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Physikalische Medizin zum Nachschauen

Erstmals sind die wissenschaftlichen Wirkungszusammenhänge für die physikalische Medizin übersichtlich und elektronisch erschlossen: Wobei sie hilft und wie sie wirkt.

Mit Kälte, Wärme, Bewegung, Strom, Ultraschall und vielen anderen Dingen gegen zahllose Beschwerden und Erkrankungen: Kaum ein Feld der Medizin ist so vielfältig wie die physikalische Medizin. Randomisierte doppeltblinde klinische Studien sind oft schwer durchzuführen, was auch manchmal Kritik hervorruft. Dem tritt die Österreichische Gesellschaft für physikalische Medizin und Rehabilitation (ÖGPMR) jetzt mit einem umfassenden Informationsangebot im Internet entgegen.

Von der Diagnose zur Therapie und retour

„In Zeiten, in denen bewährte Diagnose- und Behandlungsmethoden kritisch hinterfragt werden, sind wissenschaftlich fundierte Nachweise der Wirksamkeit besonders wichtig“, erklärt Johannes Steinhart, Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte. "Es geht uns darum, dass der Patient das bekommt, was ihm hilft. Das System kann aber auch ein 'Tool' für diejenigen sein, welche die Planung vornehmen.“

Die Bedeutung der physikalischen Medizin und ihre Wirksamkeit in Kombination von mehreren Methoden wurde beispielsweise in einer Studie von Experten der MedUni Wien am AKH und des Hanusch-Krankenhauses eindeutig belegt. Der Standesvertreter: "Bei 114 Patienten mit muskuloskelettalen Erkrankungen zeigte sich bei 41 Prozent bereits nach der ersten Therapieserie eine deutliche Besserung der Schmerzen, die Beweglichkeit konnte um 34 Prozent gesteigert werden." Die Lebensqualität wurde schon nach zehn Anwendungen von 27 Prozent der Patienten als besser bewertet. 61 Prozent der Probanden benötigten keine (Schmerz-)Medikamente mehr.

Online-Orientierungshilfe für Ärzteschaft

Der Information aller Interessierten dient ab jetzt die Homepage http://www.orientierungshilfe-pmr.at/, auch abrufbar über http://www.oegpmr.at/. Anton Wicker, Präsident der ÖGPMR: "Es wurde eine Online-Orientierungshilfe entwickelt, bei welchen Diagnosen welche Therapien erfolgen können. Gleichzeitig wird angegeben, wie es beim Wirksamkeitsnachweis aussieht und wie aussagekräftig die Studien sind.

Die von der ÖGPMR erarbeitete Orientierungshilfe ist einfach und intuitiv zu bedienen – einer Diagnose, z.B. Rückenschmerz, werden per Mausklick die wirksamsten physikalischen Therapien zugeordnet, der wissenschaftliche Nachweis kann ebenfalls problemlos nachgeschlagen werden. Anhand der verlinkten Studien könne nachgeprüft werden, welche wissenschaftlichen Belege es für die Wirksamkeit einer Therapie in Zusammenhang mit der diagnostizierten Krankheit gebe und wie aussagekräftig diese Studien seien, führt Wicker aus.

Gezielte Gesundungsplanung

Wicker: „Nehmen wir an, ein Patient leidet unter Arthrose des Kniegelenks – einer so genannten Gonarthrose. In diesem Fall reichen wenige Klicks auf unserer Website, um dem Arzt zu zeigen, dass es eine Fülle möglicher Therapien wie Einzelheilgymnastik, Elektrotherapie für Schmerzreduktion und Muskelaufbau, Kälteanwendungen oder auch Ultraschalltherapie gibt.“ So wirke etwa eine Ultraschalltherapie Schmerz lindernd und deeskaliere den Reizzustand, Heilgymnastik mobilisiere und kräftige. Dabei richte sich die Art der zu wählenden Therapie nach der Diagnose. Bei Rückenschmerzen könne beispielsweise eine Kombination aus Ultraschall, Massage, Wärmetherapie und Elektrotherapie binnen kürzester Zeit den Schmerz und die Bewegungseinschränkung nachhaltig beseitigen, erklärte der Experte – ohne, dass der oder die Betroffene zusätzlich Schmerzmittel benötige.

Für die Gesundheitsplanung sei das neue Online-Tool von großer Bedeutung, da es die Arbeit künftig deutlich erleichtern werde. Nach der Orientierungshilfe Radiologie liege somit auch für die physikalische Medizin ein wichtiger Behelf vor, so Steinhart und Wicker abschließend.

Zahlen und Fakten

-       Für die Entwicklung der Online-Orientierungshilfe wurden über 600 Studien, Reviews und Metaanalysen gesichtet und mit den einzelnen Therapiemöglichkeiten bzw. ICD 10-Diagnosen gemäß Musterkatalog der wissenschaftlichen Fachgesellschaft digital verknüpft.

-       An der Erstellung der Inhalte waren vorwiegend die Fachärzte für physikalische Medizin und allgemeine Rehabilitation,  Prof. Dr. Richard Crevenna, Dr. Mohammed Kheilani und Prof. Dr. Otmar Schuhfried, Medizinische Universität Wien, beteiligt.

-       Allein in den Wiener Ordinationen werden jährlich 60.000 Patienten physikalisch behandelt. Österreichweit werden jährlich etwa 71.000 Fälle bei 26 Vertragsärzten (Ordinationen) in Wien und Kärnten verzeichnet, in den übrigen Bundesländern gibt es derzeit keine Vertragsärzte. Ein Großteil der Patienten wird in physikalischen Instituten und Kureinrichtungen behandelt, hierzu liegen derzeit aber keine Zahlen vor.

-       In ganz Österreich waren mit Juli 2012 294 Fachärzte für physikalische Medizin registriert, davon 159 im niedergelassenen und 135 im angestellten Bereich.

Quellen: apa, Presseaussendung Verlagshaus der Ärzte GmbH

Verlagshaus der Ärzte GmbH/apa/CL, springermedizin.at

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