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Genetische Faktoren bei Suizid: ein systematischer Überblick der Zwillingsstudien

HINTERGRUND: Übereinstimmende Befunde aus einer Vielzahl von Forschungsdesigns (Adoptions-, Familien-, Migranten- und Zwillingsstudien sowie Genom-Scans, familiennamenbasierte, geografische und molekulargenetische Studien) weisen auf eine Beteiligung genetischer Risikofaktoren für Suizid hin. Dieser Beitrag bietet einen ausführlichen und aktuellen Überblick über die zu diesem Thema vorhandenen Zwillingsstudien. METHODEN: Über extensive Literatursuche wurden insgesamt 32 Studien (19 Fallberichte, 5 zwillingsregisterbasierte Studien, 4 populationsbasierte epidemiologische Studien, 4 Studien überlebender Ko-Zwillinge) eruiert, die hier zusammengefasst und diskutiert werden. Dieses Literaturkorpus wurde zwischen 1812 und 2006 in 6 verschiedenen Sprachen publiziert und enthält Daten aus 13 Ländern. ERGEBNISSE: Eine Meta-Analyse aller zwillingsregisterbasierten Studien und aller Fallberichte aggregiert zeigt, dass eineiige Zwillinge signifikant häufiger für Suizid konkordant sind als zweieiige Zwillinge. Ausschließlich psychosoziale Erklärungen für diesen Befund werden durch die Ergebnisse von Ko-Zwillingsstudien ausgeschlossen. Populationsbasierte epidemiologische Studien zeigen einen signifikanten Beitrag genetischer Faktoren (geschätzte Heritabilität: 30–55%) für den weitergefassten Phänotyp suizidalen Verhaltens (Suizidgedanken, Suizidpläne, Suizidversuche), der für die verschiedenen Typen suizidalen Verhaltens weitgehend überlappt und von der Vererbung psychiatrischer Erkrankungen weitgehend unabhängig ist. Effekte nicht-geteilter Umwelt (persönliche Lebenserfahrungen) tragen ebenfalls substantiell zum Risiko für suizidales Verhalten bei, nicht jedoch Effekte geteilter Umwelt (Familie). SCHLUSSFOLGERUNG: Die Gesamtheit der Befunde aus Zwillingsstudien zu Suizid legt sehr deutlich eine Beteiligung genetischer Faktoren an der Anfälligkeit zu suizidalem Verhalten nahe. Beschränkungen der Zwillings-Methode, Mängel der Literatur und weitere Punkte werden zur Förderung des Forschungsfortschritts in diesem Bereich ausführlich diskutiert (u.a.: Bias-Quellen und Leerstellen in der Literatur, Fehler in früheren Überblicksarbeiten, Alters- und Geschlechtseffekte sowie Zwillingsbesonderheiten bezüglich Suizidrisiko, wissenschaftsgeschichtlicher Kommentar).

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