zur Navigation zum Inhalt
 
Pflege 27. März 2008

Alt, älter, unterernährt

Ein Großteil der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen isst falsch und zu viel. Dieser Trend erfährt allerdings bei den hoch Betagten und geriatrischen Patienten eine Kehrtwende. Anlässlich des 25. Ernährungskongresses der Diätologen Österreichs, der im März 2008 zweitägig in Wien stattfand, diskutierten Experten über die Bedeutung einer adäquaten Ernährung in geriatrischen Einrichtungen.

Beim diesjährigen 25. Ernährungskongress waren sich alle Experten einig: Österreich braucht aufgrund der demografischen Situation und der damit einhergehenden Multimorbidität der Bevölkerung eine flächendeckende ernährungstherapeutische Versorgung in Akutspitälern und Pflegeeinrichtungen.
„Ein Viertel der älteren beziehungsweise hoch betagten Patienten, die in Krankenhäuser, und ein Drittel jener, die in Pflegeheime aufgenommen werden, ist mit einem Body Mass Index von 22 unzulänglich ernährt“, umriss Prim. Prof. Dr. Franz Böhmer vom Sophienspital, Wien, die Ernährungssituation älterer Menschen in Österreich. Obwohl es nicht verpflichtend ist, Ernährungsscreenings bei der Aufnahme von Personen in Krankenhäuser oder in Pflegeheime vorzunehmen, ist es mittlerweile Standard geworden, diese bei einer Neuaufnahme nach ihren Ernährungsgewohnheiten zu fragen, sie zu wiegen und den Flüssigkeitsstatus zu erheben. Aber ein fachgerechtes Ernährungsscreening mit einer Erhebung der speziellen Bedürfnisse des Einzelnen und darauf abgestimmten ernährungstherapeutischen Interventionen gibt es allerdings selten. Zudem fehlen regelmäßige Gewichtskontrollen, die einer schleichenden Gewichtsreduktion verhindern.

Mangelernährung bei Älteren

„Fast jeder zweite ältere Patient, der in ein Akutspital eingeliefert wird, ist mangelernährt. 70 Prozent davon kommen aus Einrichtungen der Langzeitpflege“, zeigt Prof. Dr. Regine Roller-Wirnsberger von der Universitätsklinik Graz die Dimension des Problems auf. Die Expertin: „Die Nahrung muss zwingend dem Energiebedarf von alten Menschen, ihrem Gesundheitszustand, aber genauso ihren Vorlieben angepasst werden. Auch die Darreichungsform der Speisen muss zur individuellen Person passen, haben ältere Personen doch häufig Kau- oder Schluckbeschwerden.“ Roller-Wirnsberger ist überzeugt, dass eine verbesserte ernährungstherapeutische Versorgung die Verweilzeiten in den Spitälern verkürzen kann.
Wie bei allen Missständen des Gesundheitssystems ist der Grund speziell für diese Problematik das fehlende Geld. Diätologen sind in Pflegeheimen nicht zuletzt aufgrund der vom öffentlichen Gesundheitswesen befürchteten Kosten Mangelware. Interdisziplinäre Ernährungsteams stehen nicht überall zur Verfügung. Einer der Gründe: Leistungen der Ernährungstherapie sind nach wie vor nicht verrechenbar wie etwa Operationen, Verschreiben von Medikamenten oder das Anfertigen von Röntgenbildern.
Dabei spielt Ernährung in der Prävention, aber auch bei der Therapie von Krankheiten eine entscheidende Rolle. Und genauso verhält es sich mit der psychologischen und sozialen Komponente der Ernährung: „Für alte Menschen ist Essen enorm wichtig“, gab die Diätologin Maria Kandlbauer vom Verband der Diätologen zu bedenken, „und oft für sie die einzige Möglichkeit, Kontakte zu pflegen oder ihre sonst sehr eingeschränkte Selbständigkeit zu beweisen.“

Quelle: Presseaussendung des Verbands der Diätologen Österreichs

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben