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Pflege 3. April 2008

Reformidee für das Gesundheitssystem

Gewerkschaft und Wirtschaftsbund haben der Regierung einen Dienst erwiesen. Sie liefern als Reformidee für das Gesundheitssystem brutales Sparen. Drei Milliarden bei den Spitälern sind drin, meint die beratungsresistente BM Andrea Kdolsky.

Die vermeintlichen Sparinstrumente sind rasch gefunden. Wir reduzieren die Vertragsärztezahl und die Spitalsbetten. Bei Letzteren liegen wir sowieso weit (50 Prozent!) über dem EU-Schnitt – neuerdings Maß aller Dinge, wenn es um Nivellierung nach unten geht. Na, mit dem Zusperren von Spitälern wird sich die Ministerin schwer tun. Daran haben sich schon andere versucht und die Zahnderln bei den Landesfürsten ausgebissen. Mittlerweile ist die Sache nicht einfacher geworden, haben doch die meisten Länder ihre Spitäler in eigene Holdings zusammengefasst. Natürlich ohne die Bettenzahl zu verringern. Natürlich ohne die extramurale Infrastruktur zu stärken. Wer will schon auf „geschenktes“ Geld der Sozialversicherungen verzichten? Ein Drittel ihres Budgets dürfen diese an die Spitäler völlig einflusslos abliefern, um dagegen die in den extramuralen Bereich ausgelagerten Leistungen extra bei den Ärzten bezahlen zu dürfen. Da entstehen dann Abgänge! Ein Wunder? Nein – das ist ein geplanter Guerillakrieg mit dem Ziel der Zerschlagung der Kassen mit ihrer Selbstverwaltung und der Liquidierung der freien, niedergelassenen Ärzteschaft.
„Vergesundheitsplattformung“ vom Feinsten. Da bedient sich der Herr Hauptverbands-Vorsitzende Erich Laminger, auch einer aus der Kaste der Gesundheitsreform-Allwissenden, einer Statistik, die von einer gestiegenen Frequenz von Arztbesuchen spricht. Weil nämlich die Patienten mit der wunderbaren e-Card halt einfach öfter zum Onkel Doktor gehen. Und weil die schlimmen Ärzte die Patienten öfter wiederbestellen, um mehr zu verdienen. Da entlarvt sich ein ganz offensichtlich Ahnungsloser. Bei den derzeitigen Honorarordnungen werden diese Folgeordinationen meistens nicht honoriert, und wenn, dann zu einem ruinösen Tarif. Die gute Nachricht für die Herrschaften: Auch wir Ärzte sind für eine Gesundheitsreform. Allerdings für eine andere, als es sich so manche Reform-Quacksalber vorstellen. Und: Ohne Ärzte und Ärztinnen gibt’s kein Gesundheitssystem. Da sind sich selbst alle Mediziner einig. Hoffentlich wird es nicht zu schmerzhaft, dieser Tatsache in die Augen zu schauen.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 14/2008

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