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Vulkanisches Gas hält die Gefäße auf Trab

Vulkanquellen machen Bad Schönau zu einem ganz besonderen Kurzentrum. Das Wasser hat einen extrem hohen CO2-Gehalt – der sich günstig auf Gefäßleiden auswirkt.

 Heilwasser-Becken
Das Heilwasser ist zur Therapie aller Durchblutungsstörungen hoch geeignet.

Foto: Gesundheitsressort KÖNIGSBERG

Man suchte nach Kohle und fand eine Heilquelle. Sie macht Bad Schönau in der Buckligen Welt zu einem der führenden Therapie- und Kurzentren für Gefäßkrankheiten. Damals, das heißt vor dem Ersten Weltkrieg, wurde dem „Säuerling“ kaum Bedeutung geschenkt. Erst 1950 ergaben erste Untersuchungen, dass die Quelle nicht nur Kohlensäurewasser enthält, sondern auch große Mengen von CO2. Die Quellen, Kalzium-Magnesium-Sulfat-Hydrokarbonat Mineralsäuerlinge, kommen aus einer Tiefe von über 400 Metern und stammen aus unter der Erdoberfläche erstorbenen Vulkanen. „CO2 ist ein farbloses, geruchsfreies Gas, das in Bad Schönau mit einer 92-prozentigen Reinheit in einer Quelle aufgefangen wird und wegen der hohen Konzentration für die Balneologie besonders geeignet ist“, erklärt der Internist Dr. Johannes Schuh, der zusammen mit seinem Ärzteteam vor allem Patienten mit Gefäßleiden im Gesundheitsressort Königsberg in Bad Schönau betreut.

Physiologische Grundlagen

Kohlendioxid nimmt unter allen natürlichen Heilvorkommen eine Sonderstellung ein: Es ist sowohl ein therapeutisch einsetzbares Kurmittel als auch ein Produkt des physiologischen Stoffwechsels. Im Organismus entsteht CO2 als ein Endprodukt des oxidativen Zellstoffwechsels. „Das in Geweben und Organen physiologisch produzierte CO2 ist eines der wichtigsten Steuerungshebel für die lokale Durchblutung. Während der Behandlungen verbessert das durch die Haut aufgenommene CO2 die Sauerstoffbindung an das Hämoglobin, wodurch das Gewebe besser mit Sauerstoff versorgt wird“, erklärt Gefäßspezialist Schuh. Eine Erhöhung der CO2-Konzentration begünstigt die Sauerstoffabgabe an die Zellen. Daraus lässt sich auch die heilende Wirkung bei Durchblutungsstörungen erklären.
Eine typische Indikation für eine CO2-Therapie ist die so genannte Schaufensterkrankheit. Hinter dem harmlosen Namen verbirgt sich die gefährliche periphere Arterielle Verschlusskrankheit, pAVK. Dazu der medizinisch-wissenschaftliche Leiter des Gesundheitsressorts Königsberg, Prof. Dr. Erich Minar, Universitätsklinik für Innere Medizin am AKH Wien: „Bei den 50-Jährigen hat sie jeder zehnte, bei den über 80-Jährigen schon jeder dritte, in ganz Österreich dürfte es etwa 300.000 Betroffene geben. Wer an dieser Krankheit leidet, hat im Vergleich zum Gesunden eine um zehn Jahre verkürzte Lebenserwartung! Dabei kann mit einer einfachen Ultraschall-Untersuchung die Diagnose rasch erstellt werden. Je früher die Behandlung einsetzt, umso besser.“
Noch häufiger sind Venenschädigungen, man rechnet, dass etwa 90 Prozent aller Männer und Frauen irgendwann in ihrem Leben Venenprobleme haben. „CO2-Therapien erweitern die Arterien und straffen die Venen, der Blutkreislauf wird angeregt“, weiß Schuh.
Eine besonders schonende Anwendung ist das CO2-Trockengasbad. Der Kurgast sitzt in normaler Kleidung bequem in einem geschlossenen Raum, in dem das CO2-Trockengas eingeleitet wird. Schon nach wenigen Minuten verspürt er ein angenehmes Wärmegefühl, das Gas dringt durchdringt Kleidung und Haut und erweitert die Gefäße. Das Gas bleibt in Unterschenkelhöhe, die Behandlung geschieht freilich unter Kontrolle, da ein Einatmen von CO2, das ja auch als „Kellergas“ bekannt ist, schädigend wirkt. Noch intensiver wirkt das Kohlensäurewannenbad. Das Gehtraining im CO2-Heilwasser-Gegenstrombecken, einzigartig in Mitteleuropa, ist für alle Durchblutungsstörungen und zur Nachsorge von Schlaganfällen geeignet.

Auch für Trinkkuren

Das CO2-hältige Wasser eignet sich ebenfalls für Trinkkuren, da es im Magen-Darmtrakt eine Hyperämie der Mukosa hervorruft und die gastralen Sekretionsvorgänge steigert. Auch die desinfizierende Wirkung des Wassers wird genützt – vor allem zur Behandlung von Ulcera bei Diabetikern und Venenkranken. „Wir bieten für die Patienten ein Wundmanagement an, das von einer speziell ausgebildeten Pflegeschwester durchgeführt wird“, erklärt Schuh. Darüber hinaus steht ein erfahrenes Team von Therapeuten zur Verfügung, das über Ausbildungen in Physioakupunktur, Lymphdrainage, Massagetechniken, Venengymnastik und Gefäßtraining verfügt.
Vor Beginn jeder Behandlung werden eine genaue Anamnese und eine ärztliche Untersuchung vorgenommen. „Wir wollen jedes Risiko ausschalten, sind aber, falls es doch zu einem Zwischenfall kommen sollte, mit den umliegenden Krankenanstalten vernetzt“, betont der medizinische Leiter Schuh.
Zu den Kurangeboten zählt auch die Naturküche des Hauses, die mit der „Grünen Haube“ ausgezeichnet wurde und nicht nur kalorienbewusst „grün“ ist, sondern auch schmackhafte Gerichte anbietet.
Das Gesundheitsressort Königsberg ist Vertragspartner der Pensionsversicherungsanstalt und der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft für einen dreiwöchigen Kuraufenthalt.

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