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Physikalische Medizin/Rehab 20. Februar 2008

Auf den Grund gehen

Probleme beim Gehen betreffen immer mehr Menschen: Früh erkannt, kann erfolgreich gegengesteuert werden. Die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung und therapeutische Übungen helfen dabei.

Zum vierten Mal findet heuer der Rehabilitationstag im Wiener Rathaus statt (Termin: 29. Februar), eine Publikumsveranstaltung, ähnlich dem Rheumatag. Thema der parallel laufenden Fortbildung für Ärzte sind in diesem Jahr Gangstörungen. Prof. Dr. Tatjana Paternostro-Sluga, die Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation, sprach mit der Ärzte Woche über die vielen möglichen Ursachen der immer häufiger werdenden Gangstörungen, wie wichtig die richtige Beratung der Patienten ist und darüber, dass den Körper in Bewegung zu halten so wichtig wie Zähneputzen ist.

Was fällt unter den Begriff Gangstörungen?
Paternostro-Sluga: Gangstörungen beeinträchtigen die Motorik und die Mobilität, und sie können viele Ursachen haben bzw. die Folge vieler Krankheiten sein. Oft wirken auch mehrere Ursachen zusammen, beispielsweise wird durch Osteoporose die Wirbelsäulenstatik verändert, dadurch werden Gelenke anders belastet, etwa das Knie oder das Sprunggelenk, wo es dann zu Beschwerden kommt. Zusätzlich kann noch eine Polyneuropathie vorliegen. Das Parkinsonsyndrom kann sich mit der Zeit ebenfalls auf die Wirbelsäule und auf verschiedene Gelenke auswirken. Manchmal sind die Ursachen im Einzelnen gar nicht feststellbar.

Wie viele Patienten betrifft diese Problematik?
Paternostro-Sluga: Genaue Zahlen gibt es nicht, wir können aber mit Sicherheit sagen, dass Gangstörungen häufiger werden. Das liegt einerseits daran, dass die Menschen älter werden und gewisse Beschwerden durch den Alterungsprozess begründet sind. Andererseits überleben durch die Fortschritte der modernen Medizin Patienten mit schweren Erkrankungen – allerdings mit gewissen Beeinträchtigungen. Dazu kommt, dass alte Menschen früher im familiären Verband noch öfter spazieren gingen oder eine kleine Runde im Garten drehten. Das fällt heute weg, die meisten älteren Menschen sind allein in ihrer Wohnung.

Wie läuft die Behandlung ab?
Paternostro-Sluga: Es ist wichtig, die Menschen für die Problematik zu sensibilisieren, dafür, dass sie selbst auf Defizite achten. Der Arzt sollte im Gespräch immer nach Stürzen fragen, Stürze sind oft ein Symptom einer Gangstörung. Zudem gibt es spezielle Funktionstests, die auch in der Praxis des Allgemeinmediziners und sogar von den Patienten selbst durchgeführt werden können. Die Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation der MedUni Wien hat beim Rehabilitationstag einen Stand, wo solche Funktionstests vorgestellt werden. Was die Therapie betrifft, so muss einerseits die Grunderkrankung, die die Gangstörung verursacht, behandelt werden. Andererseits helfen klassische bewegungstherapeutische Techniken oder Tai Chi. Und es ist wichtig, die Patienten hinsichtlich der richtigen Gehhilfe zu beraten.

Bei den meisten Menschen ist es doch so, dass sie Bewegungsübungen eine Zeitlang durchführen, dann aber nach und nach wieder damit aufhören. Welche Tipps gibt es denn zur Motivationssteigerung?
Paternostro-Sluga: Die Übungen sollten in den Alltag integrierbar sein. Auch ist es wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass die Menschen darauf achten, insgesamt körperlich aktiv zu bleiben, Treppen zu steigen, spazieren zu gehen. Bewegung sollte selbstverständlich wie Zähneputzen sein.

Gangstörungen in der Rehabilitation
Freitag, 29. Februar 2008
8.45–13 Uhr
Wiener Rathaus, Nordbuffet
Infos und Anmeldung:
www.medevent.cc/PDF/Programm_ Gangstoerungen.pdf

Elisabeth Tschachler-Roth, Ärzte Woche 8/2008

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