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Emanzipation + Stress = krank

Haushalt, lebhafte Kinder und zusätzlich ein anspruchsvoller Job. Von Frauen wird heutzutage alles gefordert – im Sinne des Multitasking der Powerfrau oft auch alles gleichzeitig. Ist der Stress ohne Hilfe nicht mehr zu bewältigen, entwickeln überforderte Frauen nicht selten eine Depression.

Statistisch erkranken Frauen etwa zwei- bis dreimal häufiger an einer Depression als Männer. Sind Frauen also anfälliger für depressive Erkrankungen? Das genetische Risiko für Depressionen unterscheidet sich nur unwesentlich zwischen den Geschlechtern. Auch die weiblichen Hormone scheinen das Depressionsrisiko nicht zu beeinflussen. Wie kommt es dann zu der auffällig erhöhten Depressionsrate bei Frauen? Ergebnisse aus 20 Jahren Forschung lassen vermuten, dass vor allem sozialer Stress, emotionale Stressbewältigung und steigende gesellschaftliche Belastung die weibliche Depression bedingen.

Frauen grübeln, Männer kämpfen

Stress stellt eine entscheidende Ursache für Depressionen dar, wenn er nicht ausreichend verarbeitet werden kann. Frauen sind vor allem für Stress anfällig, wenn er aus engen sozialen Bindungen erwächst. Sie reagieren auf diese emotionale Belastung mit kommunikativen Strategien, aber auch mit Selbstbeschuldigung und Grübeln. In diesem Zusammenhang können Depressionen entstehen. Seit dem letzten Jahrhundert setzen neu entstandene Stressquellen Frauen zunehmend unter Druck. Dazu gehört die Mehrfachbelastung der erwerbstätigen Frau durch Hausarbeit und Kindererziehung. Alleinerziehende Mütter sind daher ganz besonders gestresst und depressionsgefährdet.
Auch Männer leiden unter Depressionen. Zunehmende Arbeitsplatzunsicherheit und Arbeitslosigkeit sowie fehlende Anerkennung und niedriger Status sind enorme Stressquellen für einen Mann. Ebenso die erhöhte Eigenständigkeit und Trennungsbereitschaft der Frauen belastet Männer schwer. Auf chronischen Stress reagieren Männer mit dem typischen „fight or flight“. Sie tendieren zu Alkoholmissbrauch, Aggressivität, kardiovaskulären Erkrankungen und Selbstmord. Die männliche Suizidrate übersteigt die der Frauen mindestens um das Dreifache. Warum ist die Depressionsrate der Männer dann nur halb so hoch wie die der Frauen? Aus Angst, Schwäche zu zeigen, nehmen viele depressive Männer keine professionelle Hilfe in Anspruch. Die Krankheit bleibt somit häufig unerkannt und unbehandelt.

Quelle: www.springer.com
Der ungekürzte Originalbeitrag erschien in Der Gynäkologe 5/2008 © Springer Medizin Verlag.

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