zur Navigation zum Inhalt
 

Welches Instrument ist besser geeignet, die gesundheitsbezogene Lebensqualität zu erfassen? – Vergle

HINTERGRUND: Die rezente Literatur zur Rehabilitationsforschung beschreibt eine neue Kategorie von Outcome-Maßen, die so genannten "patientreported outcomes" (PROs), die als Überbegriff für unterschiedliche Maße wie Symptomstärke, Behandlungszufriedenheit, hauptsächlich aber gesundheitsbezogene Lebensqualität (Health-related Quality of Life, HrQoL) verwendet werden. Aufgrund einer schier unüberschaubaren Menge an Neuentwicklungen im Bereich der HrQoL ist es nicht immer leicht, das passende bzw. beste Instrument für outcome-orientierte Studien auszuwählen. Die zwei am häufigsten eingesetzten Fragebögen zur Erhebung der HrQoL, Nottingham Health Profile (NHP) und MOS Short-Form-36 Health Survey (SF-36), wurden von uns auf ihre diesbezügliche Einsatzfähigkeit im gerontologischen Bereich geprüft und verglichen. METHODIK: Einem Sample von aktiven "Seniorenturnern" (Durchschnittsalter 68 Jahre) wurde eine "jugendliche" Kontrollgruppe (Durchschnittsalter 36 Jahre) gegenübergestellt. Beide Gruppen wurden gebeten, die beiden Fragebögen auszufüllen und danach auf einer Visuellen Analogskala (VAS) eine Bewertung abzugeben, inwieweit ihrer Meinung nach jedes der beiden Instrumente für den Einsatz in einer wissenschaftlichen Studie geeignet erscheint. ERGEBNISSE: Während die Kontrollgruppe generell die SF-36 bevorzugte und signifikant besser als den NHP bewertete, schnitten die beiden Erhebungsinstrumente bei der Gruppe der Seniorenturner auf gleichem Niveau gut ab. Jüngere Versuchspersonen lehnten insbesondere die Itemformulierungen (alle negativ ausgerichtet) sowie das dichotome Antwortformat des NHP ab (läßt nur ja- vs. nein-Antworten zu, im Gegensatz zur SF-36, die unterschiedliche mehrfach abgestufte Antwortmöglichkeiten vorgibt), während von älteren Personen gerade diese reduzierten Antwortmöglichkeiten als Vorteil empfunden wurden. SCHLUSSFOLGERUNG: Die Entscheidung für oder gegen ein Erhebungsinstrument sollte, abgesehen von der Beurteilung der Gütekriterien, immer individuell auf Basis der Charakteristika der einzubeziehenden Versuchspopulation getroffen werden. Bei älteren Patientenpopulationen mit einem stärkeren Niveau an Symptomatik kann die Entscheidung trotz aller Argumente dagegen (eingeschränktes Antwortformat, Floor-Effekte, geringere Häufigkeit des Einsatzes) durchaus zugunsten des Nottingham Health Profile ausfallen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben