ist dieses Konzept dazu benutzt worden, gänzlich unannehmbare Verletzungen der Menschenrechte zu rechtfertigen. Ein wichtiger Schritt, einem solchen Missbrauch genetischer Argumente vorzubeugen, besteht darin, das überholte Konzept der "Rasse" durch Vorstellungen und Schlussfolgerungen zu ersetzen, die auf einem gültigen Verständnis genetischer Variationen beruhen, das für menschliche Populationen angemessen ist. "Rassen" des Menschen werden traditionell als genetisch einheitlich, aber untereinander verschieden angesehen. Diese Definition wurde entwickelt, um menschliche Vielfalt zu beschreiben, wie sie beispielsweise mit verschiedenen geographischen Orten verbunden ist. Neue, auf den Methoden der molekularen Genetik und mathematischen Modellen der Populationsgenetik beruhende Fortschritte der modernen Biologie zeigen jedoch, dass diese Definition völlig unangemessen ist. Die neuen wissenschaftlichen Befunde stützen nicht die frühere Auffassung, dass menschliche Populationen in getrennte "Rassen" wie "Afrikaner", "Eurasier" (einschließlich eingeborener Amerikaner) oder irgendeine größere Anzahl von Untergruppen klassifiziert werden könnten.

    Im einzelnen können zwischen den menschlichen Populationen, einschließlich kleineren Gruppen, genetische Unterschiede festgestellt werden. Diese Unterschiede vergrößern sich im allgemeinen mit der geographischen Entfernung, doch die grundlegende genetische Variation zwischen Populationen ist viel weniger ausgeprägt. Das bedeutet, dass die genetische Diversität beim Menschen gleitend ist und keine größere Diskontinuität zwischen den Populationen anzeigt. Befunde, die diese Schlussfolgerungen stützen, widersprechen der traditionellen Klassifikation in "Rassen" und machen jedes typologische Vorgehen völlig unangemessen. Darüber hinaus hat die Analyse von Genen, die in verschiedenen Versionen (Allelen) auftreten, gezeigt, dass die genetische Variation zwischen den Individuen innerhalb jeder Gruppe groß ist, während im Vergleich dazu die Variation zwischen den Gruppen verhältnismäßig klein ist.

    Es ist leicht, zwischen Menschen aus verschiedenen Teilen der Erde Unterschiede in der äußeren Erscheinung (Hautfarbe, Morphologie des Körpers und des Gesichts, Pigmentierung etc.) zu erkennen, aber die zugrundeliegende genetische Variation selbst ist viel weniger ausgepägt. Obwohl es angesichts der auffälligen genetisch determinierten morphologischen Unterschiede paradox erscheint, sind die genetischen Variationen in den zugrundeliegenden physiologischen Eigenschaften und Funktionen sehr gering, wenn Populationsdurchschnitte betrachtet werden. Mit anderen Worten: die Wahrnehmung von morphologischen Unterschieden kann uns irrtümlicherweise verleiten, von diesen auf wesentliche genetische Unterschiede zu schließen. Befunde deuten darauf hin, dass es im Verlauf der Evolution des modernen Menschen relativ wendig Veränderungen in der genetischen Grundausstattung der Population gegeben hat. Die molekularen Analysen von Genen legen außerdem sehr nahe, dass der moderne Mensch sich erst vor kurzer Zeit in die bewohnbaren Gebiete der Erde ausgebreitet hat und an diesem Prozess während einer relativ kurzen Zeitspanne an sehr unterschiedliche und zuweilen extreme Umweltbedingungen angepasst worden ist (z. B. an rauhes Klima). Die Notwendigkeit der Anpassung an extreme unterschiedliche Umweltbedingungen hat nur in einer kleinen Untergruppe von Genen, die die Empfindlichkeit gegenüber Umweltfaktoren betrifft, Veränderungen bewirkt. Es ist wert zu erwähnen, dass die Anpassungen als Antwort auf Umweltbedingungen größtenteils historisch zu verstehen sind und keine Konsequenzen für das Leben in der modernen Zivilisation haben. Nichtsdestoweniger werden sie von einigen so ausgelegt, als spiegelten sie wesentliche Unterschiede zwischen Menschengruppen wider, wodurch sie zum Konzept der "Rassen" beitragen.

    Nach wissenschaftlichem Verständnis ist die Einteilung von Menschen anhand der Verteilung von genetisch determinierten Faktoren daher einseitig und fördert das Hervorbringen endloser Listen von willkürlichen und missleitenden sozialen Wahrnehmungen und Vorstellungen. Darüber hinaus gibt es keine überzeugenden Belege für "rassische" Verschiedenheit hinsichtlich Intelligenz, emotionaler, motivationaler oder anderer psychologischer und das Verhalten betreffender Eigenschaften, die unabhängig von kulturellen Faktoren sind. Es ist allgemein bekannt, dass bestimmte genetisch bedingte Merkmale, die in einer Lebenssituation nützlich sind, in einer anderen nachteilig sein können.

    Es ist falsch zu behaupten, dass menschliche Populationen sich in genetisch bedingten Merkmalen von sozialem Wert unterscheiden, so dass bestimmte Gruppen gegenüber anderen höherwertig oder minderwertig sind.
    Es gibt keinen wissenschaftlichen Grund, den Begriff "Rasse" weiterhin zu verwenden. !!!!!!


    Die Schizophrenie , Rassenlehren , Naturrecht der Diaspora & Populationsgenetik in den Welt-Finanzkrisen !

    Schizophrenia, race theories, natural law and the diaspora population genetics in the world financial crisis. !

    Schizophrénie, théories de la race, la loi naturelle et la génétique des populations diaspora dans la crise financière mondiale.!

    Schizofreni, ras teorier, naturliga lagen och diasporan populationsgenetik i världen !


    Literatur:-

    1. DIE HÖLLE IST DA - und alle schauen zu ; 3. Der Psychiatrie-Holocaust der "zivilisierten" Welt mit Vorreiter Schweiz ; Sterilisierungen und Euthanasie in Zürich ; von Michael Palomino (2002 / 2008 / 2010) ;

    2.Thomas Huonker: "Anstaltseinweisungen, Kindswegnahmen, Eheverbote, Sterilisationen, Kastrationen. Fürsorge, Zwangsmassnahmen, "Eugenik" und Psychiatrie in Zürich zwischen 1890 und 1970." Sozialdepartement der Stadt Zürich, Departementssekretariat, Postfach, 8026 Zürich; Edition Sozialpolitik Nr. 7, Sozialberichterstattung 2002 ;

    3. - Elazar Barkan: The Retreat of Scientific Racism. Changing Concepts of Race in Britain and the United States. CUP, Cambridge 2000 ;
    4. - Luigi Luca Cavalli-Sforza, Francesco Cavalli-Sforza: Verschieden und doch gleich. Ein Genetiker entzieht dem Rassismus die Grundlage ("Chi siamo"). Knaur, München 1996 ;

    5.- U. Kattmann, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg und H. Seidler, Institut für Humanologie, Wien. : "Die Brücke", Heft 1997/2 Seite 23f. ;

    6.- Rest der Literatur beim Verfasser


    Mit freundlichen kollegialen Grüßen

    Ihr

    Nabil DEEB
    Arzt – Physician – Doctor
    PMI-Ärzteverein e.V.
    Palästinamedico International Ärzteverein – ( P M I ) e.V.
    Department of Medical Research
    Département de la recherche médicale
    P.O. Box 20 10 53
    53140 Bonn – Bad Godesberg / GERMANY

    &

    Nabil DEEB
    Arzt – Physician – Doctor
    PMI-Ärzteverein e.V.
    Palästinamedico International Ärzteverein – ( P M I ) e.V.
    Department of Medical Research
    Département de la recherche médicale
    P.O. Box 10 01 35
    53439 Bad Neuenahr / GERMANY

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