zur Navigation zum Inhalt
 
Pflege 12. Juni 2008

Selbständigkeit im Alter fördern

Bei alten Menschen ist die physische Mobilität vermindert, was ein selbständiges Leben erschwert. Die Wahrnehmung verschlechtert sich, da die Sinne nachlassen. Kraft und Beweglichkeit nehmen ab, ebenso die kognitiven Fähigkeiten. Vergesslichkeit und Orientierungslosigkeit sind Symptome von Demenz. Diese Menschen benötigen Unterstützung, um würdevoll zu altern. Die Ergotherapie ist eine Maßnahme, die diese Unterstützung leisten kann und in der Geriatrie bereits eingesetzt wird.

Im Hinblick auf die demografische Entwicklung der westlichen Gesellschaften stehe mit der Ergotherapie ein Instrument zur Bewältigung therapeutischer und gesellschaftlicher Herausforderungen zur Verfügung, so der Tenor des Round-Table-Gesprächs am 30. Mai. Gesellschaftlich und gesundheitspolitisch liegt, was das Leben im Alter betrifft, noch vieles im Argen.

Zu Pflegefällen gemacht

„Es gibt keine Übergänge für ältere Menschen vom Krankenhaus wieder nach Hause oder in eine betreute Wohnsituation. Es ist für viele sehr schwierig, sich wieder in ein selbständigeres Wohnen zu integrieren. Das muss dringend verbessert werden“, forderte Dr. Peter M. Bernecker, Vorstand der 1. Internen Abteilung des Geriatriezentrums Baumgarten. Die Geriatrie sei kein Abstellgleis und solle auch keines sein. Noch deutlicher wurde Dr. Elisabeth Preisinger, Vorstand der Physikalischen Medizin und Rehabilitation am Krankenhaus Hietzing mit Neurologischem Zentrum Rosenhügel: „Sturzpatienten werden regelrecht zu Pflegefällen gemacht, wenn sie um 19 Uhr mit einer Windel und wahrscheinlich einem Schlafpulver ins Bett verabschiedet werden. Die wenigsten kommen so wieder auf die Beine. Wir sollten die alten Menschen etwas mehr fordern und weniger überpflegen!“

Unterstützung für Angehörige

Alte Menschen werden von jeder Verletzung verunsichert und neigen dazu, sich zurückzuziehen, sie „werden Unikate“, so Bernecker. Auch aus Sicht der Finanzierbarkeit des Krankensystems gilt es, die Menschen längstmöglich zu Hause zu behalten. Dabei geht nichts ohne die Familie: „Ohne unterstützende Angehörige würde das Pflegesystem sofort zusammenbrechen“, sagte Dr. Christina Wehringer, Leiterin der Medizinischen Fachabteilung im Bundesministerium für Soziales und Konsumentenschutz. Hier setzt die Ergotherapie an, indem sie zielgerichtete Therapien und umfassende Beratung für die Angehörigen bereitstellt. Als Experten für Alltagstätigkeiten helfen Ergotherapeuten den Betroffenen, ihren Alltag wieder zu managen, um so größtmögliche Selbständigkeit zu erreichen. Gemeinsam mit den Patienten werden Therapieziele erarbeitet, die an deren Bedürfnissen und Kompetenzen orientiert sind. Anschließend werden gezielt ergotherapeutische Maßnahmen umgesetzt. So wird beispielsweise die Wohnungsüberprüfung auf Stolpersteine zur Routinemaßnahme, um Risikoquellen zu minimieren.
Die Änderungen in der Altersstruktur stellen Herausforderungen an Mensch und Politik. Die Geriatrie braucht dringend eine Imagepolitur. Die Gesellschaft muss sich mit der „Überalterung“ auseinandersetzen und Entscheidung treffen. Das Üben motorischer und sensorischer Fähigkeiten, das Training der Selbstständigkeit im Alltag und die Schulung sozial-kommunikativer Fähigkeiten kann dazu beitragen, dass alte Menschen weiterhin in den eigenen vier Wänden leben. Für die Patienten bedeutet dies ein Plus an Lebensqualität, für das Sozialsystem Kosteneinsparungen.

Schöflinger, Ärzte Woche 24/2008

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben