zur Navigation zum Inhalt
 

Evaluation der Behandlungsergebnisse einer psychiatrischen Aufnahmestation

HINTERGRUND: Qualitätssicherung und Qualitätsmonitoring erlangen in allen Bereichen der Medizin zunehmend an Bedeutung, und auch die Psychiatrie muss sich in all ihren Aufgabenbereichen diesen Fragen stellen. Im deutschsprachigen Bereich liegen für den vollstationären Bereich der psychiatrischen Versorgung bisher nur wenige Studien zur Evaluation von Behandlungsergebnissen, -strukturen und -prozessen vor, welche sich zumeist auf einzelne Diagnosegruppen beschränken. Ziel der vorliegenden Studie war, ein Instrument zu entwickeln, um die Behandlungsqualität auf den Regelstationen einer nach dem Sektorprinzip arbeitenden psychiatrischen Klinik zu evaluieren. Ein wesentlicher Aspekt war hierbei die Erfassung der gesamten Patientenpopulation unter Einbezug aller Diagnosegruppen. METHODE: Mittels einer explorativen Feldstudie wurden anhand eines eigens entwickelten Evaluationssystems Behandlungsverläufe von Patienten erfasst. In unserer Untersuchung wurden als Ergebnisindikatoren neben Psychopathologie und psychosozialem Funktionsniveau auch Gewaltanwendung von Seiten des Patienten, Zwangmaßnahmen, Suizidversuche und rechtlicher Status sowie Therapiemotivation des Patienten erfasst. Folgende Instrumentarien wurden eingesetzt: Brief Psychiatric Rating Scale (BPRS), Hamilton Depression Rating Scale (HAMD), Global Assessment of Function (GAF), Social and Occupational Functioning Assessment Scale (SOFAS) und die Symptom-Checkliste SCL-9. ERGEBNISSE: Ein wichtiges Ergebnis der vorliegenden Studie ist, dass die zur Messung der Behandlungsqualität im Hinblick auf Psychopathologie und soziales Funktionsniveau eingesetzten Instrumentarien (BPRS, HAMD, GAF) über alle Diagnosegruppen hinweg eine potentielle Veränderung signifikant abbilden. Die Differenzwerte T1 – T2 betrugen für BPRS 6,6 ± 6,9 (p = 0,019), HAMD 5,1 ± 8,1 (p = 0,029) und GAF −5,5 ± 10,1 (p = 0,028). 32% aller Patienten wurden vollständig erfasst; von den im selben Zeitraum behandelten Migranten wurden signifikant weniger vollständig erfasst (17,4%, p = 0,067). DISKUSSION: Behandlungsergebnisse lassen sich mit dem vorgestellten Datenerhebungsinstrument einfach erfassen, so dass die Befunde in die therapeutische Arbeit zurückfließen können.

Anja Wilkening, Michael Zeschky, Marc Ziegenbein, Hans Pfefferer-Wolf, Elke Harms, Gudrun Lübbe, Renate Bläsing, Matthias Albert, Wielant Machleidt, Iris Tatjana Calliess, Wiener klinische Wochenschrift

Volltext dieses Beitrags / entire article auf SpringerLink

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben