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Pflege 30. April 2008

Der Geldfluss aus einer Hand

Der einzige Sparplan, der Sinn machen würde – der Geldfluss aus einer Hand –, wurde Dank der Übermacht der Landeshauptleute zur Totgeburt. Übrig geblieben sind großteils Vorschläge zum Totschlag des freien Arztberufes.

Bedauerlicherweise sind die Ärzte an dem Dilemma mitschuld. Da wurde zum Beispiel versäumt, rechtzeitig einen österreichweiten betriebswirtschaftlich kalkulierten Leistungskatalog vorzulegen. Nun sind die Kassenärzte zu Recht in der Öffentlichkeit mit nur schwer argumentierbaren Tarifvergleichen konfrontiert. Seitens des Hauptverbandes wurde dafür ein „Billigsthonorarkatalog“ zusammengestellt, der selbst dem Christkind die Haare zu Berge stehen lässt. Die zweite offene Flanke auf Seiten der Ärzteschaft ist die unterschiedliche Versorgungsdichte. Der strapazierte Großstadtfaktor Wiens vermag weiße Flecken auf dem Land nicht abzudecken. Wenn dann bei einer opulenten Kassenärztedichte eine weitere Planstellenvermehrung verlangt wird, lassen wir uns sozusagen mit heruntergelassener Hose erwischen. Aber Wien hat hier schon das richtige Instrument gefunden: Ein Reformpapier wurde in Auftrag gegeben. Der Leiter dieser ÄK-Arbeitsgruppe, die aus Nichtärzten bestehen soll, ist kein Unbekannter. Professor Leo Chini, „Retter“ des Wiener Wohlfahrtsfonds, darf sich eines neuen Aufgabengebietes erfreuen. Gut honoriert, versteht sich. Man darf jetzt schon auf Altbekanntes gespannt sein.
Im Übrigen könnte man die „Gesundheitsreformer“ bei ihren eigenen Vorschlägen ganz gut abholen. Ärztliche Fortbildung und Qualität sind zwei Schlagworte, die aus ihrem Munde keck zu Forderungen mit Drohgebärden mutierten. Die Herren Lamminger und Kopf hätten gut daran getan, auch bei ihrem Papier die Qualität hoch zuhalten. Sie hätten wissen können, dass sowohl Fortbildung als auch Qualitätskontrolle vorbildlich gelöst sind. Zumindest, was die Aufgabe der Ärzteschaft betrifft. Diese hätte dafür gerne, dass die ärztliche Personalausstattung der Spitäler eine Einhaltung der Dienstzeiten ermöglicht. Dauernd dürfen wir lesen und hören, dass 70 und mehr Wochenstunden der Betreuungsquälität nicht zuträglich sind. Allein an der MedUni Wien sollen weit mehr als 100 Dienstposten fehlen. Man sollte mal darüber nachdenken und vielleicht mit „Dienst nach Möglichkeiten und Vorschrift“ der Öffentlichkeit die Situation vor Augen führen. Am besten noch vor dem Sommer: im Juni, zum Beispiel.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 18/2008

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