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Verarbeitungsstrategien von Ersthelfern nach einem Terroranschlag: Sechs Monats-Follow-Up bei Londoner Rettungsdienstpersonal nach dem 7. Juli 2005

GRUNDLAGEN: Die emotionalen Reaktionen von Rettungsdienstpersonal bei einem Einsatz während eines terroristischen Anschlages sind bislang nur unzureichend im Verlauf betrachtet worden. Untersucht wurde, wie die Retter emotional auf die Attentate reagieren und ob und wie sich diese emotionalen Reaktionen sechs Monate nach dem Einsatz verändern. Zudem wurde der Einfluss dieser Reaktionen auf ihre Lebensqualität, die körperlichen Beschwerden und Depressivität untersucht. METHODIK: 14 Notärzte und 5 Rettungsassistenten wurden im Durchschnitt 14 Tage und ein zweites Mal sechs Monate nach den Londoner Terroranschlägen vom 7. Juli 2005 interviewt. Die Interviews wurden mittels Gottschalk-Gleser-Sprachinhaltsanalyse zur Messung von Affekten ausgewertet. ERGEBNISSE: Über die Hälfte der Rettungsdienstmitarbeiter berichteten über hohe Angstlevel, fast alle über hohe Todesangstlevel. Bei etwa der Hälfte zeigte sich eine erhöhte psychische Beanspruchung durch Angst und Aggressivität (im Amerikanischen Original: Feindseligkeit nach innen gerichtet), eine beeinträchtigte Lebensqualität und eingeschränkte Sozialbeziehungen. Die Ängste verminderten sich in den folgenden sechs Monaten. Eine Veränderung der Aggressivität trat nicht ein. Dagegen erhöhte sich die Hoffnung und verminderte sich die Depressivität. Tendenziell verbesserte sich die Lebensqualität über diesen Zeitraum. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Einsätze bei Terroranschlägen sind für Rettungsdienstpersonal in Bezug auf Angst, Aggressivität, Lebensqualität und Sozialbeziehungen herausfordernd. Wir fanden überwiegend günstige Verläufe dieser Affekte nach sechs Monaten. Es scheint so, dass diese positive Verarbeitung durch die Ermutigung von informell organisierten Copingprozessen in der Gruppe des Rettungsdienstpersonals unterstützt wird.

Wolfgang Meyer, Hendrik Berth, Luke Solomons, Frank-Gerald Pajonk, Friedrich Balck, Wiener Medizinische Wochenschrift 11/12/2009

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