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Die Mondkalbdame

 

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Psychiatrie und Psychotherapie 28. September 2009

Anton Blitzstein, der „fantastische Individualist“

Kunst versöhnt die Menschen mit der Wirklichkeit.

Anton Blitzstein sollte Fleischhauer werden und wurde Vegetarier. Er wollte Bankkaufmann werden und wurde Maler. Immerhin liegt sein Atelier über einer Bank. So empfindet er sich heute subjektiv ein bisschen als Direktor.

Ihre Bilder sind unverwechselbar, wie haben Sie zu Ihrem Stil gefunden?

BLITZSTEIN: Ursprünglich wollte ich Bankkaufmann werden. Daraus wurde aber nichts. Ich habe eine Weile als Koch bei den Anthroposophen gearbeitet und begann dann vermehrt zu malen. Ich wollte nicht Maler werden, das war die zweite Wahl – aber es hat mich dann auch immer mehr interessiert, weil Bilder zum Vorschein kamen, die mich selbst überrascht haben. Da wollte ich wissen, was da entsteht. In der Zwischenzeit habe ich über 2.000 verschiedene Bilder gemalt. Viele davon sind noch in meinem Archiv, obwohl es anfangs eine Phase gab, in der ich Bilder verschenkt habe – getauscht gegen ein Bier oder Kaffee und Kuchen.

 

Wie bezeichnen Sie Ihren Stil?

BLITZSTEIN: Meine Malerei kommt ursprünglich aus der Art Brut Bewegung. Anfangs habe ich sehr wilde Bilder gemalt, aus dem Bauch heraus; das Gehirn habe ich da absichtlich ausgeschaltet. Wenn es gelingt die Gedanken abzuschalten, ist Malen ein sehr meditativer Prozess.

Aber über die Jahre hinweg habe ich mich verändert und verstehe meine Bildnerei heute als fantastischen Individualismus. Den fantastischen Realismus gab es ja schon, aber ich bin kein Realist, ich bin Individualist. Meine wichtigsten Bilder sind Fantasiebilder. Dort, wo ich die Wirklichkeit verlasse, bin ich am stärksten. Ich bin auch nie angetreten, um Kunst zu machen und habe mir so einen unbefangenen Zugang zur Malerei bewahrt.

 

Sie schreiben in Ausstellungsankündigungen, dass Ihre Bilder „poetische Liebeserklärungen an die Menschen, den Kosmos und die Natur“ sind. Wie ist das gemeint?

BLITZSTEIN: Für mich ist es wichtig mit Konzentration, Sorgfalt und vollkommener innerer Anteilnahme und Liebe zu malen. Nur dann wird es eine gute Arbeit. Natürlich habe ich auch schon öfter ein Bild aus Frustration oder Wut gemalt, aber so ein Bild hat wahrscheinlich niemanden erfreut. Einmal habe ich auch versucht, ein „kommerzielles“ Bild zu malen – es sollte dem Geschmack der Menschen entsprechen und sich verkaufen. Das hat aber überhaupt nicht funktioniert. Dieses Bild liegt noch heute in meinem Archiv.

Insgesamt zählt für mich nicht so sehr die handwerkliche Perfektion, eine bestimmte Schule oder Richtung, sondern vielmehr das ganzheitliche Endprodukt, dessen Ausstrahlung und Qualität – Kunst existiert, um die Menschen mit der Wirklichkeit zu versöhnen.

Die meisten Menschen kennen Ihre Mondkälber. Was sind die Mondkälber?

BLITZSTEIN: Die Mondkälber sind Lichtwesen. Ihre Körper werden durch ihre Vorstellungskraft betrieben – was sie sich wünschen wird sich erfüllen, weil sie sich bewusst oder unbewusst auf das Bild zubewegen, das sie sich selbst prophezeien. Im Gegensatz zu den Mondkälbern denkt der Mensch in Feindbildern – er beschreibt das, was er nicht will. Und weil sich die Menschen in ihrer Lüge bestätigen, glauben sie alle fest daran, dass die Lüge wahr ist.

