zur Navigation zum Inhalt
 
Pflege 6. März 2008

Sparen, einmal anders

Selbst wenn Ihre Augen und Ohren dessen schon überdrüssig sind: Es geht um Sparen, Sparen, Sparen. Genauer gesagt: ums Einsparen. Und das natürlich bei den anderen. What else!

Reden wir übers Einsparen, aber einmal anders. Nämlich diesmal über den Verwaltungsaufwand der Sozialversicherung und der Kassen. Und weil wir nicht à la Rechnungshof Äpfel mit Birnen vergleichen, wollen wir uns auf die Krankenversicherungen beschränken: Der ausgewiesene Verwaltungs- und Verrechnungsaufwand für 2006 beträgt (laut Statistischem Handbuch der SV 2007) schüchtern 581 Millionen Euro. Immerhin 4,76 Prozent der Ausgaben. Kreativ schöngerechnet durch Abzug der „Ersätze“ verbleiben nur 344 Millionen Euro.
Dafür mühen sich im Sold der Sozialversicherungsträger 8.427 Mitarbeiter. Also um fünf Prozent mehr als Vertragsärzte! Oder: knapp eine Nase für 950 Versicherte. Und 796 „Chefärzte“ kümmern sich um Vertragsärzte und Versicherte. Da kann man doch nur glücklich sein als Kassenarzt. Kann sich doch ein Kollege Chefarzt um zehn Vertragsärzte intensiv kümmern. Oder es kommt ein Chefarzt auf ca. 10.000 Versicherte. Wirklich schön. Die durchschnittliche Versorgungsdichte weist 22.000 Versicherte pro Kassen-Internist aus.
2006 hat der Rechnungshof die Administration der Kassen zuletzt durchleuchtet. Bezeichnenderweise eröffnet er seine Zusammenfassung mit: „Da eine durchgehende, einheitliche Leistungserfassung des chefärztlichen Dienstes in den Krankenversicherungsträgern fehlte, waren der Leistungseinsatz für die einzelnen Tätigkeitsbereiche und damit der Personalbedarf nicht zuverlässig zu evaluieren.“ Darüber hinaus bemängelte der Rechnungshof, dass nicht alle Krankenversicherungsträger die Leistungen des chefärztlichen Dienstes detailliert erfassten. Außerdem wäre eine weitere Standortbereinigung durch verstärkte Kooperation der Krankenversicherungsträger anzustreben. Nach der Einführung der elektronischen Heilmittelbewilligung sollte eine Auslastungs- und Bedarfsprüfung für jene Standorte stattfinden, wo Chef- und Kontrollärzte anwesend sind. Nichts von all dem geschah.
Weiters merkte der Rechnungshof an: „Nach der Dienstordnung gebührt den leitenden Ärzten und ihren ... Stellvertretern eine Leitungszulage, deren Höhe weder im Gesetz noch in der Dienstordnung festgelegt ist. Letztere bestimmt nur, dass der Bezug des leitenden Arztes den dienstordnungsmäßig erreichbaren Höchstbezug des leitenden Angestellten (11.183,76 Euro bei großen Krankenversicherungsträgern) nicht überschreiten darf. Neben einer Leitungszulage darf keine Funktionszulage gewährt werden. Der leitende Arzt der Wiener Gebietskrankenkasse erhielt für seine zweite Funktion als ärztlicher Leiter des Gesundheitszentrums Süd eine Ambulatoriumszulage, die als ständiger Bezug seinen Grundbezug entsprechend erhöhte.“ Man darf auf den Folgebericht gespannt sein.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 10/2008

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben