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Pflege 17. April 2008

Studie präsentiert über Folgekosten der Raucher

Das Institut für höhere Studien (IHS) präsentierte eine Studie über die staatlichen Folgekosten durch Raucher. Die belaufen sich auf 1,5 Milliarde Euro. Diesen stehen Tabaksteuererträge von 1,09 Milliarden gegenüber.

Schön der Reihe nach: Laut IHS starben 2003 8.560 Österreicher durch direkten Tabakkonsum, das sind immerhin elf Prozent aller Verstorbenen. Hauptkostentreiber sind Arbeitsausfälle mit 1,4 Milliarden Euro; Gesundheitsausgaben von 53,7 Millionen, Pflegegeld und Krankengeld in der Höhe von 35,2 Millionen und Invaliditätspensionen mit 39,9 Millionen Euro schauen im Vergleich niedrig aus. Auf der Ertragsseite führt das IHS noch 45,1 Millionen Euro Pensionseinsparungen an. Schließlich sterben Raucher um fünf Jahre früher.
Während nur wenig von der immer wieder geforderten Zweckwidmung der Tabaksteuer zu merken ist, verteilen sich die Kosten betriebswirtschaftlich gesehen ganz anders als in der volkswirtschaftlich angestellten Milchmädchenrechnung. Die Last der Arbeitsausfälle trägt zum großen Teil die Wirtschaft. Krankenkosten (Arzt, Spital, Medikamente) Pflegegeld und Invaliditätspensionen werden über die Sozialversicherung finanziert und somit via Beiträge der Versicherungsnehmer und Arbeitgeber. So gesehen ist der Staat der Profiteur Nummer 1.
Im Europavergleich belegt Österreich beim Nichtraucherschutz den letzten Platz. Vor fünf Monaten hat die Gesundheitsministerin einen willkommenen Anlass gefunden, eine gesetzliche Regelung weiter hinaus zu schieben. Das Lamento der „Einzimmerlokalbetreiber“, die Umsatzeinbußen von zwei Milliarden an die Wand malen, hat offensichtlich bei ihr ausreichend Eindruck hinterlassen. Dass sie auch Gesundheitsministerin ist, die sich um Raucherschutz und Nichtraucherschutz nachhaltig zu kümmern hätte, dürfte sich bei ihr noch nicht herumgesprochen haben. Oder sollte es sich dabei einfach um den Umstand handeln, dass hier Partei-Interessen vor Ressortnotwendigkeiten gestellt werden?
65 Prozent der Arbeitnehmer im Gastgewerbe sind täglich mehr als fünf Stunden dem Qualm exponiert. Arbeitnehmerschutz klein geschrieben. Groß geschrieben könnte das die neue Sozialpartnerschaft Leitl – Hundsdorfer stören. Und die hat, wie wir ja wissen, derzeit ein ganz wichtiges Projekt: die Gesundheitsreform. Dazu brauchen wir die Kranken: die Raucher und Mitraucher.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 16/2008

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