Ich male seit langer Zeit Mondkälber, sie begleiten mich seit fast dreißig Jahren. Als ich begann Mondkälber zu malen, waren sie männlich und weiblich. Aber als meine Töchter auf die Welt kamen, wurden die Mondkälber geschlechtsneutral.

Vor den Mondkälbern gab es eine Phase, in der ich hauptsächlich männliche Geschlechtsteile gemalt habe. Viel später hat mich meine Tochter eines Tages aufgeweckt und wollte wissen, wie man ein Haus zeichnet. Ich habe es ihr erklärt – mit Dach und Wänden – und die Skizze wurde später zur Vorlage für ein Gemälde. So begann ich Fantasiehäuser zu malen. Ich würde gerne einmal so ein Haus bauen, aber ich weiß nicht, ob ich so ein guter Architekt wäre.

 

Woher kommen Ihre Inspirationen?

BLITZSTEIN: Das habe ich mich auch schon gefragt. Bei mir ist es so – je mehr ich mache, umso mehr kommt nach. Es gibt in der christlichen Religion einen Satz, der sinngemäß sagt, je mehr Liebe man gibt, umso mehr kommt nach. Beim Malen kommt es mir so ähnlich vor: Je mehr man tut, umso mehr kommt nach. Ich habe mir auch schon gedacht, dass die Ideen irgendwann aus sein werden und nichts mehr kommt, aber das stimmt nicht. Während ich male entstehen schon andere Ideen. Manchmal kommt es auch zu Variationen, so ähnlich wie in der Musik.

 

Welche Bedeutung hat die Spiritualität für Ihre Kunst?

BLITZSTEIN: Spiritualität spielt auf jeden Fall eine Rolle. Ich war eine Zeit lang regelmäßig in der Kirche um die Seele zu reinigen. Glaube war damals sehr wichtig für mich. Mittlerweile habe ich mich von der Kirche, aber nicht von der Spiritualität, weg entwickelt. Ich suche Gott jetzt mehr in der Natur und nicht mehr in der Kirche. Meine Spiritualität fließt über das Unbewusste sicher auch in meine Bilder ein, besonders wenn ich male ohne etwas Bestimmtes zu wollen.

 

Was sind Ihre nächsten Ziele?

BLITZSTEIN: Ich würde gerne einmal ein eigenes Buch machen und ein bisschen mehr verkaufen. Und momentan suche ich interessante Gemälde im Tausch gegen meine eigenen. Die getauschten Bilder sollen in einer Ausstellung gezeigt und in einem Wandkalender veröffentlicht werden. Ursprünglich habe ich versucht das Projekt als Kooperation zu organisieren, aber so viele Maler zu einem Termin zusammenzubringen war unmöglich. Eine Kollegin hat sich zum Beispiel im entscheidenden Moment die Schulter beim Zähneputzen verrenkt. Und dann habe ich irgendwann beschlossen, Bilder zu tauschen. Das sollte die Realisierung vereinfachen.

 

Das Gespräch führte Mag. Tanja Fabsits.

Einen Blitzstein erwerben
Preise für einen „echten Blitzstein“ beginnen bei 200 Euro und sind abhängig von Maltechnik (Öl, Tusche, Aquarell, Buntstift, Pastell), Größe (50 x 40 cm oder 100 x 60 cm), Arbeitsaufwand und Bedeutung des Werkes für den Künstler. – Nicht alle Bilder sind zu kaufen.
Interessierte wenden sich direkt an und können nach laufenden und geplanten Ausstellungen oder einem Termin für einen Atelierbesuch fragen.

Seit 17 Jahren füllt Anton Blitzstein auch einen A4-Wandkalender mit Motiven seiner Bilder. Der so genannte Integrations-Kalender 2010 kann für 15 Euro plus Porto direkt beim Künstler angefragt werden (Achtung: limitierte Auflage). Integration bedeutet für Anton Blitzstein ganz – seelisch, geistig und körperlich – in die Gesellschaft eingebunden zu sein.

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