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Pflege 7. Mai 2008

Auch in der Politik wäre eine Qualitätskontrolle dringend vonnöten

Patientenanwalt Bachinger ist fast „aus den Latschen gekippt“. Das sagte er zumindest, als er davon erfuhr, dass im Rahmen der Qualitätsprüfung über 800 Ordinationen geschlossen haben. Seine Aufregung ist leicht verständlich. Auf Wunsch (?) des Gesundheitsministeriums sitzt er im wissenschaftlichen Beirat der ÖQmed, jener Gesellschaft, die für die Qualitätsprüfung der Ordinationen zuständig zeichnet. Eigentlich sollte er es besser wissen, aber er bezeichnet die ÖQmed als Tarnfirma der Ärztekammer, die, nur um nach außen hin die Optik zu wahren, die Qualität überprüfe. Seiner Meinung nach wird nur überprüft, ob der Arzt lesen und schreiben kann.
Mit der Fachkenntnis, die er eigentlich als Patientenanwalt haben müsste, sollte Bachinger es wie gesagt besser wissen. So zum Beispiel, dass Österreich eine ganz besondere Praxendichte hat. In 17.489 Ordinationen beraten und behandeln Ärzte hierzulande die Bevölkerung. Neben ca. 8.000 Kassenordinationen gibt es auch eine große Anzahl an Zweitordinationen und reine Beratungspraxen. Genau bei dieser Gruppe hat sich eine Anzahl von Betreibern angesichts des hohen administrativen Aufwands entschlossen, anlässlich der Evaluierung ihre Praxen zu schließen. Voraussichtlich werden das etwa fünf Prozent sein. So genannte Mängelbehebungsaufträge werden in vergleichbarem Ausmaß erteilt und auch erfüllt werden. Und dies ohne Hilfe des Patientenanwaltes, der gerade den Kranksparern aus der Gewerkschaft und der Wirtschaftskammer zuarbeitet.
Ein Absenken der Honorare, die schon im letzten Jahrzehnt mit der allgemeinen Teuerung nicht Schritt halten konnten, oder gar befristete Verträge werden jegliche Investitionen zum Sistieren bringen. Ein Qualitätsverlust in den Praxen einerseits und eine Verlagerung der Behandlungen vom niedergelassenen Bereich in die Spitäler werden konsequenterweise die Folge sein. Beides widerspricht doch klar den Regierungserklärungen, die die Stärkung der extramuralen Behandlung predigen. Die Sanierung des Gesundheitssystems muss zu allererst in der Administration und der Bündelung der finanziellen Ressourcen ansetzen: schlanke Verwaltung und Geld aus einer Hand. Es werden die Patienten aus den Latschen kippen, wenn weiter bloßfüßig eine Gesundheitsreform angegangen wird, die darauf abzielt, noch mehr Geld auf Politikspielplätzen versickern zu lassen. Qualitätskontrolle wäre da dringend nötig. Doch in dieser Politik ist Qualität nicht vorgesehen. Noch nicht. Sollte aber dringend kommen.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 19/2008

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