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Physikalische Medizin/Rehab 18. Dezember 2008

Lymphödeme erkennen lernen

Informierte Patientinnen können nach der Brustkrebstherapie dauerhafte Probleme vermeiden.

Möglichst schonende Behandlungen bevorzugen, aktiv bleiben und die Warnzeichen für ein Lymphödem kennen: Laut dem deutschen Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) können Brustkrebspatientinnen auf diese Weise einem Lymphödem vorbeugen.

 

Die Brustkrebstherapie ist heute wirksamer als früher: Einer deutschen Statistik gemäß überleben über 80 Prozent der Betroffenen die Erkrankung. Da die Überlebensrate steigt, wird die Lebensqualität umso wichtiger, so das IQWiG. Nach einer Brustkrebsbehandlung entwickelt sich jedoch nicht selten durch die Schädigung des Lymphsystems ein Lymphödem. Begreiflich, dass Patientinnen sich vor einer Chronifizierung und einer somit erschwerten Behandlung fürchten.

„Frauen, die nach einer Brustkrebsbehandlung körperlich aktiv waren, zeigten kein erhöhtes Lymphödem-Risiko.“

Das Risiko für ein Lymphödem ist umso höher, je aggressiver die Brustkrebsbehandlung ist. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schätzen, dass etwa 400.000 Frauen in Deutschland aufgrund einer Krebstherapie ein Lymphödem entwickelt haben.

Zwei Schritte gegen Ödeme

„Selbst wenn weniger aggressive Verfahren eingesetzt werden, entwickeln zehn bis 20 Prozent der Frauen ein Lymphödem“, so der Leiter des IQWiG, Prof. Dr. Peter Sawicki. „Wir Ärztinnen und Ärzte unterschätzen immer noch, welchen Einfluss unerwünschte Behandlungswirkungen wie ein Lymphödem auf die Lebensqualität der Patientinnen haben. Der erste Schritt zur Vorbeugung wäre es, eine Therapie zu wählen, die die Schädigung des Lymphsystems in Grenzen hält.“ Der zweite Schritt auf dem Weg zu einer besseren Lebensqualität ist, aktiv zu bleiben.

Bewegung bedeutet Lebensqualität

Über viele Jahre hinweg ist den Frauen nach einer Brustkrebsoperation jedoch geraten worden, ihren Arm nicht zu belasten und mit körperlichen Aktivitäten vorsichtig zu sein. Professor Sawicki: „Die althergebrachten und pauschalen Warnungen, Frauen müssten ihren Arm schonen, um kein Lymphödem zu entwickeln, haben keine stabile wissenschaftliche Grundlage.

Tatsächlich haben Studien mit Frauen, die nach einer Brustkrebsbehandlung körperlich aktiv waren, gezeigt, dass dies ihre Lebensqualität steigern kann, ohne das Risiko für ein Lymphödem zu erhöhen.“

Allerdings ist es wichtig, dass Frauen lernen, wie sie ein beginnendes Lymphödem erkennen und wie sie möglichst früh etwas dagegen unternehmen können. „Ein Gefühl von Schwere und Wärme sowie eine Schwellung des Arms – wenn Frauen in den ersten Jahren nach ihrer Brustkrebstherapie solche Anzeichen bemerken, müssen sie rasch handeln“, sagt Prof. Dr. Sawicki. „Im frühen Stadium ist ein Lymphödem einfacher zu therapieren als später.“ Nach bisherigem Wissen hilft bei einem Lymphödem eine Kompressionstherapie mit Bandagen oder speziellen (Arm-)Strümpfen. Eine spezielle Massagetechnik, die Lymphdrainage, und physiotherapeutische Übungen könnten ebenfalls unterstützend wirken; dies ist jedoch nicht so gut untersucht. Über Lymphödeme und ihre Behandlung können sich Interessierte auf der IQWiG-Website gesundheitsinformation.de informieren.

www. gesundheitsinformation.de

IQWIG/PH , Ärzte Woche

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