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Starker Auftrieb

Von Prof. Dr. Wolfgang Marktl, Wien

Überschreitet der Kochsalzgehalt in Heilwässern einen Wert von 14g/l, so wird von einer Sole gesprochen. Neben Kochsalz können diese Wässer noch verschiedene andere wirksame mineralische Inhaltsstoffe enthalten, wodurch ihre Wirkungen modifiziert werden. Kochsalzwässer und Sole können aus erbohrten unterirdischen Salzwässern stammen oder durch Auslaugen von unterirdischen Salzlagern gewonnen werden. Diese Heilwässer finden sich daher in Österreich vorwiegend, allerdings nicht ausschließlich, im Salzkammergut.
Bezüglich des Wirkungsmechanismus dieser Wässer besteht die Vorstellung, dass durch das Salz Veränderungen des Wasser- und des Wärmehaushalts in der Haut ausgelöst werden, die über den Nervenweg in das Körperinnere übertragen werden. Es muss allerdings festgehalten werden, dass es sich dabei um sehr milde Reize handelt. Aus diesem Grund können Kochsalzwässer und Solen auch bei solchen Erkrankungen eingesetzt werden, bei denen reizstärkere Heilwässer wie z.B. Schwefelthermalwässer zu unerwünscht starken Reaktionen führen könnten.
Der Einsatzbereich und die Anwendungsformen für diesen Heilwassertyp weisen einen relativ breiten Streuungsbereich auf. So werden diese Wässer in Form von Wannen- oder -bewegungsbädern, Inhalationen und manchmal auch in Form von Trinkkuren eingesetzt. Bei der Anwendung in Form von Wannenbädern kann der im Salzwasser stärker ausgeprägte Auftrieb genutzt werden, weswegen sich diese Heilwässer besonders gut für die Zwecke der Unterwasserbewegungstherapie eignen. Inhalationen mit Kochsalzwässern werden bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen der Atemwege eingesetzt. Heilanzeigen für Wannen- und Bewegungsbäder betreffen die verschiedenen Erkrankungen des Bewegungsapparates degenerativer und rheumatischer Genese.
Ein Vorteil der Solebäder besteht bei den rheumatischen Erkrankungen darin, dass die reizmilde Sole auch bei jenen chronisch-entzündlichen Formen angewendet werden kann, bei denen in reizstärkeren Heilwässern wie z.B. den Schwefelwässern zu starke Badereaktionen auftreten können, die mitunter sogar zum Therapieabbruch führen. Daraus kann auch abgeleitet werden, dass die Verordnung eines geeigneten Heilwassers jeweils individuell erfolgen sollte.
Im Gegensatz zu anderen Heilwässern wird die Salzkonzentration der Sole an die Art der Anwendung angepasst. So werden für Bäder Solewässer mit einer Konzentration von zwei bis sechs Prozent, bei Inhalationen hingegen kommen hingegen 0,9- bis dreiprozentige Solen zur Anwendung. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass weitere Heilanzeigen für Solebäder bestimmte Frauenkrankheiten, funktionelle Herz-Kreislauf-Störungen, Durchblutungsstörungen, Lähmungen und allgemeine Rekonvaleszenz sind. Die Wirkungen der Sole gehen nicht nur vom Kochsalz aus, sondern werden auch von verschiedenen weiteren Inhaltsstoffen wie Magnesium, Jod oder CO2 modifiziert.

Kontakt: Kontakt: Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Marktl, Zentrum für Physiologie und Pathophysiologie der Medizinischen Universität Wien
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