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Pflege 15. Mai 2008

Aut-idem-Regelung - Ein besonderer Geistesblitz

Einer der besonderen Geistesblitze der Gesundheitsreformer ist die Aut-idem-Regelung. Der Arzt verschreibt nur noch den Wirkstoff, der Apotheker sucht dann das Präparat aus.

Die Idee ist gut. Erstens, weil sie von den wirklichen Kennern der Materie kommt – nämlich von den Sozialpartnern. Zweitens, weil die Methode im Ausland schon angewandt wird. Das muss natürlich super sein und auch hierzulande passen, schließlich ist unser Gesundheitssystem so wie jedes andere. Oder doch nicht?
Aut idem betrifft nur jene Wirkstoffe, bei denen es schon Generica gibt. Nach spätestens dem dritten Genericum eines Originalprodukts, das auf den Markt kommt, passt sich der Preis an. Bis dahin bedeutet die Umstellung seitens des Arztes auf ein Genericum eine Kostenersparnis. Dass die Kassenärzte dem Wunsch der Kassen schon lange entsprechen, wird wohlweislich verschwiegen. Zählt man auch noch die annähernd gleichpreisigen Originale dazu, liegt Österreich im Spitzenfeld bezüglich des Anteiles an „Billigverschreibungen“.
Egal. Als Retourkutsche für die Anmaßung von Ärztekammerfunktionären, die Hausapotheken gegenüber der Apothekerkammer zu verteidigen und auch noch das Dispensierrecht für Ärzte zu fordern, sind die Apothekerkammerherren zur Höchstform aufgelaufen. Lenkt doch diese Aktion auf wunderbare Art von ihrem Gebietsschutz und ihren Handelsspannen ab. Der Ruf nach Förderung des (Pseudo-)Wettbewerbs bei den Kassenärzten durch zeitlich begrenzte Verträge und durch Qualitätskontrollen schallt zurzeit nur Richtung Mediziner. Es ist aber höchst an der Zeit, auch mal auf das Tun der pharmazeutischen Regalbetreuer zu schauen. Also nicht Aut idem 2011, sondern – wenn man schon dabei ist – eine Liberalisierung der Apothekenniederlassung. Der Gerechtigkeit halber könnte ja der Gesetzgeber dann noch zwischen Kassen- und Nichtkassenapotheken unterscheiden und bei Klage eines Sozialversicherten, der nicht ein Originalpräparat vom Apotheker bekommt, die Direktverrechnungsberechtigung mit den Kassen wieder entziehen. Schöne Aussichten?
Das Problem löst sich bei der Aut-idem-Regelung ohnehin von selbst. Der Arzt, der bislang mühsam an der Compliance seiner Patienten gearbeitet und damit einen wesentlichen Bestandteil zur Genesung beigetragen hat, ist diesbezüglich aus der Verantwortung entlassen. Es gilt nur mehr: Fragen Sie Ihren Apotheker oder gehen Sie zur Kasse. Bei dieser Art der Zuwendung werden die Patienten möglicherweise nicht ganz so gesund werden. Was soll’s? Hat doch eine Studie ergeben, dass Vorsorge nur Geld kostet und erst die Krankheit „billig“ ist. Warum sollte dies nicht auch bei Aut idem greifen?

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 20/2008

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