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Pflege 19. März 2008

Hilfeschrei der in Ausbildung befindlichen Ärzte am AKH

Für mehr als 40 Stunden lebensrettender Patientenversorgung werden sie mit 1.420 Euro netto monatlich entlohnt. Eine Gruppe von Ordinarii versteht es inzwischen elegant, den Infrastrukturbeitrag zum größten Teil den Mitarbeitern anzulasten.

Vor drei Tagen bekamen die Leser der auflagenstärksten Tageszeitung in einem offenen Brief zu lesen, welche echten, großen Sorgen die Mehrheit der jungen Ärtinnen und Ärzte im Wiener AKH quälen. Über zwei Millionen Leser konnten sich von der Arbeitssituation der Ärzte in Österreichs größtem Krankenhaus ein Bild machen. Von über 1.600 Ärzten sind mehr als 580 „im Turnus“ – also in Ausbildung. Denen gegenüber steht eine Schar von knapp 600 Habilitierten. Davon mehr als die Hälfte „echte“ Professoren. Unter ihnen die 51 Ordinarii oder Klinikchefs.
Das Kollektiv von Assistenzärzten – alle vor der Beendigung ihrer Facharztausbildung – trägt 80 Prozent der Patientenbetreuung, erfreut sich befristeter Dienstverträge und vieler Überstunden bei beschämender Bezahlung. So wird vorgerechnet, dass bei einer medizinischen Laufbahn von sechs Jahren Studium, drei Jahren Turnustätigkeit und meist jahrelanger unbezahlter Helfertätigkeit noch sechs Jahre Facharztausbildung anstehen. Im Alter von 33 bis 37 Jahren gehören die AKH-Ärzte zwar zu den Top-Medizinern, aber sicher nicht zu den Top-Verdienern. „Unser Lohn: 1.410 Euro netto/Monat (2.420 Euro brutto minus 320 Euro Ärztekammerpflichtbeitrag minus Steuer/Versicherung) für sicherlich mehr als nur 40 Stunden lebensrettender Patientenversorgung“ rechnen die Betroffenen vor. Schlimm, wenn auch nicht ganz so schlimm: Im Turnus mit vier Nachdiensten beträgt das Jahresbruttoeinkommen etwa 56.000 Euro, Fachärzte kommen schon mal auf 66.000 Euro. Auch nicht wirklich berauschend, angesichts des Alters und der Qualifikation.
An den Geldtopf der Klassegelder kommen die „niederen Chargen“ auch nicht wirklich ran. Elegant versteht es eine Gruppe von Ordinarii, den nunmehr seitens der Stadt Wien einseitig beschlossenen Infrastrukturbeitrag zum größten Teil den Mitarbeitern anzulasten. Was dann für den Einzelnen übrig bleibt, wenn eine Teilung der ca. 7,2 Millionen Euro durch 1.500 erfolgt, ist leicht auszurechnen. Zu wenig zum Leben, zu viel zu Sterben.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 12/2008

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